Mit Angriffen auf Ölanlagen Saudi-Arabiens verschärft die Huthi-Miliz den Konflikt mit dem Nachbarland. Die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung Jemens geht gegen die Huthi vor. Droht eine Eskalation? Welche Rolle spielt Iran?
Satellitenbilder zeigen, wie dichter Rauch aufsteigt von Ölanlagen im Südwesten Saudi-Arabiens. Die jemenitischen Huthi reklamierten die Angriffe mit Drohnen und Raketen für sich.
Die Schläge seien eine Antwort auf saudische Angriffe in den vergangenen Tagen, behauptete ein Militärsprecher der Huthi: „Dabei wurden schwere Verbrechen begangen, zuletzt ein Angriff auf das Gefängnis in der Stadt Al-Hazm – bei dem Insassen getötet wurden, außerdem Frauen und Kinder, die zu Besuch waren“, erklärte er. „Dies geschah in dem Bestreben, unser Land zu besetzen und unser Volk zu töten.“
Auch die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition kündigte Antworten an. Bei den jüngsten Angriffen der Huthi seien mehr als 70 Menschen verletzt worden. Man werde alle notwendigen operativen Maßnahmen ergreifen, um die Huthi mit größter Entschlossenheit abzuschrecken, erklärte ein Sprecher des Militärbündnisses.
Experten warnen vor weiterer Eskalation
Seit gut einem Monat sind die Kämpfe im Jemen wieder aufgeflammt – in den vergangenen Tagen wüteten sie besonders heftig. Die Zeichen würden auf eine weitere Eskalation hindeuten, sagt der in London ansässige Jemen-Experte Baraa Shiban. So nah an einem voll entflammten Krieg habe Jemen seit 2022 nicht mehr gestanden.
Damals hatten die Vereinten Nationen einen Waffenstillstand zwischen der international anerkannten Regierung und den Huthi-Milizen vermittelt – an den sich auch die wichtigste externe Kriegspartei hielt: Saudi-Arabien. Seit gut einem Monat ist dieser Waffenstillstand hinfällig: Die Huthi erklärten, dass saudische Öltanker nicht mehr durch die Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Ausgang des Roten Meers fahren dürften und beschossen mehrere saudische Schiffe.
Die Situation im Jemen könne man nicht losgelöst vom Iran-Krieg sehen, sagt Baraa Shiban. Für die Iraner seien die Huthi nützlich, um den Druck auf die internationale Gemeinschaft ausüben zu können. Es wäre die zweite große Störung des Welthandels, wenn neben der Straße von Hormus auch das Bab al-Mandab blockiert wäre.
Huthi als wichtiger Partner Irans
Experten sind sich einig. Wenn es um große geopolitische Fragen geht, sind die Huthi Juniorpartner des Regimes in Teheran. Wenn es allerdings um Jemen geht – so sagen viele – handele die Miliz eigenständig.
So haben auch die aktuellen Kämpfe zwei Dimensionen. Einerseits ist Jemen ein Schauplatz des größeren Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und Iran – andererseits geht es um die Herrschaft im Jemen. Zuletzt kündigten Vertreter der international anerkannten Regierung Jemens sogar an, dass sie die Hauptstadt Sana‘a von den Huthi zurückerobern wollen. Militärisch und finanziell sind die Truppen der Regierung abhängig von Saudi-Arabien.
Mohammed Mansour, der Informationsminister der Huthi spricht daher von einer saudischen Aggression. Die legitimen Herrscher in Sana’a seien sie – die Huthi:
Legitimität bedeutet Land, Souveränität und Volk. Die Menschen sind im Jemen – die Führung ist in Sana’a. Diese Lüge von der „international anerkannten Regierung“ haben die Saudis in die Welt gesetzt – haben dafür Milliarden Dollar ausgeben und jetzt zahlen sie wieder den Preis dafür.
Auswirkungen auf die ganze Region
Mansour spielt damit auf die Zeit an, nachdem die Huthi die Kontrolle über Sana’a übernommen hatten. 2015 reagierten die Saudis darauf mit einem langjährigen Krieg, der ebenso kostspielig wie erfolglos war.
Ist die Regierung in Saudi-Arabien also zu einer weiteren – mit Risiken verbundenen – Eskalation bereit? Bei einem Besuch in Moskau darauf angesprochen, antwortete Außenminister Faisal bin Farhan ausweichend: Saudi-Arabien sei sich vollauf bewusst, dass es verantwortlich sei – nicht nur für die eigene Sicherheit, sondern auch für die Stabilität der gesamten Region. Um seinen Pflichten nachzukommen, werde man alle dafür notwendigen Mittel einsetzen.
Welche Mittel das genau sein, werden – das sagte der saudische Außenminister nicht.

