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Startseite»Politik»Sudetendeutscher Tag in Tschechien: Begegnung, Gedenken, Proteste
Politik

Sudetendeutscher Tag in Tschechien: Begegnung, Gedenken, Proteste

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 24, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 24.05.2026 • 18:02 Uhr

Der erste Sudetendeutsche Tag in Tschechien hat dort eine landesweite Debatte entfacht. Beim Treffen gab es dann zwar auch Proteste – vor allem aber Begegnungen.

Marianne Allweiss

Der Sound des Sudetendeutschen Tags füllt am Pfingstwochenende die Brünner Innenstadt und die Messehallen. Die Vertriebenen und ihre Angehörigen pflegen die Tradition böhmischer und mährischer Volkslieder. „Auf Deutsch würde das heißen: Musiker, Musiker, Musiker, Ihr spielt schön!“, sagt Herbert Schmid.

Schmid ist Vorsitzender der Seliger-Gemeinde in Bayern: der Nachfolgeorganisation der sudetendeutschen Sozialdemokraten. Die waren Nazi-Gegner – anders als die Mehrheit der Deutschen in der Tschechoslowakei.

“Wir sind Brückenbauer im Gegensatz zu manchen anderen. Wir haben nie unser Eigentum zurückgefordert, keine Entschädigung gewollt. Und wir spielen jetzt gern mit Freude, trinken Bier und reden mit fast allen.“

Herbert Schmid, Seliger-Gemeinde in Bayern

Bayerns Ministerpräsident Söder (Mitte) und der Landsmannschaftsvorsitzende Posselt (rechts) betonten, von dem Treffen gehe eine Botschaft der Verständigung aus.

Farbenfrohe Trachten

Auch Gernot Ofner in seiner farbenfrohen Tracht aus der Wischauer Sprachinsel südlich von Brünn ist dankbar für die Einladung nach Tschechien. „Wir waren am Abend in einem Weinlokal“, erzählt er. „Als wir gegangen sind, ist uns eine Frau nachgelaufen und hat gesagt, dass sie sich entschuldigen möchte für die Leute, die da was Negatives reinbringen.“ Sie habe sich gefreut, dass sie da seien, sagte er.

Am Messestand des Wischauer Vereins erzählt der Tscheche Rudolf Coufal seine Geschichte. Er lebt in der Nähe von Brünn in Znojmo, früher Znaim. Eine Großmutter war Deutsche, ein Teil seiner Familie wurde vertrieben. Jetzt seien sie mit ihren Verwandten da, den sie vor drei Jahren über Facebook in Ludwigsburg bei Stuttgart gefunden hätten, erzählt er. „Es ist eine unglaubliche Freude. Andererseits ist es traurig, dass einige Leute überzeugt werden, dass das eine Drohung wäre. Die Leute sind friedlich, das sieht man hier. Ich verstehe das überhaupt nicht.“

Am Rande des Sudetendeutschen Tags wird immer wieder protestiert. Wie seit Jahren bei tschechisch-deutschen Gedenk- und Versöhnungsveranstaltungen. Die Demonstranten bezeichnen die Vertriebenen pauschal und weiterhin als Nazis und unterstellen Restitutionsforderungen. Organisatoren sind rechte und linke Kleinparteien.

Parlament verurteilte Treffen

Frantisek Mandel aus Brünn ist im Verein früherer sozialistischer Grenzschützer aktiv. „Ich habe grundsätzlich nichts gegen Deutsche. Aber die Sudetendeutschen haben uns unermessliches Leid zugefügt“, sagt er. „Es ging ihnen um die Vernichtung des tschechischen Volkes und damit kann ich nicht einverstanden sein.“

Aus lokalen Protesten hatte eine rechte Regierungspartei eine landesweite Debatte angestoßen und überraschend eine Resolution durchs Parlament gedrückt, die das Treffen in Tschechien verurteilt. Mit Billigung des populistischen Premiers Andrej Babis.

Der Senatspräsident wie auch der Staatspräsident erklärten sich dagegen solidarisch mit dem Versöhnungsfestival Meeting Brno, das die Landsmannschaft eingeladen hat.

In Brünn gab es Proteste gegen das Treffen der Sudetendeutschen.

„Es ist eine nationale Therapie“

Co-Gründer David Macek ist fast dankbar für Aufregung im Vorfeld. „Für die Opponenten ist es so etwas wie ein Geschenk. Weil sie leider Angst haben“, sagt er. Jetzt könnten sie Sudetendeutsche persönlich treffen. „Und es hilft. Es ist eine nationale Therapie, nicht nur lokal, es ist etwas Nationales.“

Das Treffen sei eine ermutigende Botschaft in schweren Zeiten, nach einem langen Weg deutsch-tschechischer Diskussionen, erklärt Markus Söder in Brünn. Als bayerischer Ministerpräsident ist der CSU-Politiker Schirmherr der Sudetendeutschen:

„Das ist ein historischer Tag, meine Damen und Herren! Heute ist es ein Tag der Zukunft, ein Tag der Hoffnung und ein echtes Friedensangebot. Ich gehe so weit: Für ganz Europa. Danke, dass wir heute da sein dürfen.“

CSU-Chef Markus Söder, Schirmherr

Leben als Begegnung

„Alles Leben ist Begegnung“ lautet das Motto in Brünn. Diese Begegnungen sind für den Vorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, wichtiger denn je – angesichts von erstarkendem Nationalismus und Populismus in vielen Ländern Europas – auch in Deutschland.

„Nur mutige Menschen können sich versöhnen. Hass und Krieg führen kann jeder Idiot“, sagt er. „Wir Sudetendeutschen und unsere vielen tschechischen Freunde. Wir stehen an der Seite der Mutigen. Die Idioten werden verschwinden. Die Mutigen, Friedlichen. Denen gehört die Zukunft.“

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