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„Respekt und Aufmerksamkeit“: Was die mutigste Entscheidung eines Hobbypiloten sein kann

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 13, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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„Respekt und Aufmerksamkeit“Was die mutigste Entscheidung eines Hobbypiloten sein kann

In der Luft sei kein Platz für Leichtsinn, sagt Hobbyfliegerin Puttrich. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Am Himmel geht es fast so zu, wie am Boden: Jugendliche treffen auf Rentner, Einsteiger auf Profis. Doch für Piloten kann der kleinste Fehler tödlich enden. Was die Faszination vom Fliegen ausmacht.

Freiheit, Naturerlebnis, technisches Können: Flugsport fasziniert, birgt jedoch auch Risiken. So sind erst am ersten Septemberwochenende zwei Männer im Anflug auf einen Flugplatz beim Absturz eines Kleinflugzeugs im südhessischen Viernheim ums Leben gekommen. Was Hobbyflieger reizt und wie sie mit Gefahren umgehen, weiß Claus Cordes, Präsident des Deutschen Aero Clubs.

„Wenn du einmal da oben gewesen bist, dann willst du immer wieder zurück“, sagt Cordes. „Im warmen Licht der Spätnachmittagssonne bei klarer Luft zu fliegen, das ist schon einmalig.“ Fliegern böten sich faszinierende Bilder. Zudem reize am Fliegen auch die Herausforderung, in kürzester Zeit sehr weitreichende Entscheidungen treffen zu müssen. „Wenn man diesen Aufgaben gerecht wird, ist das auch ein sehr schönes Erfolgserlebnis“, sagt der Lufthansa-Kapitän im Ruhestand.

Zu lernen, ein Flugzeug zu beherrschen, sei faszinierend, beschreibt es der passionierte Segel- und Motorflieger. Zu seinen Segelflugschülern zählen 13-Jährige ebenso wie Rentner. „Die Jungen wollen es vielleicht auch beruflich machen. Und die Älteren haben ihr Berufsleben hinter sich und sagen: ‚Ich habe vom Fliegen immer geträumt, und jetzt will ich es Wirklichkeit werden lassen.'“

Insgesamt beobachte er ein zu hohes Vertrauen in elektronische Hilfsmittel, sagt Cordes. „Alles, was da rauskommt, wird als bare Münze angenommen, häufig nicht auf Plausibilität kontrolliert. Und dann kann es auch an ganz einfachen Eingabefehlern liegen, die völlig blödsinnige Ergebnisse produzieren, die dann auch übernommen werden.“

„Im Zweifel nein sagen“

Um Risiken beherrschbar zu machen, brauche es vor allem Disziplin. „Und Disziplin meint in diesem Zusammenhang, sich und seine Möglichkeiten zusammen mit dem Gerät und dem Wetter, in dem ich gerade fliege, richtig einzuschätzen und auch mal im Zweifel zu sagen, nein, heute nicht.“ Es gehe darum, abschätzen zu können: „Was kann das Flugzeug? Und was kann ich? Und was können wir beide zusammen unter den gegebenen Rahmenbedingungen?“

Um die Sicherheit im Flugsport zu erhöhen, entwickelt Cordes gemeinsam mit einem Jumbo-Kapitän ein Safety Management System – angelehnt an die Verkehrsluftfahrt. Dazu sollen Cordes zufolge Beinahe-Vorfälle erfasst werden, um etwaige Schwachstellen frühzeitig zu erkennen. „Es sollen auch Dinge gesammelt werden, die noch mal gut gegangen sind, um dann zu erkennen, dass es offenbar ein Ausbildungsdefizit gibt. Denn dieses Problem tritt immer wieder auf, auch wenn es Gott sei Dank selten oder nie zum Unfall führt.“

In der Luft sei kein Platz für Leichtsinn, sagt auch die langjährige Hobbyfliegerin Lucia Puttrich. Die frühere hessische Europaministerin hob mehr als 20 Jahre lang beim Verein Roter Milan in Nidda ab. Eine missglückte Landung etwa müsse Anlass sein, sich zu fragen: Woran hat es gelegen? Was kann beim nächsten Mal anders gemacht werden? Wer fliegt, müsse nicht nur aufmerksam bleiben, sondern auch ehrlich zu sich selbst.

So sei die mutigste Entscheidung manchmal, nicht abzuheben, erklärt die ehemalige CDU-Politikerin. Wetter und Bedingungen könnten einen Plan durchkreuzen. Gerade für Hobbyflieger, die nach Sichtflugregeln unterwegs seien, gebe es Situationen, in denen man etwas nicht tun könne, was man gerne tun möchte. Dann müsse man den Wunsch nach dem Flug zurückstellen, bevor man ein Risiko eingehe. Mut bedeute nicht, jede Grenze zu überschreiten. Mut könne auch heißen, umzukehren, zu warten oder das Flugzeug am Boden zu lassen.

„Fliegen darf niemals zur Routine werden“

„Wer den Himmel erobern will, muss ihn respektieren“, erklärt die 65-Jährige. Für sich selbst hat Puttrich entschieden, nach ihrem 65. Geburtstag nicht mehr selbst zu fliegen. „Fliegen darf niemals zur Routine werden. Man muss immer Respekt haben und volle Aufmerksamkeit.“ Gerade dann, wenn man glaube, alles laufe automatisch, könne die Gefahr eines Unfalls wachsen. Jeder Flug verlange höchste Konzentration, unabhängig davon, wie lange und wie häufig jemand schon fliege.

Die Faszination des Fliegens beschreibt Puttrich so: „Von oben hat man eine völlig andere Perspektive auf die Welt. Man merkt, wie klein man selbst ist.“ Besonders beeindruckend sei für sie der Blick auf die Wolken von oben und auf die Gipfel der Alpen. Doch bei aller Faszination des Fliegens dürfe man nie den Respekt vor dem Risiko verlieren. Das Hobby sei geprägt vom „Zauber des Blicks aus der Höhe und der Demut vor den Kräften, die dort oben wirken“.

„Wir sind der Meinung, es ist ein sicherer Sport, auch wenn nicht auszuschließen ist, dass etwas passiert“, sagt Rainer Pauli, 1. Vereinsvorsitzender der Segelfliegergruppe „Steinkopf“ im mittelhessischen Pohlheim. Dort waren im Juni zwei Männer bei einem Absturz gestorben. „Das ist aber auch so, wenn Sie in ein Auto einsteigen oder Motorrad fahren.“

Der tödliche Unfall im Sommer habe für sehr große Betroffenheit im Verein gesorgt, berichtet Pauli. „Wir haben den Absturz und seine Ursache bei uns noch mal besprochen. Und ganz wichtig ist, dass wir ein sehr, sehr hohes Sicherheitslevel haben.“ So würden die Vereinsmitglieder regelmäßig im Bereich Sicherheit geschult. „Wir machen regelmäßig auch Absturzübungen und Sicherheitsbelehrungen.“

„Sie fliegen nicht mit Angst, sondern sie fliegen mit Respekt“, betont er. Die Intention für den Flugsport sei, „dass man noch mal eine ganz andere Ebene erleben kann. Das ist so ein Gefühl von Freiheit und Zusammenhalt, weil Flugsport auch ein Mannschaftssport ist“, erklärt Pauli.

Quelle: ntv.de, Nicole Schippers und Christiane Warnecke, dpa

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