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Startseite»Politik»Richtungswahl in Peru: Gegen Fujimori – oder gegen die Linke
Politik

Richtungswahl in Peru: Gegen Fujimori – oder gegen die Linke

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 7, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 07.06.2026 • 11:51 Uhr

In Peru beginnt die Stichwahl fürs Präsidentenamt. Keiko Fujimori verspricht Ordnung – auch mit harter Hand. Ihr Konkurrent Sánchez warnt vor ihr und dem „Mafiapakt“ der Eliten. Wer mobilisiert mehr?

Anne Herrberg

Peru steht vor einer Richtungswahl und sucht nach Stabilität. Nachdem das Parlament vor drei Monaten Präsident José Jerí abgesetzt hatte, gab es bei der Wahl im April keinen eindeutigen Sieger.

Für Keiko Fujimori – „La China“, wie die japanischstämmige Politikerin wegen ihres Aussehens genannt wird – ist es der vierte Anlauf. Diesmal will sie endlich gewinnen. Sie komme, um Ordnung zu schaffen, heißt es in ihrem Wahlkampfsong.

Für sie ist die Linke „der Feind“: „Jene Linke, deren einzige Betätigung darin besteht, Armut zu verteilen, während wir Wohlstand schaffen. Jene Linke, die Hass schürt, wohingegen wir uns den Frieden wünschen.“ Peru stehe vor einer Entscheidung, sagt Fujimori: zwischen der Linken, die Chaos stifte – und ihr, die die Ordnung wiederherstellen werde.

Erbe des Vaters

Sie gibt sich als volksnahe Macherin – mit harter Hand. Damit stellt sie sich in die Tradition ihres Vaters Alberto Fujimori. Er regierte Peru in den 1990er-Jahren diktatorisch, verpasste der Wirtschaft eine neoliberale Schocktherapie und bekämpfte den Terror der maoistischen Guerillagruppe Leuchtender Pfad mit harter Hand.

Gleichzeitig wurden schwerste Menschenrechtsverbrechen verübt und Korruption institutionalisiert. Es ist dieses zweischneidige Erbe, das ihr zwar treue Anhänger, aber auch erbitterte Gegner einbringt – und ihren Wahlsieg bisher immer vereitelt hat.

Putschversuch und Festnahme

Ihr Gegner ist Roberto Sánchez. Er will seine Anhänger gegen sie mobilisieren: „Wir müssen die korrupte Mafia besiegen, die Peru heute regiert. Nieder mit dem Mafiapakt! Nieder mit dem Fujimorismus!“

Er ist der Linke, vor dem Fujimori warnte. Der studierte Psychologe war Außenhandelsminister unter dem marxistischen Ex-Präsidenten Pedro Castillo. Der Dorfschullehrer Castillo galt als Stimme des ländlichen, indigenen Peru und gewann 2021 überraschend die Wahlen. Auch damals gegen Fujimori, die den unerfahrenen Castillo mit ihrer Mehrheit im Kongress blockierte, wo es nur ging.

Nach erratischen Jahren im Amt versuchte Castillo, den Kongress verfassungswidrig abzusetzen: ein Putschversuch. Er wurde festgenommen. Für seine Anhänger bleibt er ein Opfer des rechten Establishments.

Sánchez hat sich Castillos typischen breitkrempigen Strohhut aufgesetzt und sammelt dessen Stimmen ein: „Was sagt die Stimme des Volkes? Sie wird die Demokratie von der Vereinnahmung durch den Mafiapakt im Kongress befreien. Sie wird den nationalen Reichtum freigeben, der sich derzeit in den Händen von einem Prozent der Bevölkerung konzentriert.“

Und sie werde auch den Präsidenten Castillo aus der Gefangenschaft befreien, sagt Sánchez.

Die Präsidentschaftskandidatin Keiko Fujimori von der Partei Popular Force und ihr Rivale Roberto Sanchez von der Partei Together for Peru winken während einer Präsidentschaftsdebatte in Lima.

Wähler unentschlossen

Es ist eine aufgeheizte Richtungswahl in Peru, inmitten einer schweren Regierungskrise: Wer immer heute gewinnt, wird das zehnte Staatsoberhaupt in zehn Jahren. Ein übermächtiger Kongress, geprägt von politischen Ränkespielen und Korruption, brachte reihenweise Präsidenten zu Fall.

Die einzige Konstante scheint die politische Instabilität zu sein. In der Bevölkerung wächst die Politikverdrossenheit. Ein Drittel der Wählerinnen und Wähler war laut Umfragen kurz vor dem Urnengang unentschlossen. Für viele ist es erneut eine Wahl für das kleinere Übel.

Die junge Aktivistin und Politikerin Milagros Samillán findet die Situation laut eigenen Worten sehr beunruhigend. Doch eines sei klar: „Wir sind gegen den Fujimorismus. Wieder einmal müssen wir gegen Frau Keiko Fujimori stimmen, damit sie nicht die volle Macht an sich reißt, die sie so verzweifelt begehrt.“

2023 wurde ihr Bruder Marco Antonio Samillán, ein junger Arzt, von Polizisten getötet, als er während landesweiter Protesten gegen die Absetzung Castillos Erste Hilfe leistete. 49 Zivilisten verloren damals ihr Leben. Bis heute hat dafür niemand Verantwortung übernommen.

Nur eigene Interessen

Für Samillán steht Fujimori für alles, was schiefläuft im Land: Politiker, die nur auf ihre eigenen Interessen achten, statt sich um die zahlreichen Probleme im Land zu kümmern. Da ist vor allem die zunehmende Unsicherheit. Die Bandengewalt ist in den vergangenen Jahren explodiert.

Es werde jemand gebraucht, der für Stabilität sorge, sagt ein Fischer aus dem Küstenort Puerto Pizarro im Norden, der Fujimori unterstützt. Die Fischer werden von Kriminalität, Erpressung und Auftragsmorden heimgesucht: „Jeder einzelne Fischer hier muss Schutzgeld zahlen, nur um überhaupt ausfahren zu können. Gestern Nacht wurden unsere Bootsmotoren gestohlen. Vor fünf Tagen wurde direkt hier vor unseren Augen ein Fischer ermordet. Wir sind traumatisiert, wir können nicht arbeiten.“

Was motiviert die Wähler?

70 Prozent haben im ersten Wahlgang weder für Fujimori noch für Sánchez gestimmt. Sie gilt es nun zu überzeugen. Erneut geht es in Peru dabei um die Frage, was schwerer wiegt: die Ablehnung Fujimoris – oder die Angst vor der Linken.

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Dr. Heinrich Krämer
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