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Politik

VW-Konzern verliert Aufsichtsrätin Wiegand | tagesschau.de

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 18, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Marktbericht

Stand: 18.06.2026 • 14:43 Uhr

Überraschung in Wolfsburg: Zur Wahl der Aufsichtsräte auf der heutigen VW-Hauptversammlung tritt die Managerin Susanne Wiegand nicht mehr an. Sie galt als einzige unabhängige Kontrolleurin in dem Gremium.

Die Aufsichtsrätin Susanne Wiegand verlässt nach nur einem Jahr im Amt das Kontrollgremium des Volkswagen-Konzerns. Bei der Wahl der Aufsichtsräte auf der heutigen Hauptversammlung von Volkswagen tritt sie nicht mehr an, die Absage kam kurzfristig. Eigentlich sollte dort über die Wiederwahl der früheren Chefin des Rüstungskonzerns Renk bis 2031 abgestimmt werden.

VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte heute bei der Hauptversammlung in München, Wiegand habe ihre Entscheidung dem Aufsichtsrat kurzfristig mitgeteilt, sich nicht mehr zur Wiederwahl zu stellen. Wiegand war 2025 als unabhängige Vertreterin auf der Kapitalseite in den Aufsichtsrat eingezogen. Sie hatte zuvor den Augsburger Panzergetriebehersteller Renk geführt und unter anderem den Börsengang des Unternehmens verantwortet. Die 54-Jährige scheide damit zum Ende der heutigen Versammlung aus dem Gremium aus, sagte Pötsch.

„Ich habe nach sorgfältiger Abwägung der Gesamtumstände entschieden, nicht zu kandidieren“, teilte Wiegand auf Nachfrage des Spiegel mit.

Kritik an verflochtenen Interessen

Wiegand galt als einzige unabhängige Aufsichtsrätin im Kontrollgremium des Wolfsburger Autobauers. Volkswagen aber ist ein besonderes Unternehmen – familiengeführt und historisch eng mit der Arbeitnehmerseite verbunden.

Über die Holding Porsche SE halten die beiden Familien Porsche und Piech bis heute die Stimmenmehrheit im Konzern, hinzu kommen das Land Niedersachsen und das Emirat Katar. Nur gut 8,4 Prozent der Stammaktien sind im Streubesitz. Im Leitindex DAX sind die stimmrechtslosen Vorzugsaktien enthalten. Eine nicht alltägliche Konstellation für eine Managerin wie Renk, die sich offensichtlich in dieser Konstruktion nicht wiedergefunden hat.

Volkswagen zahle „den Preis für ein Governance-System, das Macht sichert, aber Verantwortung verwässert“, kritisierte etwa Hendrik Schmidt von der Deutsche-Bank-Tochter DWS laut Redemanuskript auf der Hauptversammlung.

Aktionärsschützer und Investoren kritisieren schon lange die vielfältig verflochtenen Interessen in deutschen Aufsichtsräten. Wiegand schien da bei Volkswagen eine ideale Besetzung zu sein, war sie doch Mitglied in der Regierungskommission „Deutscher Corporate Governance Kodex“.

Zehntausende Stellen fallen weg

Operativ steht Volkswagen vor hohen Herausforderungen. Scharfe China-Konkurrenz, die US-Autozölle und vor allem hohe Kosten gilt es, in den Griff zu bekommen. VW-Chef Oliver Blume will bis 2030 konzernweit 50.000 stellen einsparen, davon 35.000 bei der Kernmarke Volkswagen. 28.000 Abgänge seien bereist fixiert, so Blume weiter.

„Wir benötigen wettbewerbsfähige Kosten, um im Wettbewerb zu bestehen“, sagte Finanzvorstand Arno Antlitz. „Das gilt für Materialkosten, für den Overhead, aber auch für die Kosten unserer Werke, den Fabrikkosten. Und jetzt kommt der Wettbewerb aus China nach Europa und baut im Osten und Süden Europas neue effiziente Werke. Dagegen können wir nicht mit unterausgelasteten Fabriken bestehen.“

DAX weiter im Seitwärtstrend

Der deutsche Leitindex DAX bewegt sich derweil weiter etwas unterhalb der Marke von 25.000 Punkten und gibt dabei leicht nach. Weder der US-Zinsentscheid vom Vorabend, noch der Abschluss des Friedens-Rahmenabkommen zwischen Iran und den USA können die Anleger locken. Allerdings stützen weiter fallende Ölpreise das Handelsgeschehen nach der Einigung der Konfliktparteien. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostet aktuell knapp 79 Dollar und damit deutlich weniger als vor dem Abkommen.

Gestern hatte sich der DAX ebenfalls nur leicht um 0,1 Prozent nach oben bewegt auf 24.934 Punkte.

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