Die erste Enzyklika eines Papstes gilt als wegweisend. Leo XIV. stellt darin Künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt: Er fordert strenge Richtlinien – und warnt vor einem „neuen Kolonialismus“ durch die Tech-Konzerne.
Papst Leo XIV. sieht den Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) als eine entscheidende Frage für die Zukunft der Menschheit. In seiner ersten Enzyklika warnt er vor einer Entmenschlichung durch verfehlte Nutzung digitaler Technologien und fordert eine breitere gesellschaftliche Kontrolle von KI. Die Tatsache, dass wenige global agierende Unternehmen wesentliche Elemente dieser Technologie kontrollieren, kritisiert der Papst scharf und spricht von der Gefahr eines „neuen Kolonialismus“.
Die erste Enzyklika in der Amtszeit eines neuen Papstes gilt vielfach als eine Art Regierungserklärung für dessen Pontifikat. Solche „Rundschreiben“ – so die wörtliche Bedeutung – sollen Gläubigen rund um die Welt einen moralischen Kompass geben. Die gut 100-seitige Abhandlung trägt den Namen „Magnifica Humanitas“ (Großartige Menschheit).
Darin warnt das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken vor zahlreichen Gefahren, die KI für das menschliche Zusammenleben bedeute. Er fordert strenge Richtlinien für den Umgang damit.
Kritik an Macht der Tech-Milliardäre
„Kleine, sehr einflussreiche Gruppen können Informationen und Konsum lenken, demokratische Prozesse konditionieren und die wirtschaftliche Dynamik beeinflussen“, schreibt der Papst. Deshalb sei es „unerlässlich, dass der Einsatz von KI – insbesondere, wenn es um öffentliche Güter und Grundrechte geht – von klaren Kriterien und wirksamen Kontrollen begleitet wird“.
Auch der Besitz der Nutzerdaten müsse reguliert werden. Mehrfach betont der Papst, dass KI auf menschliche Werte und Moral ausgerichtet sein müsse. Allerdings nütze auch das nichts, „wenn diese Moral von einigen wenigen bestimmt wird“. Vielfach wird das als Kritik an Tech-Milliardären in den USA verstanden.
Besonders kritisch äußert sich der Pontifex über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Konflikte. Mit KI-gestützten autonomen Waffensystem sei Krieg in der heutigen Zeit wieder „durchführbarer“ gemacht worden. Die Entscheidung über Leben und Tod dürfe jedoch keinesfalls Maschinen überlassen werden. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Daher ist es nicht zulässig, tödliche oder jedenfalls irreversible Entscheidungen künstlichen Systemen anzuvertrauen.“
