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Startseite»Politik»Waldzustandserhebung: Der Wald der Zukunft braucht Vielfalt
Politik

Waldzustandserhebung: Der Wald der Zukunft braucht Vielfalt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 19, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 19.05.2026 • 19:38 Uhr

Die deutschen Wälder sind in einem kritischen Zustand. Nur jeder fünfte Baum ist gesund. Für die Zukunft setzen Förster deshalb auf möglichst gemischte Wälder und einige nicht-heimische Baumarten.

Dem deutschen Wald geht es nicht gut. Das zeigt auch die Waldzustandserhebung 2025. Förster Franz van Elsbergen erlebt dies täglich in seiner Arbeit. „Hier sieht es auch schon ziemlich licht aus“, sagt er und zeigt in ein Blätterdach. Das Waldgebiet am Siebengebirge bei Bonn wirkt auf den ersten Blick grün und gesund. Aber ein intaktes Blätterdach hätte keine Lücken, erklärt der Revierförster. Aus einer der Buchen ragen einzelne tote Äste. Das zeige, dass der Baum nicht mehr zu 100 Prozent vital sei.

Vier von fünf Bäumen in deutschen Wäldern sind nicht vollständig gesund. Wie dicht das Laub oder die Nadeln sind, gilt dabei als wichtiger Indikator für den Gesundheitszustand. Für den jährlichen Bericht wird die Blatt- und Nadelmasse der Kronen an rund 1.900 Messpunkten in Deutschland bestimmt und Schadstufen zugeordnet. Wie auch schon im vergangenen Jahr stechen besonders die Eichen heraus: Laut Erhebung hat jeder zweite Baum eine deutlich gelichtete Krone.

Ein Grund dafür seien die Folgen der extrem heißen und trockenen Sommer zwischen 2018 und 2023, sagt Förster van Elsbergen. „Durch zu wenig Wasser sind die Bäume geschwächt und das macht sie anfällig für Sekundärschädlinge wie den Eichenprachtkäfer. Die setzen der Eiche richtig zu.“ Auch bei den Kiefern ist ein spürbarer Anstieg größerer Schäden zu verzeichnen: 31 Prozent haben demnach deutlich gelichtete Kronen. Im Jahr davor waren es noch 24 Prozent.

Wiederbewaldung nach Fichtensterben

Im Extremfall sterben die kranken Bäume irgendwann ab. Wie weit das gehen kann, zeigt sich immer noch an den Fichten. Im Siebengebirge gibt es einige kleinere Flächen abgestorbener Fichten. Lange, braune, nadellose Baumstämme ragen hier zwischen den grünen Bäumen hervor. Im Sauerland oder im Harz dagegen sind es viele hunderttausend Hektar Kahlflächen, auf denen einmal Fichten wuchsen.

Dürre und der Borkenkäfer haben sie in den vergangenen Jahren vernichtet. Und die Wiederaufforstung dauert. „In unserem Revier haben wir erst die Hälfte der Flächen wieder bewalden können“, erzählt van Elsbergen. Statt auf Monokulturen setzen van Elsbergen und seine Kollegen auf unterschiedliche heimische Baumarten. Wenn an einem Standort die Möglichkeiten ausgeschöpft seien, greife man zu fremdländischen Baumarten.

Nicht-heimische Baumarten aus dem Waldlabor

Solche nicht-heimischen Baumarten werden im sogenannten Waldlabor bei Köln erprobt. Auf großen Versuchsflächen wachsen dort etwa Douglasien aus Nordamerika, Esskastanien aus Südeuropa oder Flaumeichen aus den südlichen Alpen. Wie diese Arten hier zurechtkommen, wird dabei wissenschaftlich erforscht.

Aus Sicht des zuständigen Försters Michael Hundt sind die bisherigen Versuche sehr vielversprechend: „Wir haben einige Arten, die widerstandsfähiger gegen die Klimaveränderungen sind und hier gut wachsen.“ Es gehe aber nicht darum die heimischen Arten zu ersetzen. Vielmehr wolle man das Baumartenspektrum in den hiesigen Wäldern erweitern. Denn durch Vielfalt lasse sich das Risiko minimieren, dass ganze Waldflächen absterben.

Das ist wie beim Börsenhandel: Je mehr unterschiedliche Wertpapiere Sie im Depot haben, desto sicherer sind Sie vor Totalverlust.

Diversifizierung verhindert Totalausfall

Diese Strategie fahren auch die Förster im Siebengebirge. Auf einer Waldfläche stehen hier teilweise dreizehn verschiedene Baumarten. Sollte ein Schädling oder die Witterung einer Baumart zusetzen, hätten sie immer noch genügend andere, die die Lücken dann ausfüllen.

„Diese Esskastanie ist hier zufällig durchgekommen“, sagt van Elsbergen und hebt dabei die jungen grünen Zweige an. Für den Förster ist das ein gutes Zeichen für einen vitalen Wald, der auch in Zukunft resilient sein kann. Denn die Esskastanie sei für das, was auf an Trockenheit und Hitze in den nächsten Jahrzehnten auf Deutschland zukommen könnte, gut aufgestellt.

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