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Startseite»Politik»Westjordanland: Israel beginnt mit Umsetzung von Siedlungsprojekt E1
Politik

Westjordanland: Israel beginnt mit Umsetzung von Siedlungsprojekt E1

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 18, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Reportage

Stand: 18.05.2026 • 19:16 Uhr

Im Westjordanland rücken die Bagger für das Siedlungsprojekt E1 an. Palästinensische Geschäfte werden plattgemacht – für israelische Häuser. Ein palästinensischer Staat wird immer unwahrscheinlicher.

Von Pia Steckelbach, ARD-Studio Tel Aviv

Mohammad Rahayal erkennt seine Straße kaum wieder. Am Eingang zu seinem Heimatort Al-Eizariya im besetzten Westjordanland haben israelische Behörden die Läden seiner Familie abreißen lassen. „Hier war der Gemüseladen, hier ein Elektromarkt, eine Fleischerei, ein Supermarkt“, erklärt er. „Hier gab es Leben. Hier waren immer Leute, alles war ordentlich und sauber. Jetzt haben sie eine Müllhalde daraus gemacht.“

Die kleine Stadt Al-Eizariya liegt zwischen Ostjerusalem und der israelischen Siedlung Ma’ale Adumim. Mohammad Rahayal kann die gleichförmigen Häuser mit roten Dächern von der Straße aus sehen. Der 48-jährige ist hier aufgewachsen und hat beobachtet, wie sie immer mehr wurden.

Heute leben in Ma’ale Adumim mehr als 37.000 Siedler. Nach internationalem Recht ist sie – wie die anderen mittlerweile rund 500 Siedlungen und Außenposten im besetzten Westjordanland – illegal. Bald sollen in dem Gebiet zwischen Ma’ale Adumim und Ostjerusalem 3.400 neue Wohneinheiten für jüdische Siedler entstehen. Das, und den Bau einer Umgehungsstraße für Palästinenser, hatte die israelische Regierung vergangenen Sommer beschlossen.

Internationale Kritik

Das seit Jahren geplante Projekt trägt den Namen E1. Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich, selbst Siedler, hatte darüber gesagt, es solle Tatsachen schaffen und so den Traum eines palästinensischen Staates „begraben“.

International gibt es dafür viel Kritik. Beobachter warnen: Das Projekt würde das Westjordanland für Palästinenser in Süden und Norden teilen, weiter zerstückeln und die faktische Annexion des Gebiets vorantreiben. Die Bewegungsfreiheit für Palästinenser würde noch massiver eingeschränkt. Ostjerusalem, das Palästinenser als künftige Hauptstadt fordern, würde noch stärker abgeschirmt.

Israel argumentiert mit fehlenden Baugenehmigungen

E1 soll aber offenbar bald umgesetzt werden – die geplante Umgehungsstraße hier in Al-Eizariya beginnen. Ganz in der Nähe der abgerissenen Geschäfte. Vor einer Woche waren nachts israelische Bagger angerollt, innerhalb von drei Stunden waren Dutzende Geschäfte zerstört.

Hier im C-Gebiet des besetzten Westjordanlands ist Israel für die Verwaltung zuständig. Die verantwortliche Behörde COGAT teilte auf Anfrage mit, die Gebäude seien ohne Genehmigung gebaut worden. Die stellt sie aber für Palästinenser hier so gut wie nie aus.

Auch nicht für die Lagerhalle von Mohammad Rahayal. Er selbst handelt mit Metall, hat alte Motoren, Kühlschränke und Waschmaschinen zu einem mehrere Meter hohen Turm aufgestapelt. Der steht jetzt inmitten der Trümmer der abgerissenen Gebäude, lässt sich kaum von ihnen unterscheiden. Rahayal weiß nicht, wie es weitergehen soll. Er hofft, seine Metallware irgendwie trotzdem weiter verkaufen zu können.

Mein ganzes Leben arbeite ich für mein Geschäft, damit ich mich und meine Kinder ernähren kann. In Israel können wir nicht arbeiten, im Westjordanland gibt es keine Arbeit, die Wirtschaft liegt am Boden. Wo sollen wir hin? Es gibt keine Alternative.

„Wir sind gegen das, was hier passiert“

Yonathan Mizrahi von der israelische NGO Peace Now beobachtet das E1-Projekt und den massiven Siedlungsausbau der israelischen Regierung. Er warnt: Das eigentliche Ziel sei die Vertreibung von Palästinensern.

„Die Straße zeigt, dass es bei E1 nicht nur um mehr Häuser für Israelis im Westjordanland geht. Sondern darum, Israelis von Palästinensern abzuschirmen“, sagt Mizrahi. „Es geht darum, einen Bereich für Israelis mit so wenig Palästinensern wie möglich zu kreieren.“

Auch Metallhändler Rahayal sieht das so. Für ihn ist das hier palästinensisches Land. Wenn das Projekt E1 umgesetzt werde, bleibe immer weniger übrig, fürchtet er. „Wir sind nicht gegen eine Straße an sich – wenn sie den Juden und den Arabern dient, also beiden Völkern. Aber wir sind gegen das, was hier passiert, das ist rassistisch.“

„Wir bleiben hier“

Auch die Autowaschanlage von Fahed al-Jabary in Al-Eizariya wurde abgerissen. Trotzdem werden an derselben Stelle heute wieder Autos eingeseift, abgewaschen und poliert. Al-Jabary hat eine Plane als provisorischen Schutz vor der Sonne aufgespannt, darunter bedienen drei junge Männer wieder Kunden, einige davon aus der Siedlung nebenan.

Weiterzuarbeiten findet al-Jabary selbstverständlich. In der Hand hält er Gerichtsdokumente – bis zuletzt hatte er versucht, juristisch gegen einen Abriss vorzugehen. „Sie entscheiden ja sowieso, was sie wollen“, schimpft er. „Aber wir bleiben hier, so Gott will. Wir bleiben standhaft. Und selbst wenn sie wieder abreißen, bauen wir wieder auf.“

Die Besitzer der verbliebenen Geschäfte, Werkstätten und Restaurant an der Straße in Al-Eizariya wissen, dass die Abrissbagger jederzeit zurückkommen können.

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Dr. Heinrich Krämer
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