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Startseite»Politik»Wie weniger Wasserverbrauch in der Landwirtschaft mehr Ertrag bringen kann
Politik

Wie weniger Wasserverbrauch in der Landwirtschaft mehr Ertrag bringen kann

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 8, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 08.06.2026 • 17:20 Uhr

Durch den Klimawandel gibt es mehr Trockenperioden mit Wassermangel. Dies ist auch für die Landwirtschaft ein Problem. Doch durch sparsame Bewässerungstechniken lässt sich Wasser sparen – und der Ertrag steigern.

An einem heißen Frühsommertag überprüft Landwirt Michael Kinzinger auf seinem Hof in Vaihingen an der Enz den Wasserstand des hauseigenen Beregnungssees. „Der See füllt sich zunächst über die Wintermonate mit Regenwasser“, erzählt er. „Wir haben unsere Dächer von unserem Hof angeschlossen an eine Rohrleitung, die hier direkt in den See führt.“

Statt – wie sonst üblich – das Regenwasser über Fallrohre Richtung Boden oder eine Regentonne zu leiten, gehen auf dem Kinzinger Berghof alle Rohre zu einer zentralen Sammelstelle, die dann in den See führt. Das ist die etwas größere Art der Regentonne. Neuneinhalb Meter tief, 2,3 Millionen Liter Wasser passen hinein.

Das braucht Michael Kinzinger, um in Hitzeperioden seine Kartoffel- und Zwiebelfelder zu gießen. Die Investitionen waren hoch, aber letztlich für ihn und seien Familie alternativlos, „denn wir hatten immer das Problem, dass unsere Erntemenge und die Qualität gelitten hat“. Denn wenn es lange trocken und heiß ist, lässt die Qualität stark nach.

Genug Wasser für trockene Phasen

Wenn es über Wochen hinweg zu trocken ist, beregnet er seine Kartoffelfelder großflächig über Sprenkler, sogenannte Kreisregner, zwei Mal im Abstand von zehn Tagen für je sechs Stunden. Immer nachts oder frühmorgens, um die Verdunstung möglichst gering zu halten.

Da der Druck auf der Leitung nicht ausreicht, um das 400 Meter tiefe Kartoffelfeld auf einmal zu beregnen, muss er in den frühen Morgenstunden aufstehen und den einen Bewässerungsstrang zu- und den anderen aufdrehen.

Seine Arbeit ist durch die Bewässerung spürbar mehr geworden, auch weil die Rohre vor der Ernte herausgenommen und im nächsten Jahr neu verlegt werden müssen. Dennoch lohnen sich für ihn die Investitionen und die Arbeit, denn er spart nicht nur Wasser. „Wir haben jedes Jahr eine kalkulierbare, planbare Menge an Kartoffeln in einer super Qualität.“

Beregnung ist nicht so sparsam

Seine Getreidefelder beregnet er gar nicht, der Aufwand wäre zu groß. Kreisregner, die zu den sogenannten Beregnungstechniken gehören, haben laut Umweltbundesamt im Schnitt eine Wassernutzung von nur 60 bis 70 Prozent, da immer wieder Wasser verdunstet und es sich nicht vermeiden lässt, dass auch Wege mit bewässert werden.

Beregnen Landwirte – so wie Michael Kinzinger – nachts, sorgen sie dafür, dass mehr Wasser dort ankommt, wo es hin soll. Denn dann verdunstet weniger, und die bodennahen Winde sind deutlich schwächer.

Tröpfchenbewässerung ist besonders sparsam

Die deutlich sparsamere Tröpchenbewässerung setzt Kinzinger in seinen Weinbergen ein. Da Kartoffeln und Zwiebeln nicht so regelmäßig bewässert werden müssen, wäre der Aufwand dafür zu groß.

Für Bernhard Bayer, Landwirt in Neuhausen auf den Fildern, ist die Tröpfchenbewässerung hingegen seit vielen Jahren in all seinen Kulturen Standard. Er baut Erdbeeren und viele Strauchbeerarten an, dazu Spargel und Tomaten. Alles Arten, die viel Wasser benötigen.

Passgenaue Bewässerung

Ein Großteil seiner Erdbeeren wächst in Substrat in einer Art Gewächshaus. Die Bewässerung erfolgt – wie der Name sagt – tröpfchenweise direkt an der Pflanze und wird automatisch gesteuert. Ein Sensor misst die Sonneneinstrahlung – je höher, desto häufiger wird bewässert. Davor, so erzählt Bayer, hat er auf seinem Hof mit sogenannten Kronenkreisregnern gearbeitet, die von der Decke hingen.

Das sorgte für zwei Probleme: Zum einem wurde relativ viel Wasser verbraucht – und zum anderen „ist die Kultur dann immer nass gewesen. Und das fördert natürlich auch das Pilzwachstum in der Frucht“. Tröpfchenbewässerung sorgt also auch für bessere Qualität, und außerdem braucht Bayer so gut wie keine Pflanzenschutzmittel mehr. Wenn nötig, arbeitet er mit Nützlingen, die Schädlinge fressen und seine Pflanzen gesund halten.

Viel Arbeit, aber auch eine größere Ernte

Außer Erdbeeren im geschützten Anbau baut Bayer auch im Freiland an: unter anderem Brombeeren, Heidelbeeren und Himbeeren. Um diese zu bewässern, muss er in seinen Feldern die komplette Bewässerung anlegen, bevor er die Obststräucher pflanzt. Eine Maschine zieht Dämme und legt gleichzeitig die Tropfschläuche mit an. Pro Hektar kostet das Bayer rund 10.000 Euro.

Dennoch lohnt sich der jährliche Aufwand, denn laut Umweltbundesamt liegt die Wassernutzung bei der Tröpfchenbewässerung bei bis zu 90 Prozent. Für Bayer heißt das, dass er nur noch rund halb so viel Wasser verbraucht wie früher mit den Sprenklern unter der Decke. Und die Erntemenge hat sich auch vergrößert, denn: „Durch die Tröpfchenbewässerung haben wir die Möglichkeit, dass wir ständig ernten können, auch während der Bewässerung.

Das macht die Mengen berechenbarer und die Erntezeit länger. Und so bleibt Landwirtschaft auch in Zeiten des Klimawandels möglich.

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