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Politik

So soll der Führerschein günstiger werden

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 20, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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faq

Stand: 20.05.2026 • 17:16 Uhr

Weniger Sonderfahrten, keine Präsenzpflicht im Theorieunterricht: Die Bundesregierung will den Führerschein digitaler, einfacher und günstiger machen. Das Kabinett hat eine Reform auf den Weg gebracht – was soll sich ändern?

Die Ausgangslage

Die Kosten für einen Pkw-Führerschein in Deutschland liegen nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums im Schnitt bei rund 3.400 Euro – und sind damit viel zu hoch, findet Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. Mobilität dürfe kein Privileg sein. Einfacher und bezahlbarer solle die Reform den Weg zum Führerschein machen, der ein „Schlüssel zur eigenen Freiheit“ sei – besonders da, wo Busse und Bahnen nicht regelmäßig fahren, so Schnieder.

Die schwarz-rote Koalition will nun mit einer Gesetzesreform die Preise senken – ohne „Qualität der Ausbildung und das hohe Sicherheitsniveau“ zu verringern. Versprochen werden „konkrete Verbesserungen für Fahrschülerinnen und Fahrschüler“. Zugleich sollen die „Fahrschulen entlastet werden, insbesondere durch weniger bürokratische Hürden“.

Was soll sich beim Theorieunterricht ändern?

Die Pflicht zu Präsenzunterricht soll entfallen. Fahrschulen sollen mehr digitalen Unterricht anbieten können, auch über Apps. Vorgaben zu Schulungsräumen und zur Reihenfolge der Lehrinhalte sollen abgeschafft werden. Der Katalog mit inzwischen mehr als 1.169 Fragen für die theoretische Prüfung soll um ein Drittel auf 840 reduziert werden.

Bei der theoretischen Prüfung soll künftig jede Frage mit einem Punkt bewertet werden – statt einer gewichteten Bewertung jeder einzelnen Prüfungsfrage mit zwei bis fünf Fehlerpunkten. Sicherheitsrelevante Fragen dürfen laut Ministerium aber nicht falsch beantwortet werden.

Was ändert sich bei der Praxis?

Für die Zahl der 45-minütigen Sonderfahrten etwa bei Dunkelheit oder auf Autobahnen soll die feste Vorgabe entfallen, dass es insgesamt zwölf sein müssen. Künftig sollen die Fahrschulen die Stundenzahl je nach Fähigkeiten der Fahrschülerinnen und Fahrschüler ansetzen.

Die praktische Prüfung soll von 55 auf 40 Minuten verkürzt werden. Dabei soll die reine Fahrzeit künftig 25 statt 30 Minuten betragen, Ein- und Ausparken gehören nicht dazu. Ziel ist, mehr Prüfungen pro Tag zu ermöglichen und damit Wartezeiten zu verkürzen.

Kann man künftig auch Fahren üben mit den Eltern?

Was in Luxemburg oder Österreich schon möglich ist, soll es auch in Deutschland geben: die sogenannte Laienausbildung. Übungsfahrten können dann in Begleitung „einer nahestehenden Person“ stattfinden, also etwa Eltern oder Großeltern. Voraussetzung dafür: Die bestandene Theorieprüfung und sechs praktische Fahrstunden.

Für Begleitpersonen gilt ein Mindestalter und ein Maximum an Punkten in Flensburg. Auch müssen sie selbst den Führerschein seit längerer Zeit besitzen. Die genauen Grenzwerte sind im Gesetzesentwurf noch nicht enthalten. Ein Eckpunktepapier vom Februar nannte maximal einen Punkt in Flensburg und sieben Jahre Führerschein. Die Bundesländer sollen die Möglichkeit bekommen, diese Neuerung fünf Jahre lang auszuprobieren.

Was bringt das bei den Kosten?

Die Reform werde nicht sofort, sondern in einem Prozess Auswirkungen auf die Preise haben, sagte Schnieder. „Was der Führerschein am Ende kostet, wird der Markt regeln.“ Es solle aber einfacher werden, deshalb würden auch die Kosten sinken.

Der schwarz-rote Zeitplan sieht vor, dass die neuen Regeln möglichst ab 1. Januar 2027 gelten. „Ich kann jedem nur empfehlen, der den Führerschein machen möchte, ihn sofort zu machen, nicht zu warten“, sagte Schnieder. Denn es sei nicht genau abzusehen, wann sich die Preise anders einpendeln werden.

Seit den Ankündigungen Schnieders, dass der Führerschein günstiger werden solle, ist laut früheren Angaben von Fahrlehrerverbänden in vielen Fahrschulen die Zahl der Anmeldungen eingebrochen. Viele potenzielle Fahrschüler warteten ab, bis der Führerschein günstiger wird.

Wer bestimmt eigentlich die Preise?

Einen Pauschalpreis oder gesetzliche Vorgaben für die Preisgestaltung gibt es nicht. Das heißt, Fahrschulen bestimmen die Preise für Theorieunterricht und Fahrstunden selbst. Die Gebühren für die theoretische und praktische Führerscheinprüfung bei TÜV oder DEKRA sind dagegen gesetzlich festgelegt.

Laut Statistischem Bundesamt sind die Kosten von 2021 bis 2024 überdurchschnittlich stark gestiegen – jeweils stärker als die Verbraucherpreise insgesamt. Im Jahr 2024 waren die Kosten gegenüber dem Vorjahr um 5,8 Prozent gestiegen. Die Verbraucherpreise insgesamt stiegen im selben Zeitraum um 2,2 Prozent.

Was ist noch geplant?

Vergleiche von Fahrschulen sind bisher häufig schwierig, auch wegen vieler Preis-Bestandteile von der Grundgebühr bis zu Kosten für Lernmaterial und Fahrstunden. Künftig sollen Preise und Erfolgsquoten aller Fahrschulen online veröffentlicht werden.

Die Fahrschulen sollen entlastet werden, indem viele Dokumentations- und Aufzeichnungspflichten wegfallen sollen.

Welche Reaktionen gibt es?

In einem Papier der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände werden die Reformvorschläge kritisiert. So wird ein reiner Online-Unterricht abgelehnt. Der Verband spricht sich außerdem gegen eine Kürzung der Fragenkataloge aus – und gegen eine Verringerung der Sonderfahrten. „Sonderfahrten haben in den letzten Jahrzehnten wesentlich zur Reduzierung jugendlicher Verkehrsunfallopfer beigetragen.“ Die „Einführung einer Ausbildung von Laien durch Laien“ wird strikt abgelehnt.

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Dr. Heinrich Krämer
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