Marktbericht
Überschwemmungen, Dürren, Waldbrände: Die Rückversicherer warnen vor mehr wetterbedingten Naturkatastrophen. Auf dem Branchentreffen in Monte Carlo müssen sie dennoch mit sinkenden Prämien rechnen. Die Aktien stehen unter Druck.
Seit dem Wochenende geht es in Monaco wieder um Versicherungsprämien, Risikoanteile und Schadengrenzen: In Monte Carlo in Monaco läuft derzeit das traditionelle Branchentreffen, bei dem Rückversicherer und Erstversicherer die Konditionen für die Vertragserneuerung zum Jahreswechsel aushandeln.
Und wie immer sind die Rückversicherer bemüht, die Erstversicherer und die Öffentlichkeit auf die hohen Risiken insbesondere aus Naturkatastrophen hinzuweisen.
„Klimawandel immer spürbarer“
Mit den klimabedingten Ereignissen der vergangenen Monate haben sie auch starke Argumente. So warnten die Weltmarktführer Münchener Rück, Swiss Re und Hannover Rück vor wachsenden Gefahren etwa durch Überschwemmungen, Dürren, Hagel, schwere Gewitter und Waldbrände. Sie führten langfristig zu möglichen höheren Schadenbelastungen und einer wachsenden Nachfrage nach Rückversicherungsschutz.
Auch die jüngsten Hitzewellen entwickelten sich „zunehmend zu ökonomischen Risiken“, teilte die Münchener Rück mit. Die Auswirkungen des Klimawandels würden „immer unmittelbarer spürbar“.
Waldbrandschäden wachsen stetig
Waldbrände seien weltweit das am stärksten wachsende Wetterrisiko, erklärte die Swiss Re. In Europa seien die versicherten Waldbrandschäden in den vergangenen Jahrzehnten um schätzungsweise acht bis elf Prozent pro Jahr gestiegen. Dieses Risiko wachse weiter, schrieb die Swiss Re, „weil immer mehr Menschen und Vermögenswerte in waldbrandgefährdeten Gebieten angesiedelt sind“.
Trotz der unbestritten hohen Großrisiken sind die Preise für den Rückversicherungsschutz im Schaden- und Unfallgeschäft seit 2025 wieder rückläufig. Nach einem kräftigen Anstieg in den Vorjahren liegen sie aber immer noch auf einem hohen Niveau.
Prämien dürften weiter sinken
In den vergangenen Jahren waren die Katastrophenschäden aber hinter den größten Befürchtungen zurückgeblieben. Entsprechend stark stiegen die Gewinne der Rückversicherer, womit Experten diese in einer ungünstigeren Verhandlungsposition sehen. Der Trend zu weiter sinkenden Prämien dürfte also anhalten.
Beispielsweise haben sich die Versicherungsschäden durch die großen Waldbrände dieses Jahres in Europa im überschaubaren Rahmen gehalten. Das erklärte die Münchener Rück in Monte Carlo damit, dass die Feuer nur ländliche Regionen getroffen hätten und keine größeren Wohn- oder Industriegebiete.
Laut einer Umfrage der Ratingagentur Moody’s erwarten 86 Prozent der befragten Erstversicherer einen weiteren Preisrückgang. In der Schadenversicherung etwa für Wohngebäude, Industrieanlagen und Autos rechnen die meisten sogar mit Abschlägen von mehr als 7,5 Prozent. Auch Hannover-Rück-Chef Clemens Jungsthöfel erwartet zum 1. Januar leicht sinkende Preise, will die übrigen Konditionen aber „überwiegend stabil“ halten.
Erstversicherer haben zuletzt besser abgeschnitten
Die sinkenden Rückversicherungspreise sind ein wesentlicher Grund, warum die Aktien der Erstversicherer wie der Allianz oder Generali in den vergangenen Monaten besser als die der Rückversicherer abgeschnitten haben.
Rückversicherer sind die Versicherer der Versicherungswirtschaft. Erstversicherer reichen einen Teil ihrer Risiken an diese weiter und zahlen ihnen dafür einen Teil der eingenommenen Prämien. Damit werden die Risiken aus Großschäden auf mehrere Versicherer verteilt. Das „Rendez-Vous de Septembre“ in Monte Carlo ist das wichtigste Treffen der Branche und findet dieses Jahr zum 68. Mal statt.
DAX gibt nach
Am deutschen Aktienmarkt verlieren die Aktien des Weltmarktführers Münchener Rück und des Branchendritten Hannover Rück überdurchschnittlich.
Insgesamt startet der DAX nach der jüngsten Stabilisierung wieder schwächer in die neue Woche. Weiterhin lasten die hohen Ölpreise auf den Kursen. Zudem fällt die Wall Street wegen des Feiertags Labor Day als Impulsgeber aus. Bis zum frühen Nachmittag büßt der DAX 0,4 Prozent auf 25.940 Punkte ein.
