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Startseite»Politik»Warum Schweden zurück zum Bargeld will
Politik

Warum Schweden zurück zum Bargeld will

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 1, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 01.07.2026 • 03:28 Uhr

Scheine und Münzen sind in Schweden fast vollständig aus den Läden verschwunden. Doch nun müssen Lebensmittelgeschäfte und Apotheken wieder Bargeld annehmen. Ein neues Gesetz verpflichtet sie dazu. Was steckt dahinter?

Von Charlotte Littgen, ARD-Studio Stockholm

Das Geräusch klimpernder Münzen hört man in Schweden kaum noch, denn hier wird fast alles mit der Karte bezahlt – selbst das Eis am Kiosk um die Ecke. Viele zahlen digital, die meisten direkt mit dem Handy. Anders geht es oft gar nicht, denn in vielen Geschäften hängen Schilder, die ankündigen: Wir sind bargeldlos.

Bezahlen können – auch ohne Internet

Björn Eriksson sieht darin ein Problem der Konsumenten: „Ich finde, dass die Verbraucher selbst entscheiden sollten. Wer digital bezahlen will, soll das gerne tun. Aber es muss doch trotzdem möglich sein, mit Bargeld zu bezahlen, wenn man das möchte.“

Der Stockholmer kämpft mit seiner Initiative schon lange für den Erhalt des Bargelds. Nun ist das auch ein Anliegen der schwedischen Regierung. Seit heute ist ein neues Bargeldgesetz in Kraft. Es verpflichtet Lebensmittelgeschäfte und Apotheken dazu, wieder Münzen und Scheine anzunehmen. Das sei gerade jetzt ein wichtiger Schritt, meint Elin Ritola von der schwedischen Zentralbank. „Durch die neue geopolitische Lage hat Bargeld wieder eine größere Bedeutung. Es geht dabei um Sicherheit, darum, dass es Bezahlmöglichkeiten gibt, die auch dann funktionieren, wenn beispielsweise das Internet oder die Stromversorgung ausfällt.“

Regierung empfiehlt: 1.000 Kronen in bar

Auch die schwedische Regierung sieht im Bargeld darin eine Art Krisenvorsorge. Die Zivilschutzbehörde empfiehlt: Alle Erwachsenen sollen immer etwa um die 1.000 Kronen in bar zu Hause liegen haben. Das sind etwa 90 Euro. Im Krisenfall würde das reichen, um zumindest das Nötigste einzukaufen. Viele Schweden haben nicht mal das, denn sie haben seit Jahren nicht mehr mit Bargeld bezahlt, sondern ausschließlich mit der Karte oder per Swish, einem rein schwedischen Onlinebezahlsystem. „Ich würde sagen, dass Schweden ein Land mit einer Bevölkerung ist, die Technik gegenüber recht positiv eingestellt ist. Viele haben diese neuen praktischen Lösungen begeistert angenommen“, sagt Elin Ritula von der schwedischen Zentralbank.

Es geht auch um Inklusion

Doch sich allein auf das digitale Bezahlen zu verlassen, kann auch ein Risiko sein. Das haben die Schweden 2021 gemerkt, als nach einem Cyberangriff insgesamt 800 Supermarktfilialen im ganzen Land lahmgelegt waren. Björn Eriksson und seiner Initiative zum Erhalt von Bargeld geht es nicht nur um die Sicherheit, sondern auch um die Inklusion. „Es gibt viele Menschen, die Probleme mit dem digitalen Bezahlen haben, etwa Menschen mit einer Behinderung und ältere Menschen“, sagt er.

Für ihn ist das neue Gesetz ein erster Schritt in die richtige Richtung. Er freut sich, dass er zumindest im Supermarkt und in der Apotheke jetzt wieder ohne Probleme mit Bargeld bezahlen kann.

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