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Startseite»Politik»Summer Exhibition in London: Wenn Hobbykünstler neben Ikonen ausstellen
Politik

Summer Exhibition in London: Wenn Hobbykünstler neben Ikonen ausstellen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 16, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.06.2026 • 09:19 Uhr

Es ist die größte offene Kunstausstellung der Welt: die Summer Exhibition in London. Jeder Brite und jede Britin konnte dafür Kunstwerke einreichen – nun ist das Ergebnis zu bewundern.

Franziska Hoppen

Die Summer Exhibition der Royal Academy of Art in London gehört für die britische Kunstszene zu den Highlights im Kalender. Neben bekannten Ikonen stellen dort Tausende Hobbykünstlerinnen und Hobbykünstler aus – manche zum ersten Mal im Leben.

Die Royal Academy of Arts befindet sich gleich neben Londons Piccadilly Circus, in einem 360 Jahre alten Gebäude, das mit seinen opulenten Säulen und den Wandgemälden fast wie ein römischer Tempel wirkt. Allein das Gebäude ist also eine Sehenswürdigkeit – umso mehr, wenn dort nun die knapp 2.000 Kunstwerke an den Wänden der altehrwürdigen Hallen hängen. Von heute bis 23. August sind sie dort zu bewundern.

Ausgestellt werden sowohl Werke namhafter Künstlerinnen und Künstler als auch die von Privatpersonen.

„Kennst du Tetris?“

Zuständig für das Arrangement war unter anderem Konzeptkünstler Ryan Gander. Er hat sich in den vergangenen Wochen Tag und Nacht den Kopf darüber zerbrochen, wie er als Koordinator die Kunstwerke an den Wänden Royal Academy of Arts anordnen soll. „Ich hatte Albträume und seltsame wiederkehrende Träume – kennst du Tetris, wo man versucht, Würfel aneinanderzureihen? Das war, weil ich so viele Werke gesehen und versucht habe, sie an den Wänden unterzubringen“, berichtet er.

Doch genau das, eine gigantische sogenannte Salonhängung vom Boden bis zur Decke, macht die größte offene Kunstausstellung der Welt so besonders – seit 258 Jahren schon. Jeder Brite, der möchte, kann für umgerechnet knapp 50 Euro ein bis zwei Werke einreichen. Nicht nur etablierte Künstler also, sondern wer auch immer gerne zum Pinsel, dem Meißel, der Kamera, dem Töpferton oder den Stricknadeln greift. Die Summer Exhibition sei „eine wirklich demokratische Ausstellung, eine Ausstellung der Leute“, so Gander.

18.000 Werke eingereicht

Nur dass eben eine Jury aus all den Einreichungen, diesmal mehr als 18.000, eine Auswahl treffen muss. In diesem Jahr sind es im Ergebnis 1.851 Werke. Darin enthalten sind auch Arbeiten der 100 Mitglieder der Royal Academy selbst, so wie Ryan Gander es ist.

Seine halb verhangenen Spiegel prangen an einer der Wände, da ist ein Selbstporträt der nackten Tracey Emin, eine schwarz-weiß Fotografie von Marina Abramovich, auf dem Boden steht ein durchsichtiger Würfel von Bildhauer Anish Kapoor. Dazwischen, darüber, darunter: Stillleben von Blumen, Wachsmalereien von Straßen, Häusern, einem Wal, da sind knallige geometrische Formen, Sound-Installationen, Fotos, zahlreiche Porträts, von Menschen, Hunden, Katzen – ein Tetris eben.

Der Künstler und Kurator der Ausstellung, Ryan Gander, ist selbst Mitglied der Royal Academy of Arts.

„Ich mag kuratorische Themen, die alles vorgeben, nicht besonders. Das Schöne an der Welt ist die Art und Weise, wie Dinge unbeholfen aufeinanderprallen, all die schrecklichen Geräusche, die dabei entstehen“, sagt Gander.

Vernetzung ist das Motto

„Interconnectedness“ – Vernetzung – ist das Motto der diesjährigen Ausstellung. Auch, wenn das Auge auf den ersten Blick überfordert sein mag von der Masse an Kunst: Besucher würden ganz bestimmt Zusammenhänge für sich finden, versichert Gander.

Doch viele kommen aus noch einem anderen Grund: Jedes der Werke hier kann erworben werben. Für wenige Hundert Pfund zum Beispiel von von jungen Künstlern, für mehrere Zehntausend von den ganz Großen. Alle Erlöse kommen den Studierenden der Royal Academy zu Gute. Sie bietet als einzige Kunsthochschule Großbritanniens ein kostenloses dreijähriges postgraduales Programm an – seit 1768 schon, quasi seit es auch die Summer Exhibition gibt.

Eine echte Londoner Institution sei das eben, sagt die leitende Kuratorin Sinta Berry – viel mehr als nur einfach eine Ausstellung. „Weil es so festlich ist – ein Fest der Künste -, kommen die Leute gerne mit ihren Freunden hierher.“

Viele Besucherinnen und Besucher machten die Ausstellung zu einem jährlichen Treffen, schlenderten herum, würden die Kunstwerke besprechen und sich vielleicht für einen Kauf entscheiden, so Berry. „Ich finde, es ist ein sehr freudiges Erlebnis – und eben auch einfach Kunst an den Wänden.“

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