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Politik

Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern verbessert sich überraschend

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 22, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.05.2026 • 12:17 Uhr

Trotz der andauernden Unsicherheiten, die unter anderem der Iran-Krieg schürt, blicken die Unternehmen etwas positiver in die Zukunft. Ähnlich überraschend stieg auch die Stimmung bei Verbrauchern.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Mai nach Einbrüchen in den Monaten zuvor wieder etwas erholt. Das ifo-Geschäftsklima stieg überraschend um 0,4 Punkte auf 84,9 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut heute mitteilte. Die vom ifo-Institut befragten Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Lage, als auch die Erwartungen für die kommenden Monate positiver. Analysten waren im Vorfeld von einer weiteren Verschlechterung ausgegangen und hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 84,2 Punkte gerechnet.

„Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich vorerst, die Lage bleibt aber fragil“, kommentierte ifo-Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der monatlichen Umfrage unter 9.000 Unternehmen. Mit ausschlaggebend war eine deutliche Verbesserung im Bereich Dienstleistungen. Die Stimmung in der Logistikbranche bleibt laut ifo zwar angespannt, ist aber nicht mehr so katastrophal wie im Vormonat. Gleiches gelte auch für den Tourismussektor.

„Gewisse Bodenbildung in Sicht“

Viele Experten sehen in der Stimmungsaufhellung in den Chefetagen aber noch kein Anzeichen für eine Trendwende: „Der leichte Anstieg des ifo-Geschäftsklimas bedeutet nur, dass sich dieser wichtige Konjunkturindikator nach zwei Einbrüchen in Folge auf einem niedrigen Niveau stabilisiert hat“, meint Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Der Trend weise weiter klar nach unten: „Der Iran-Krieg und der hohe Ölpreis fordern ihren Tribut, die deutsche Wirtschaft dürfte im zweiten Quartal schrumpfen, nachdem sie im ersten noch merklich zugelegt hatte.“

„Nun scheint trotzdem eine gewisse Bodenbildung in Sicht“, so LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch. Der Auftragsbestand sei zumindest hoch. „Das wäre eine gute Basis für eine Erholung, wenn etwa die Energiepreise sänken oder die allgemeine Stimmung sich besserte.“ Niklasch geht aber davon aus, dass sich die Konjunkturdynamik „noch ein paar Monate auf dem aktuellen Niveau dahinschleppen wird“.

Verbraucherstimmung erholt sich überraschend

Auch unter deutschen Konsumenten hat sich die Stimmung zuletzt gebessert: Die Einkommenserwartungen, die sich mit Beginn des Iran-Krieges deutlich eingetrübt hatten, fallen bei der Umfrage der Marktforschungsinstitute GfK und NIM im Mai merklich positiver aus als noch im April.

So hat sich der Indikator für das Konsumklima im Juni auf minus 29,8 Punkte verbessert, nach revidiert minus 33,1 Punkten im Vormonat. Analysten hatten hingegen mit einer schwächeren Konsumlaune gerechnet und waren im Schnitt von einem Wert von minus 34,0 Punkten ausgegangen. Das geht aus der heute veröffentlichten Studie der Konsumforschungsinstitute hervor.

Mehrheit rechnet mit Verschlechterung der Situation

Trotz eines leichten Anstiegs bleibt die Anschaffungsneigung verhalten und die Sparneigung sei erneut leicht rückläufig. „Die Belastungen durch den Konflikt im Nahen Osten bleiben in der Grundtendenz bestehen und sind im Konsumklima weiterhin sichtbar“, sagte der NIM-Konsumexperte Rolf Bürkl.

Da der Konflikt bisher nicht weiter eskaliere, wirke er sich derzeit nur bedingt auf die Verbraucherstimmung aus. Die Mehrheit der Verbraucher rechne aber mit einer Verschlechterung der Situation in den nächsten zwölf Monaten. Zugleich rechnen viele Verbraucher weiterhin mit steigenden Preisen.

Konjunkturprognosen gesenkt

Die Stimmungsaufhellungen erfolgten, nachdem Ökonomen zuletzt ihre Konjunkturprognosen für Deutschland reihenweise gesenkt hatten: Erst gestern hatte die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für die größte europäische Volkswirtschaft in diesem Jahr wegen hoher Energiepreise infolge des Iran-Kriegs auf 0,6 Prozent halbiert. Die Bundesregierung rechnet noch mit einem Wachstum um 0,5 Prozent.

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