FAQ
Eine fehlerhafte Schraube kann bei Autos des VW-Konzerns zu einem Ausfall der Lenkung führen. Allein in Deutschland müssen fast eine Million Fahrzeuge vorsorglich in die Werkstatt. Welche Modelle betroffen sind – und was zu tun ist.
Was ist das Problem?
Eine kleine Schraube, die große Wirkung hat: und zwar eine Befestigungsschraube der Lenkung. Sie kann unter bestimmten Umwelteinflüssen korrodieren. Korrodieren bedeutet, dass das Metall durch eine chemische Reaktion mit seiner Umgebung, zum Beispiel mit Sauerstoff und Wasser, langsam beschädigt oder abgebaut wird.
Wie ist das Problem erkannt worden?
Auf Nachfrage des NDR teilte VW mit, dass das mögliche Problem bei internen Qualitätsprüfungen entdeckt wurde. Insbesondere nach langjährigem Betrieb unter Streusalz-Einfluss könne Korrosion an einer Befestigungsverschraubung der Lenkung entstehen.
Gerade in unseren Breiten kann es besonders häufig durch Streusalz passieren. Wenn an der Stelle Feuchtigkeit eindringt, dann kann über lange Sicht die Schraube rosten, der Schraubenkopf abbrechen und dann ist das Lenkgetriebe nicht mehr sicher befestigt.
Was kann im schlimmsten Fall passieren?
Schreitet die Korrosion fort, könne in Einzelfällen die Befestigung der Lenkung und damit ihre Funktion beeinträchtigt werden, hieß es von den Herstellern. Das heißt: Im schlimmsten Fall kann der Fahrer das Auto nicht mehr kontrollieren. Das ist aber bisher noch nie passiert. Laut Kraftfahrt-Bundesamt gab es weder Verletzte noch Schäden, aber Volkswagen hat das Problem dennoch als sicherheitsrelevant eingestuft. Deshalb die Rückrufaktion.
Welche Fahrzeuge rufen die Unternehmen zurück?
Bei VW betroffen sind die Modelle Tiguan, Touran, Caddy, Golf Variant und Golf Sportsvan mit dem Produktionszeitraum September 2013 bis Juli 2024. Das ist ein ziemlich langer Zeitraum, aber die Korrosion kann sich über Jahre hinziehen, deshalb sind auch alte Modelle dabei. Dem Kraftfahrt-Bundesamt zufolge handelt es sich weltweit um fast 2,16 Millionen Fahrzeuge, davon knapp 900.000 in Deutschland.
Das Problem taucht außerdem beim Audi Q3 mit dem Produktionszeitraum 31. Oktober 2017 bis 23. Mai 2024 auf. Hier seien weltweit fast 700.000 Fahrzeuge potenziell betroffen, davon gut 58.500 in Deutschland.
Einen Rückruf gibt es außerdem für die Seat-Modelle Ateca und Tarraco im Produktionszeitraum April 2016 bis September 2024. Die genaue Zahl der potenziell betroffenen Fahrzeuge der spanischen VW-Tochter war zunächst aber nicht bekannt.
Dürfen die betroffenen Besitzer weiter mit den Autos fahren?
Volkswagen zufolge ist das möglich. In allen Fahrzeugen, die in die Werkstätten gerufen werden, ist zwar die problematische Schraube verbaut. Die Autos können aber mehr oder weniger von dem Problem betroffen sein – je nachdem, wie viel Streusalz sie beispielsweise ausgesetzt waren.
Wie erfahre ich, ob mein Fahrzeug betroffen ist?
Alle Halterinnen und Halter potenziell betroffener Autos erhalten nach Angaben eines VW-Sprechers einen Brief. Darin stehen alle wichtigen Informationen – beispielsweise zum genauen Ablauf des Rückrufs und den Ansprechpartner. Wer keinen derartigen Brief bekommt, ist auch nicht betroffen.
Wer besorgt sei, kann sich demnach aber auch an einen VW-Servicepartner wenden – also zum Beispiel an einen Händler oder eine Werkstatt. Entscheidend dafür ist die sogenannte Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN). Sie steht in der Zulassungsbescheinigung.
Auskünfte erhalten Autobesitzer auch unter den Telefonnummern 0800 / 8655 792 436 (VW) und 0800 / 2834 7378 423 (Audi). Dafür sollte auch der Rückrufcode bereitgehalten werden. Die Rückrufcodes lauten 48VS für VW, 48LG für Audi und 48T7 für Seat. Die Modelle sind auch hier abrufbar.
Was passiert in der Werkstatt?
Die betroffene Verschraubung wird dort getauscht. Die Instandsetzung dauere bis zu einer Stunde, teilte der VW-Sprecher weiter mit. Das sei kostenlos.
Wie häufig gibt es denn solche Rückrufaktionen überhaupt?
Sehr häufig und das betrifft alle Autohersteller. Bei Volkswagen war es die neunte Rückrufaktion in diesem Jahr. Bei Mercedes gab es bereits 17 Rückrufaktionen. Häufig sind Autoteile betroffen, die mit der Bremsung zusammenhängen. Aber auch Airbags, Batterien, oder das Kraftstoffsystem.
So rief VW im März 100.000 E-Autos zurück, weil die Batterien heiß wurden und im Zweifel Feuer hätten fangen können. Der Dieselskandal 2025 war die allergrößte Rückrufaktion. Weltweit mussten bis zu elf Millionen Fahrzeuge zurückgerufen werden.
Aber in der Regel geht es um eine kleine Software-Aktualisierung oder um den Austausch eines kleinen Teils. Auch dieses Mal ist es ein kleines – aber enorm sicherheitsrelevantes – Teil.
Mit Informationen von Sophie Mühlmann, NDR, Oliver Jürgens, NDR und dpa
