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Oft aus Eigeninteresse: Umfrage: Große Mehrheit will „Rente mit 63“ behalten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 8, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Oft aus EigeninteresseUmfrage: Große Mehrheit will „Rente mit 63“ behalten

Wer 45 Jahre eingezahlt hat, hat genug geleistet, finden die Meisten. (Foto: picture alliance / INSIDE-PICTURE)

Kein Vorhaben aus dem geplanten Rentenpaket der Bundesregierung stößt auf so viel Widerstand wie das Aus für die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Laut einer Umfrage ist das Stimmungsbild in der Bevölkerung recht eindeutig.

Eine deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland spricht sich gegen die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 aus. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für die „Bild am Sonntag“ hervor. Demnach lehnen 68 Prozent der Befragten eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ab, nur 24 Prozent befürworten sie. 8 Prozent machten keine Angabe. An der Umfrage nahmen 1005 repräsentativ ausgewählte Personen teil.

Die Umfrage ergab auch, dass die Frührentenregelung für viele persönlich relevant ist: 56 Prozent der Befragten gaben an, selbst von der „Rente mit 63“ Gebrauch machen zu wollen oder dies bereits getan zu haben. 32 Prozent verneinten dies. 12 Prozent machten keine Angabe. Aktuell geht etwa ein Drittel aller Neurentnerinnen und -rentner abschlagsfrei früher in den Ruhestand. Männer nutzen die Möglichkeit öfter als Frauen und Ostdeutsche etwas öfter als Westdeutsche.

Die Abschaffung der „Rente mit 63“ – die faktisch derzeit ohnehin erst mit 64,5 Jahren verfügbar ist – gehört zum umfassenden Gesamtkonzept einer Rentenkommission, das die Spitzen der schwarz-roten Koalition eins zu eins umsetzen wollen. Dagegen gibt es parteiinternen Widerstand. Sowohl die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten als auch namhafte SPD-Politikerinnen und Politiker plädieren dafür, die Rente nach 45 Beitragsjahren beizubehalten.

Die Pläne sehen auch vor, Minijobs in ihrer bisherigen Form weitgehend abzuschaffen. Geringfügig Beschäftigte sollen künftig in die Sozialkassen einzahlen, Ausnahmen könnte es für Schülerinnen und Schüler geben. Auch hier überwiegt laut Umfrage Skepsis: 61 Prozent der Befragten sind demnach dagegen, dass künftig Sozialabgaben auf Minijobs erhoben werden. 30 Prozent sind dafür, 9 Prozent äußerten sich nicht. Insgesamt sind 77 Prozent der Befragten unzufrieden mit der Rentenpolitik der Bundesregierung und lediglich 16 Prozent zufrieden.

Gewerkschaftsvertreter gegen Rentenpläne

Auch bei den Gewerkschaften kommen die Rentenpläne nicht gut an. Verdi-Vorstandschef Frank Werneke sagte der „Bild am Sonntag“: „Erfreulicherweise erkennen immer mehr Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, dass der Vorschlag der Rentenkommission der Bundesregierung, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen, falsch ist.“ Die geplante Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte missachte die Lebensleistung der betroffenen Menschen, sagte Werneke. Christiane Benner, Bundesvorsitzende der IG Metall, nannte die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren gerecht. Die Menschen, die das anzweifelten, könnten „gern mal am Hochofen, auf der Werft oder am Band beim Schichtarbeiter vorbeischauen. Danach verstehen sie es bestimmt auch“. 

DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagte: „Menschen, die früh in die Ausbildung gegangen sind und nahezu ein halbes Jahrhundert gearbeitet haben, dürfen am Ende ihres Arbeitslebens nicht wie eine Zitrone ausgequetscht werden, sondern haben Anspruch auf eine gute Rente ohne Abschläge.“ Nach den Worten von Robert Feiger, Chef der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, hat sich jemand, der 45 Jahre malocht und Beiträge gezahlt hat, den abschlagsfreien Renteneintritt verdient – „daran gibt es nichts zu rütteln“. 

Unions-Mittelstandschefin Gitta Connemann machte dagegen klar, dass die Union an dem Vorhaben festhalten wolle. „Das Rentenpaket ist kein Buffet. Man kann sich nicht nur nehmen, was einem schmeckt. Der Kompromiss ist hart erarbeitet worden. Wer ihn jetzt zerpflückt, bekommt am Ende gar keine Reform. Das schadet allen Generationen“, sagte die CDU-Politikerin dem Blatt.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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