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Politik

Trotz Grillsaison: schlechte Stimmung bei den Schweinehaltern

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 28, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 28.06.2026 • 10:12 Uhr

Ein Sommer mit Fußball-WM – das ist klassische Grillsaison. Trotzdem verdienen deutsche Schweinehalter gerade kein Geld. Wie kann das sein?

Von Birgit Stamerjohanns, NDR

Für den Landwirt Heiko Schwarting aus dem Landkreis Oldenburg in Niedersachsen hat die Grillsaison in diesem Jahr einen bitteren Beigeschmack. Die Arbeit im Stall, sagt der Schweinemäster, mache ihm momentan keinen großen Spaß. Weil Schwarting immer daran denken muss, dass er mit jedem Schwein, das er mästet, Verluste macht.

„Wir haben jetzt innerhalb von drei Wochen rund 13 Prozent des Umsatzerlöses verloren“, sagt Schwarting. „Obwohl die Nachfrage im selben Zeitraum gestiegen ist um vier Prozent.“

Preis pro Kilo um 20 Cent gesunken

Diesen Trend bestätigt Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Deutschland (ISN) aus dem niedersächsischen Damme. „Seit Anfang Mai ist der Preis pro Kilo Schweinefleisch um 20 Cent gesunken. Normalerweise hätte es um mindestens 20 Cent hochgehen müssen“, so Torsten Staack.

Denn eigentlich sind die Sommermonate für Schweinehalter lukrativ, weil Grillfleisch stärker nachgefragt wird – erst recht während einer Fußball-WM. Aber Grund zur Freude haben im Moment nur die Verbraucher: Laut Statistischem Bundesamt kostete Schweinefleisch in diesem Mai 16,7 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Afrikanische Schweinepest verhindert Export nach Asien

Der Hauptgrund für die Katerstimmung bei den Schweinehaltern liegt allerdings nicht in Deutschland, sondern in Spanien. Dort ist die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen – und das führt zu Handelsbeschränkungen, beispielsweise für den asiatischen Raum. Ein großes Problem für Landwirte, denn nach Asien gehen vor allem die Teile vom Schwein, die bei uns niemand auf dem Teller haben möchte: Pfoten, Ohren, Schwänze.

„Ein Landwirt mästet eben ein ganzes Schwein und nicht nur das Filet“, gibt Staack zu bedenken. Deswegen sei es wichtig, dass auch die weniger begehrten Teile ihre Abnehmer finden. Nun aber darf Spanien, der größte Schweinefleisch-Produzent Europas, kein Fleisch mehr nach Asien liefern. „Diese ganze Ware drückt jetzt auf den europäischen Markt, und damit haben wir zu konkurrieren“, so Staack.

Es landet mehr Vegetarisches auf dem Grill

Gesa Oetken, Geschäftsführerin der Inkoop Verbrauchermärkte in Delmenhorst, kennt noch einen weiteren Grund für die schlechten Preise: die geringere Nachfrage. „Der Fleischmarkt ist generell unter Druck“, beobachtet sie. Aber beim Schwein sei der Rückgang massiv: „Es gibt einen riesigen Gesundheitstrend, der die Leute bewegt, mehr Geflügel zu essen, was vermeintlich gesünder ist als fettiges Schweinefleisch.“

In der Frischetheke und im Kühlregal nehme Geflügel immer mehr Platz ein, auch wenn Schweinefleisch mit einem Anteil von 50 Prozent noch immer am beliebtesten sei. Allerdings stellt Oetken gerade jetzt im Sommer fest, dass viele Kunden zu vegetarischen und veganen Alternativen greifen. Immer öfter landen Gemüse, Grillkäse oder auch vegane oder vegetarische Fleischersatzprodukte auf dem Grillrost.

Weniger Konsum, aber bessere Haltung?

Über einen positiven Trend immerhin freuen sich die niedersächsischen Schweinehalter: Das Fleisch, das in den Supermärkten verkauft wird, stammt mittlerweile fast ausnahmslos aus Deutschland – und nicht aus dem Ausland, wo es sich günstiger produzieren lässt, wo die Standards bei der Tierhaltung aber auch häufig nicht vergleichbar sind.

Deswegen blickt Landwirt Gerrit Asbrock aus Melle in Niedersachsen auch positiv in die Zukunft: Er hält Schweine der Haltungsform vier – also eine Stufe vor der höchsten Kategorie „Bio“. Seine 140 Zuchtsauen und ihr Nachwuchs haben mehr Platz als ihre Artgenossen in konventioneller Haltung, außerdem frische Luft und Stroh statt Spaltenböden.

Der Landwirt Gerrit Asbrock blickt positiv in die Zukunft. Seine Tiere haben mehr Platz – und er verkauft sie teurer.

Um seine Kosten decken zu können, muss Gerrit Asbrock aber 50 Cent mehr pro Kilo Fleisch bekommen als seine Kollegen. „Natürlich merken wir auch den Preisdruck, aber ich bin grundsätzlich positiv gestimmt“, sagt der Schweinehalter. „Der Konsum wird weiter runtergehen, aber ich denke, dass die Leute dann stärker darauf achten, was für ein Fleisch sie essen und wo es herkommt.“ Gerade hat der 24-Jährige einen neuen Stall gebaut. Er glaubt an die Zukunft seiner Schweinehaltung.

Immer mehr Schweinehalter geben auf

Damit ist Asbrock allerdings eine Ausnahme: Allein im vergangenen Jahr sank die Zahl der schweinehaltenden Betriebe in Niedersachsen um 6,8 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2016 hat fast jeder zweite Schweinehalter aufgegeben. Im November 2025 gab es nach Angaben des ISN noch 15.190 schweinehaltende Betriebe in Niedersachsen – Tendenz weiter fallend.

Auch Landwirt Schwarting aus dem Landkreis Oldenburg plant, seine Tiere über kurz oder lang abzuschaffen, weil ihm die wirtschaftliche Perspektive fehlt. Dass sich der Markt schnell erholt und die Schweinehalter doch noch einen ungetrübten Sommer erleben können, glauben weder er noch Marktexperten. Der ISN rechnet vielmehr damit, dass sich die Preise für Schweinefleisch „auf niedrigem Niveau stabilisieren werden“. Und das trotz bestem Grillwetter.

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Dr. Heinrich Krämer
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