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Startseite»Politik»Wie steht es um die WM-Stimmung in Deutschland?
Politik

Wie steht es um die WM-Stimmung in Deutschland?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 14, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 14.06.2026 • 13:08 Uhr

Wie steht es um die WM-Stimmung? Während die einen in Vorfreude sind, haben die anderen keine Lust. Kommerz und Geopolitik beschäftigen die Fans. Laut einem Forscher hilft vor allem Erfolg, um wieder Euphorie zu erzeugen.

Philipp Wundersee

Eva Binder kommt mit einer großen Tüte aus einem Kölner Warenhaus. Die Tüte verrät, dass die 46-Jährige im WM-Fieber ist. „Ich freue mich so sehr auf das erste Spiel der deutschen Mannschaft. Wir laden Freunde zu uns ein und werden einen richtigen Fußballsommer feiern“, sagt Binder. In ihrer Tüte stecken Schminke in Schwarz-Rot-Gold, ein Deutschlandtrikot für den Sohn, ein kleiner WM-Ball und eine Fahne für ihre Kölner Wohnung.

„Bei uns im Freundeskreis sind viele im Fieber. Aber bei mir auf der Arbeit scheint dieses Jahr wenig WM-Stimmung zu sein“, sagt sie. Auch das obligatorische WM-Tippspiel hätte im Büro kaum Mitspieler gefunden. „Ich freue mich auf den Fußball und den echten Sport, nicht auf die ganzen Shows und die ständige Werbung.“

„Vielleicht wird es sogar der Titel“

Etwa fünfeinhalb Autostunden entfernt setzen sie auf diese Vorfreude: Auf dem Chemnitzer Schlossberg wird geschraubt, dekoriert und alles vorbereitet für das erste Spiel der Deutschen. Die Bierbänke werden abgewischt und die 45-Quadratmeter-LED-Wand getestet. Hier werde das Spiel der deutschen Nationalmannschaft zu sehen sein, sagt André Grule. Er veranstaltet das Fest und hofft auf echte Fußball-Euphorie. „Die Temperaturen sind gut. Es soll noch wärmer werden und die Regenwahrscheinlichkeit sinkt immer weiter.“

Seit 2010 lädt er Fußballfans in Chemnitz zum gemeinsamen Schauen ein. Er hofft darauf, dass die deutsche Mannschaft möglichst lange am Ball bleibt. „Wir werden schon gewinnen. Ich bin da immer optimistisch, dass wir gut spielen und wir uns alle da immer weiter reinsteigern. Vielleicht wird es sogar der Titel“, sagt Grule.

„Die Fans werden, wo es geht, gemolken“

Ein kleiner Euphorie-Test auf dem Chemnitzer Wochenmarkt zeigt: Zwischen Gemüsestand und Käsehändler ist die Suche nach dem Fußballfieber schwierig. Ein älterer Herr sagt: „Früher war ich sehr begeistert, aber es hält sich gerade in Grenzen. So etwas hat mit dem Sport immer weniger zu tun, weil immer mehr Kommerz um sich greift.“ Eine andere Passantin sieht es ähnlich: „Ist mir vollkommen egal“, sagt sie zur WM. Der ganze Kommerz sei einfach furchtbar.

Diese kritische Haltung kennt Harald Lange, der an der Universität Würzburg zu Fußballfans forscht. „Das ist eine WM unter besonderen Vorzeichen“, sagt der Sportwissenschaftler. „Sie steht unter dem Diktum der Kommerzialisierung auf der einen Seite. Die Fans werden, wo es geht, gemolken. Das kommt auch bei den Fans hier in Deutschland an. Und dann schwebt eine dunkle, geopolitische Wolke über der Weltmeisterschaft.“ Das habe die Vorfreude bei den Menschen in den letzten Wochen massiv getrübt.

Die Weltmeisterschaft in diesem Jahr habe negative Seiten: Schiedsrichter, Offizielle und Fans können nicht einreisen, Tickets werden auf dem Zweitmarkt zu horrenden Preisen verkauft, dabei verdient vor allem die FIFA, und zwischen zwei teilnehmenden Nationen herrscht Krieg.

Sportevents rund um die Uhr

Außerdem führe das Überangebot an Sportevents zum Ausbleiben der Euphorie. „Das gesamte Jahr über gibt es vermeintlich hochklassige Spiele und Events im Fußball. Dazu kommen Baseball, Basketball, NFL. Wir werden mit Sport als Unterhaltungsmittel rund um die Uhr versorgt. Und das führt dazu, dass eine WM, die aufgebläht wurde mit 108 Spielen, zunehmend bedeutungslos wird“, sagt Lange.

In Deutschland beschreibt er die Fans als ein Event- und Partypublikum. „In der Gemeinschaft kann man abfeiern. In der Nachbarschaft, unter Freunden oder eben am Marktplatz. Da lernen wir Leute kennen, da werden wir feiern, schimpfen, etwas Gemeinsames erleben. Wir werden eine Feier-WM erleben“, sagt der Forscher. Aber: „Der Feier-Pegel ist abhängig vom Erfolg des DFB-Teams.“

Das Interesse in Deutschland hält sich bisher offenbar in Grenzen. Im ARD-DeutschlandTrend von Anfang Juni sagen 32 Prozent der Befragten, dass sie sich für das Turnier interessieren. 67 Prozent interessieren sich dagegen weniger oder gar nicht.

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Dr. Heinrich Krämer
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