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Politik

US-Gesundheitsminister will Peptide leichter zugänglich machen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 15, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 15.05.2026 • 19:46 Uhr

Immer mehr Influencer experimentieren mit Peptiden. Ohne ärztliche Aufsicht spritzen sie sich Flüssigkeiten, über die nicht viel bekannt ist. Bald könnten die Substanzen in den USA noch einfacher zugänglich werden.

Giselle Ucar

Es sind vor allem selbsternannte Fitness- und Beauty-Experten, die in sozialen Medien auf Peptide schwören. Influencer, teilweise mit hunderttausenden Followern. Sie versprechen straffere Haut, Muskelwachstum oder einen Energieschub – je nachdem, welches Peptid man sich spritzt.

In den Kommentaren zu den Videos fragen viele, wo man die Substanzen herbekommt. Denn die meisten der angepriesenen Peptide können in den USA eigentlich nur zu Forschungszwecken gekauft werden. Rechtlich sei das eine Grauzone, so Peter Lurie, Präsident der Verbraucherschutzorganisation Center for Science in the Public Interest. „Es gibt keine ausreichenden Belege für die Wirksamkeit dieser Peptide, die für seriöse Ärzte akzeptabel wären“, erklärt er.

Zahlreiche Peptide sind nicht gut erforscht

Peptide sind kurze Ketten aus Aminosäuren. Sie kommen natürlich im menschlichen Körper vor und steuern dort wichtige Prozesse: Von Wundheilung über Hormonproduktion bis hin zur Reaktion des Immunsystems. Künstlich hergestellte Peptide wie Insulin für Diabetiker oder GLP-1, bekannt aus Abnehmspritzen, sind gut erforscht und von Gesundheitsbehörden zugelassen. Viele andere sind es allerdings nicht.

FDA hat viele Peptide als Sicherheitsrisiko eingestuft

Lurie beobachtet mit Sorge, dass Patienten von wirklich wirksamen Medikamenten auf Peptide umsteigen, für deren Wirksamkeit es keine Belege gibt. Große klinische Studien an Menschen fehlen häufig.

Deshalb hat die US-Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA einige Trend-Peptide im Jahr 2023 kategorisiert. 19 Substanzen wurden als potenziell mit signifikanten Sicherheitsrisiken behaftet eingestuft. Das verbietet US-Apotheken, die sich auf das individuelle Herstellen von Medikamenten spezialisiert haben, die Produktion.

Gesundheitsminister will Peptide neu bewerten lassen

Robert F. Kennedy, der Gesundheitsminister unter US-Präsident Donald Trump, möchte das ändern. In einem Podcast erklärte er, er sei großer Fan von Peptiden. Er habe sie bereits selbst mit gutem Effekt genutzt. Deshalb will Kennedy Ende Juli eine Neueinschätzung von Experten zur Sicherheit von Peptiden durchführen lassen.

Sein Argument: Wenn beliebte Peptide nicht in den USA sicher hergestellt und angeboten würden, kauften sich die Amerikaner ihre Spritzen online – auf dem Schwarzmarkt in China, teilweise verunreinigt oder anders dosiert als beschrieben.

Zweifel an objektiver wissenschaftlicher Einschätzung

Doch daran gibt es Zweifel. Der Schwarzmarkt sei natürlich ein Argument, „aber wir gehen ja auch nicht hin und sagen, wir legalisieren Heroin, weil es einen großen Schwarzmarkt dafür gibt“, so Mediziner Lurie. Er glaubt außerdem nicht an eine objektive, wissenschaftliche Neubewertung der Peptide.

Robert F. Kennedy, auch RFK genannt, suche sich die Experten genau aus, die seine Behörde beraten sollen. Lurie betont: „RFK hat eindeutig Beratungsgremien als Machtinstrumente erkannt. Er hat bestimmte Gremien aufgelöst und sie dann ersetzt mit Leuten, die seiner Meinung sind.“

Peptide für Muskelaufbau oder Anti-Aging besonders beliebt

Unter den Peptiden, die der Minister neu bewerten lassen will, sind umstrittene Substanzen wie BPC-157. Es wird in der Bodybuilding-Szene zur schnelleren Geweberegeneration genutzt. Bisher wurde das Mittel nur an Nagetieren wissenschaftlich getestet. Ob es bei Menschen das Krebsrisiko erhöht oder eine ungewollte Immunreaktion hervorruft, kann nicht ausgeschlossen werden.

In der Beauty-Szene ist das Peptid GHK-Cu beliebt. Es soll die Kollagenbildung fördern und antioxidativ wirken. Allerdings fehlen auch in diesem Fall wichtige wissenschaftliche Daten.

Influencer experimentieren am eigenen Körper

Trotzdem werden solche Peptide von Influencern im Netz empfohlen. Sie experimentieren damit in Livestreams vor der Kamera am eigenen Körper. Einige nehmen das Mehrfache der empfohlenen Dosis. Manchmal kombinieren sie sogar Peptide miteinander – ganz ohne medizinische Aufsicht. Unter ihren Zuschauern sind häufig auch Minderjährige.

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Dr. Heinrich Krämer
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