Das Training Camp hat in der NFL begonnen und auch die erfahrenen Spieler machen sich seit dieser Woche wieder fit. Das jedoch gilt nicht für alle, denn einige Stars sind zwar im Camp, verweigern jedoch die Teilnahme am Training, obwohl sie mittun könnten.
Ende Juli ist in der NFL traditionell der Start in die heiße Phase der Saisonvorbereitung. Das sogenannte Training Camp steht überall in der Liga an, teilweise im üblichen Trainingszentrum, teilweise auswärts – die Dallas Cowboys etwa sind zu dieser Zeit des Jahres immer im kalifornischen Oxnard zugegen. Und alle Jahre wieder gibt es dann Spieler, die zwar körperlich dazu in der Lage wären zu trainieren, dies aber aus bestimmten Gründen nicht tun.
In diesem Jahr trifft dies unter anderem auch die beiden namhaften Running Backs Bijan Robinson von den Atlanta Falcons und Jahmyr Gibbs von den Detroit Lions zu. Ebenso verweigert Defensive Tackle Vita Vea in den Diensten der Tampa Bay Buccaneers derzeit den Dienst und fordert sogar einen Trade.
Warum sie das tun, liegt auf der Hand, auch wenn das nicht jeder immer so deutlich sagen will. „Dies wird gewissermaßen erstmal so weitergehen“, sagte etwa Lions-Head-Coach Dan Campbell zur Inaktivität seines offensiven Top-Stars Gibbs. „Es wird kommen, wie es kommt. Ich glaube, so kann man es am besten ausdrücken. Beide Seiten arbeiten hier etwas aus, und wir werden die Dinge nehmen, wie sie kommen – das ist der Stand der Dinge“, fuhr Campbell fort.
Gibbs und Robinson im gleichen Boot
Was genau das bedeuten soll? Nun, Gibbs – genauso wie Robinson und Vea – will einen neuen Vertrag und die damit einhergehende marktgerechte Bezahlung. Gibbs und Robinson sitzen dabei ziemlich eindeutig im gleichen Boot und haben einiges gemeinsam. Beide spielen sie dieselbe Position, beide wurden sie früh im NFL Draft 2023 gezogen – Robinson an Posiition 8, Gibbs weniger später an 12 -, sie wurden dabei schon mehrfach in den Pro Bowl gewählt (Gibbs dreimal, Robinson zweimal) und Bijan fand sich im vergangenen Jahr sogar im All-Pro First Team wieder, zählte also nach Meinung der Associated Press zu den allerbesten Spielern der NFL.
Anschließend haben ihre Teams die jeweilige Option für ein fünftes Vertragsjahr gezogen, die in Verträgen von Erstrundenpicks eingebaut sind. Somit sind die Verträge beider dieser Spieler schon jetzt bis zum Ende der Saison 2027 garantiert, allerdings zu Bezügen, die unter Marktniveau liegen. Gemäß der NFL-Regularien dürfen jedoch beide seit dieser Offseason neue Verträge unterschreiben – Voraussetzung sind dafür drei angerechnete Jahre in der NFL, was beide erfüllen.
Sobald namhafte Spieler, die zu den Besten ihres Fachs gehören, diesen Punkt erreichen, werden sie auch versuchen, neue Verträge zu bekommen. Ihr einziges Druckmittel ist dabei ein Streik oder in diesem Fall ein sogenannter „Hold-in“ – im Gegensatz zum „Hold-out“, bei dem man dem Camp ganz fernbleibt. Der Spieler erscheint also zur Arbeit, nimmt aber nicht am Training teil. Das sendet zum einen eine Message ans Front Office, schützt sie aber davor, sich vor einer Unterschrift zu verletzen, denn Football ist eben ein brutaler und gefährlicher Sport. Gerade zu Beginn des Training Camp und der in Kürze startenden Preseason gibt es in der Regel eine Flut an schweren Verletzungen, weil Spieler noch nicht spielfit sind nach langer Pause. Und ohne die langfristige Sicherheit eines neuen Vertrags ist dann das Risiko einfach zu groß.
An diesem Punkt befinden sich die beiden nun und werden diesen Zustand wohl erst ändern, wenn sie ihren Willen, also einen neuen Vertrag, bekommen haben. Verwerflich ist dies derweil keines Wegs, schließlich sind NFL-Karrieren kurz und die Teams machen sehr Geld mit diesen Spielern, während jene das große Risiko tragen. Entsprechend nutzen gerade die Topspieler jede Gelegenheit, frisches Geld zu bekommen, zumal Verträge in dieser so lukrativen Liga so gut wie nie voll garantiert sind. Die Ausnahme sind die Rookie-Verträge von Erstrundenpicks, doch auch die haben eine festgelegte Obergrenze.
Saquon Barkley aus Messlatte
Die Agenten beider Spieler sind also nun dabei, um neue Verträge zu kämpfen und sich dabei am Markt zu orientieren. Der gerade aus Mediensicht gängige Gradmesser dafür ist seit ein paar Jahren das durchschnittliche Jahresgehalt, was zwar wenig aussagekräftig ist und man eher auf Garantien schauen sollte, doch letztlich versucht jeder Agent auch, den Durchschnittsgehalts-Rekord zu brechen, schon rein aus PR-Gründen – schließlich stecken jene diese Zahl immer zuerst an die etwaigen Reporter durch.
In diesem Fall liegt die Messlatte für Running Backs seit ein paar Jahren bei einem durchschnittlichen Jahressalär von 20,6 Millionen Dollar, die Saquon Barkley bei den Philadelphia Eagles einstreicht. Dahinter folgen 49ers-Superstar Christian McCaffrey (19 Mio.) und Devon Achane von den Miami Dolphins (16 Mio.). Sowohl bei Robinson als auch Gibbs darf man davon ausgehen, dass beide die derzeitige Topmarke überbieten werden. Unklar ist vor allem, wie weit. Und erschwerend kommt für die beiden Teams hinzu, dass beide eben parallel verhandeln. In der NFL ist es üblich, dass derjenige, der zuerst in einer solchen Situation unterschreibt, am Ende auch weniger Geld bekommt, weil der jeweils andere dann die neue Messlatte sieht und diese erneut überbieten will.
Allerdings reden wir hier dann wahrscheinlich nur von einem geringen Unterschied – die Browns gaben ihrem Cornerback Denzel Ward jüngst einen neuen Vertrag mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 31,1 Millionen Dollar, womit er immerhin die bisherige Topmarke von 31 Millionen Dollar (Trent McDuffie bei den Rams) knapp überboten hat. So in etwa dürfte das auch bei Robinson und Gibbs laufen. Die Frage ist nur: Wer hat am Ende die Nase vorn? Der Amerikaner spricht hier von einem „Game of Chicken“ – wer zuerst zuckt, verliert. Bei den zu erwartenden Summen jedoch wird sich der Schmerz darüber in Grenzen halten.
Verwendete Quelle: ntv.de
