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Rentenkommission setzt auf Kapitalmärkte | tagesschau.de

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 23, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 23.06.2026 • 08:10 Uhr

In Schweden erprobt, in Deutschland neu: Ein Teil der Rentenbeiträge soll nach den Vorschlägen der Rentenkommission künftig am Kapitalmarkt landen.

Sebastian Schreiber

Heute einzahlen und im Alter davon zehren: Am grundlegenden System der gesetzlichen Altersvorsorge dürfte sich nichts verändern. Die reine Umlage von Rentenbeiträgen aber hat absehbar ausgedient. Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission schlägt vor: Ein Teil der Beiträge soll künftig am Kapitalmarkt angelegt werden.

Deutsche Börse begrüßt Reformvorschläge

Der Vorstandschef der Deutschen Börse, Stephan Leitner, sieht in den Plänen einen großen Wurf, der nötig sei. Der kapitalgedeckte Teil werde mittel- bis langfristig die Abhängigkeit vom reinen Umlageverfahren reduzieren, so Leithner im Interview mit der ARD-Finanzredaktion: „Es wird so sein, dass alle – und das ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit – an der positiven Kapitalmarktdynamik und am Zinseszinseffekt partizipieren können.“

Schweden als Vorbild

Heute stellt die Rentenkommission ihre Vorschläge konkret vor. Am Wochenende aber wurden die Pläne bereits bekannt: In die neue Kapitalsäule sollen demzufolge erstmal ein halbes Prozent des Bruttolohns fließen. Der Anteil soll dann aber auf zwei Prozent anwachsen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen sich die verpflichtenden Beitrag teilen.

Vorbild ist Schweden: Dort gibt es die sogenannte Prämienrente schon seit 1998. In Schweden fließen sogar 2,5 Prozent der Bruttolöhne an die Kapitalmärkte. „Im Durchschnitt sind dort Renditen von zehn Prozent erreicht worden. Das muss man sich mal vor Augen führen. Selbst wenn es fünf oder sechs Prozent sind, dann ist das einfach ein großer Betrag“, so Börsenchef Leithner.

Kritiker sehen mangelnde Kalkulierbarkeit

Es gibt aber auch Kritik an den Plänen. Vom Sozialverband Deutschland etwa hieß es, Erträge aus der Kapitaldeckung seien für die gesetzliche Rentenversicherung nicht verlässlich kalkulierbar. Dem widerspricht Norbert Kuhn vom Deutschen Aktieninstitut. Er verweist auf die Streuung des Risikos:
„Es schützt Sie vor Kursschwankungen einzelner Aktien oder Branchen. Und Sie haben die zeitliche Dimension, in dem Sie eben regelmäßig investieren und damit kurzfristige Schwankungen aussitzen können.“

Altersvorsorgedepot kommt im kommenden Jahr

Die Vorschläge der Rentenkommission ergänzen bestehende Pläne der Bundesregierung. Auch da spielt der Finanzmarkt eine entscheidende Rolle. Ab dem kommenden Jahr will der Bund etwa ein neues Altersvorsorgedepot einführen, das die Riester-Rente ablösen soll. Das hatte der Bundestag im März bereits beschlossen.

Norbert Kuhn vom Deutschen Aktieninstitut fordert, die drei bestehenden Säulen der Altersvorsorge nun möglichst einfach und transparent zu verknüpfen. „Und das kann man gut erreichen, in dem man das Altersvorsorgedepot auch für die gesetzliche Rente öffnet“, so Kuhn. „Das hätte den großen Vorteil, dass sie alle Rentenansprüche, die Sie in der gesetzliche und der privaten Altersvorsorgen ansammeln, in einem Depot haben.“

Kapitalstock soll Rente ab 2040 stützen

Nach den Plänen der Rentenkommission ist zunächst jedoch geplant, dass ein Staatsfonds oder die Bundesbank die Beiträge der Versicherten anlegen. In Schweden dagegen können die Menschen das aktiv mitgestalten – und sich zwischen 400 verschiedenen Fonds entscheiden. Ob irgendwann auch die deutschen Sparer Einfluss darauf haben, wo ihre gesetzlichen Beiträge genau hinfließen, bleibt offen.

Schon jetzt ist deutlich: Bis die neue Kapitalsäule die Rentenkasse wirklich stützt, dürften Jahre vergehen. Den Plänen der Kommission zufolge wird erwartet, dass das Rentenniveau durch die erwirtschafteten Erträge ab dem Jahr 2040 steigt.

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Dr. Heinrich Krämer
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