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Startseite»Politik»UNICEF-Studie – 15-Jährige in Deutschland besser als berichtet
Politik

UNICEF-Studie – 15-Jährige in Deutschland besser als berichtet

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 12, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Faktenfinder

Stand: 12.06.2026 • 16:11 Uhr

Beim Lesen und im Fach Mathematik sollen 15-Jährige in Deutschland angeblich nur auf Platz 34 von 41 Ländern liegen. Das berichteten mehrere Medien mit Verweis auf eine UNICEF-Studie. Doch das steht dort so gar nicht.

Eine UNICEF-Studie sorgte Mitte Mai für ein großes Medien-Echo. Vor allem der vermeintlich schlechte Bildungsstand der 15-Jährigen in Deutschland wurde in vielen Berichten thematisiert. „Nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen demnach die Mindestkompetenz in Lesen und Mathematik. Damit liege Deutschland auf Platz 34 von 41 Ländern“, hieß es gleichlautend in mehreren Medien. Dazu hieß es beispielsweise, Deutschlands Abschneiden im Bereich Bildung sei „alarmierend“.

Die Medien zitierten dabei alle aus einer Pressemitteilung von UNICEF Deutschland über eine internationale Vergleichsstudie des UNICEF-Forschungsinstitut Innocenti mit Sitz in Florenz. Allerdings geht das aus der Studie so nicht hervor.

Studieninhalt wurde falsch wiedergegeben

In der Onlineversion dieser Pressemitteilung ist eine achtseitige, deutschsprachige Zusammenfassung der Studie verlinkt, sowie der achtzigseitige Originalbericht in englischer Sprache. In diesem Originalbericht findet sich auf Seite 32 ein Ranking der untersuchten Länder bei den schulischen Kompetenzen 15-Jähriger in Mathematik und Lesen.

Dort liegt Deutschland mit 60 Prozent derer, die die Mindestanforderungen in beiden Tests erfüllen, aber gar nicht auf Platz 34 von 41 Ländern, sondern auf Platz 20 von 43 – in einem sehr breiten Mittelfeld, noch vor Ländern wie Schweden (59 Prozent, Platz 23), Norwegen (56 Prozent, Platz 27) oder Island (50 Prozent, Platz 32). Beim Erstplatzierten Südkorea erfüllen 79 Prozent der 15-Jährigen die Mindestanforderungen in Mathe und Lesen. Die Ergebnisse stammen aus dem PISA-Vergleich 2022.

Schlechte Platzierung in einer anderen Kategorie

In einem anderen Ranking, das es auch in die deutschsprachige Zusammenfassung geschafft hat, liegt Deutschland tatsächlich auf Platz 34 von 41 Ländern: In der Zusammenfassung der schulischen und der sozialen Kompetenzen. Weil 15-Jährige in Deutschland ihre Fähigkeiten, Freundschaften zu schließen, im Ländervergleich besonders schlecht einschätzten (dahinter liegen laut Studie nur noch Mexiko und Chile), reicht es insgesamt lediglich für Platz 34.

UNICEF Deutschland räumt Fehler ein

Auf die Bitte um eine Stellungnahme antwortet die Pressestelle von UNICEF Deutschland mit einer Mail, in der sie die fehlerhafte Platzierung bei Mathe und Lesen in der Pressemitteilung als „unklare Formulierung“ beziehungsweise „missverständliche Passage“ bezeichnet:

Platz 34 bezieht sich, wie Sie richtig anmerken, nicht auf die Lese- und Mathekompetenzen allein, sondern auf das Gesamtranking aus akademischen und sozialen Kompetenzen. Wir bedauern diese unklare Formulierung (…) Wir haben die missverständliche Passage der Pressemeldung auf unserer Webseite angepasst und mit einem klar gekennzeichneten Transparenzhinweis versehen.

Was ist die „Mindestkompetenz“ in Mathe und Lesen?

Das Bildungs-Ranking in der UNICEF-Studie bezieht sich auf das Erreichen der Kompetenzstufe II in dem PISA-Vergleichstest 2022, definiert als „das grundlegende Kompetenzniveau, das PISA für die volle Teilhabe an der modernen Gesellschaft als notwendig erachtet“, heißt es bei UNICEF.

Von den 15-Jährigen wird also mehr verlangt als die bloße Alphabetisierung und das Beherrschen der Grundrechenarten.

Fehlerhafte Pressemitteilung wurde auch falsch interpretiert

Das ohnehin fehlerhafte Ranking aus der Pressemitteilung war manchen offenbar noch nicht besorgniserregend genug. So heißt es in einem Meinungsartikel zum Thema: „Das heißt im Klartext: 40 Prozent sind nahezu Analphabeten und beherrschen nicht die Grundrechenarten.“

Abgesehen davon, dass es in dem Bildungsvergleich eben nicht nur um „Alphabetisierung und Grundrechenarten“ geht, ist auch der Umkehrschluss nicht richtig: Wenn 60 Prozent beide Tests bestehen, heißt das noch lange nicht, dass die übrigen 40 Prozent automatisch in beiden Tests durchfallen. Einige werden „nur“ den Mathetest erfolgreich absolviert haben, andere „nur“ den Test der Lesekompetenz.

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