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Startseite»Politik»Wirtschaftsministerin in China: Kooperation statt Konfrontation
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Wirtschaftsministerin in China: Kooperation statt Konfrontation

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 27, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 27.05.2026 • 17:07 Uhr

Wirtschaftsministerin Reiche versucht in China den Balanceakt: Einerseits fordert sie fairen Wettbewerb, andererseits will sie den wichtigsten Handelspartner Deutschlands nicht verprellen. Aber was sagen die europäischen Partner?

Von Maximilian Seib, ARD-Studio Peking

„Schön, Sie endlich persönlich kennenzulernen.“ Es ist der wohl wichtigste Termin für Wirtschaftsministerin Katherina Reiche an ihrem ersten Tag in China: Ihr Amtskollege, Chinas Handelsminister Wang Wentao, begrüßt sie vor seinem Ministerium. Zu besprechen gibt es vieles, denn China wird immer mehr zum Rivalen. Doch Reiche setzt auf ein Mit- statt ein Gegeneinander.

„Deutschland und China verbindet eine der bedeutendsten Wirtschaftsbeziehungen der Welt“, erklärt die Ministerin. „Wir haben ein Handelsvolumen von 250 Milliarden Euro. Unsere Unternehmen tragen mit über einer Million Arbeitsplätze, auch mit Forschung und Innovation, zum Wachstum von China bei, und es wird hier sehr gewertschätzt.“

Klar ist: Die deutsche Wirtschaft braucht China, wird aber zunehmend von chinesischen Firmen unter Druck gesetzt, teilweise sogar vom Markt verdrängt. Auch weil Chinas Führung eigene Firmen finanziell fleißig unterstützt. Deutsche Unternehmen klagen über schweren Marktzugang in China, darüber, dass Rohstoffe wie Seltene Erden nur eingeschränkt geliefert werden.

Ein schwieriger Spagat

Reiche versucht den Spagat – all das anzusprechen, ohne die Gegenseite zu verprellen. „Unsere Unternehmen scheuen keinen Wettbewerb“, erklärt die Ministerin. „Aber Wettbewerb muss so gestaltet und organisiert sein, dass er zu beiderseitigem Nutzen ist. Und darüber habe ich heute mit Minister Wang gesprochen.“

Begleitet wird Reiche von 35 deutschen Wirtschaftsbossen. Sie alle hoffen auf mehr Kooperationen und höhere Umsätze in China. Mit dabei sind große Akteure wie Airbus, Allianz, BASF, SAP oder Siemens – aber auch einige Mittelständler. Wie Markus Plocher, Geschäftsführer des Maschinenbau-Unternehmens Kroenert aus Hamburg. Seine Firma ist auf Beschichtungs- und Kaschieranlagen spezialisiert.

Noch ist die eigene Technologie der chinesischen Konkurrenz überlegen, doch: „Dieser Abstand zu den Standard-Maschinenbauern, die es jetzt mittlerweile in China gibt, der wird immer geringer“, sagt Plocher. „Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch in unserer Branche die chinesischen Maschinenbauer nach Europa kommen. Ein Teil unserer Strategie ist eine Defensiv-Strategie: Wie schützen wir unseren Kernmarkt in Europa.“

Längst geht es nicht mehr nur um Wettbewerb in China, sondern auch in Europa. Denn die Volksrepublik hat eine Export-Offensive gestartet, flutet den Markt mit eigenen Produkten, die nicht nur gut, sondern vor allem auch günstig sind. Das trifft eben deutsche Maschinenbauer, auch Autohersteller, Teile der Chemie-Branche.

Auf europäischer Ebene gegensteuern

Gegensteuern gehe nicht auf deutscher, sondern vor allem auf europäischer Ebene, sagt der Präsident der Europäischen Handelskammer in China, Jens Eskelund: „Es ist sehr wichtig, dass wir zeigen, dass wir in Europa mit einer Stimme sprechen können, denn wenn man Europa als Markt betrachtet, ist es vielleicht der mit Abstand wichtigste für China.“ Er habe eine völlig andere Größenordnung als nur der deutsche Markt, so Eskelund. „Außerdem sollte sich Deutschland bewusst machen, dass viele der Herausforderungen, die man in Bezug auf China derzeit hat, andere europäische Länder teilen. Es sollte also ein Interesse geben, diese Probleme gemeinsam anzugehen.“

Einige EU-Länder fordern eine härtere Gangart im Handel mit China. Frankreich, Italien und Spanien haben dazu ein Papier mit verschiedenen Ansätzen präsentiert – am Freitag soll in der EU-Kommission über weitere Maßnahmen diskutiert werden. Deutschland hält sich bei all dem zurück – auch Wirtschaftsministerin Reiche will keine Eskalation: „Wir werben in Brüssel also für einen balancierten Ansatz: wirksame Schutzinstrumente und gleichzeitig Offenheit für den Export.“

Kooperation statt Konfrontation: Das scheint das Motto der Bundeswirtschaftsministerin im Dialog mit China sein. Eine gemeinsame europäische Linie ist nicht zu erkennen.

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