Aktuell kursiert eine Grafik in Form einer Deutschland-Karte, die den Eindruck vermittelt, die AfD habe bundesweit nur sehr geringen Rückhalt. Der zentrale Wert lautet: 90,3 Prozent der Menschen in Deutschland hätten bei der Bundestagswahl 2025 keine AfD gewählt.
So stimmt diese Darstellung nicht. Die Grafik verwendet offenbar nicht die übliche Wahlbasis der gültigen Zweitstimmen, sondern rechnet mit einer viel größeren Vergleichsgruppe. Zudem sind mehrere Werte in der Karte rechnerisch nicht nachvollziehbar.
Die Bezugsgröße verändert die Aussage
Wahlergebnisse werden normalerweise nach dem Anteil an den gültigen Stimmen angegeben. Bei Bundestagswahlen ist für Parteien vor allem der Anteil an den gültigen Zweitstimmen entscheidend. Auf dieser Grundlage kam die AfD bei der Bundestagswahl 2025 bundesweit auf 20,8 Prozent. Entsprechend entfielen 79,2 Prozent der gültigen Zweitstimmen auf andere Parteien.
Die verbreitete 90,3-Prozent-Grafik kann also nicht auf dieser üblichen Grundlage beruhen. Sie rechnet offenbar mit einer größeren, nicht transparent erklärten Bezugsgröße als den gültigen Zweitstimmen. Denkbar wäre etwa eine Rechnung mit der Gesamtbevölkerung, doch auch damit stimmen die Werte nicht.
Das ist zwar rechnerisch denkbar, aber für die Einordnung eines Wahlergebnisses ungewöhnlich. Dann zählen auch Kinder, Jugendliche, nicht wahlberechtigte Menschen, Nichtwähler und Menschen mit ungültiger Stimme zu denen, die „keine AfD gewählt“ haben. Sie haben aber ebenso keine andere Partei gewählt.
Auch mit Gesamtbevölkerung passt der Wert nicht
Selbst wenn man die größtmögliche Vergleichsgruppe heranzieht, ist der bundesweite Wert von 90,3 Prozent nicht plausibel.
Laut amtlichem Ergebnis erhielt die AfD bei der Bundestagswahl 2025 bundesweit 10.328.780 gültige Zweitstimmen. Bei einer Bevölkerung von rund 83,5 Millionen Menschen ergibt das einen Anteil von etwa 12,4 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Umgekehrt hätten dann rund 87,6 Prozent der Menschen in Deutschland keine AfD-Zweitstimme abgegeben.
Das ist deutlich weniger als die in der Grafik behaupteten 90,3 Prozent.
Unterschiedliche Bezugsgrößen, unterschiedliche Ergebnisse
Entscheidend ist, womit die AfD-Stimmen verglichen werden. Je nach Bezugsgröße entstehen unterschiedliche Prozentwerte.
- Bei den gültigen Zweitstimmen, also der üblichen Grundlage für Wahlergebnisse, erhielt die AfD bundesweit 20,8 Prozent. Entsprechend entfielen 79,2 Prozent der gültigen Zweitstimmen auf andere Parteien.
- Rechnet man die AfD-Zweitstimmen stattdessen gegen die gesamte Bevölkerung, ergibt sich ein anderer Wert: Bundesweit hätten dann rund 87,6 Prozent der Menschen keine AfD-Zweitstimme abgegeben.
Die verbreitete Grafik nennt jedoch 90,3 Prozent. Dieser Wert passt weder zur üblichen Rechnung mit den gültigen Zweitstimmen noch sauber zu einer Rechnung mit der Gesamtbevölkerung.
Auch in den Bundesländern zeigen sich Abweichungen. Nimmt man testweise die Gesamtbevölkerung als Bezugsgröße, ergibt sich etwa:
- für Thüringen rund 75,7 Prozent statt der in der Grafik genannten 74,6 Prozent,
- für Hamburg rund 93,9 Prozent statt 95,0 Prozent,
- für das Saarland rund 87,2 Prozent statt 92,3 Prozent,
- für Berlin rund 91,9 Prozent statt 85,1 Prozent.
Die Abweichungen gehen also nicht nur in eine Richtung. Manche Werte der Grafik liegen höher, andere niedriger als die rechnerischen Ergebnisse.
Damit bleibt unklar, welche Bezugsgröße für die 90,3-Prozent-Karte tatsächlich verwendet wurde. Sicher ist nur: Ihre Werte lassen sich weder mit der üblichen Wahlstatistik noch konsistent mit einer Rechnung auf Basis der Gesamtbevölkerung erklären.
Die zweite Karte ist ein anderer Fall
Inzwischen kursiert auch eine ähnliche Grafik mit der bundesweiten Angabe von 79,2 Prozent. Diese Zahl ist nicht mit der 90,3-Prozent-Grafik zu verwechseln.
Die 79,2 Prozent ergeben sich aus dem amtlichen Zweitstimmenergebnis: Wenn die AfD 20,8 Prozent der gültigen Zweitstimmen erhielt, entfielen 79,2 Prozent der gültigen Zweitstimmen auf andere Parteien. Diese Rechnung folgt der üblichen Wahlstatistik.
Die Überschrift ‚So viele Menschen wählen nicht AfD‘ ist dennoch verkürzt formuliert: Gemeint sind 79,2 Prozent der gültigen Zweitstimmen, nicht 79,2 Prozent aller Menschen in Deutschland.
Fazit
Die 90,3 Prozent-Karte wirkt auf den ersten Blick seriös, weil sie bekannte Quellen nennt, Prozentwerte je Bundesland ausweist und eine klare visuelle Botschaft transportiert. Das Problem liegt nicht in der Frage, ob Menschen ohne AfD-Stimme existieren, sondern in der Bezugsgröße und den nicht nachvollziehbaren Zahlen.

Wer AfD-Stimmen nicht zu den gültigen Zweitstimmen, sondern etwa zur Gesamtbevölkerung ins Verhältnis setzt, verändert die politische Aussage erheblich. Im vorliegenden Fall bleibt zudem unklar, welche Bezugsgröße tatsächlich verwendet wurde.
Bewertung: Irreführend. Die Grafik nutzt eine ungewöhnliche Vergleichsbasis und enthält mehrere rechnerisch nicht nachvollziehbare Werte.
FAQ zur Grafik „90,3 Prozent wählen keine AfD“
Haben wirklich 90,3 Prozent der Menschen keine AfD gewählt?
Nein, dieser Wert ist nicht nachvollziehbar. Nach den amtlichen Zweitstimmen erhielt die AfD 20,8 Prozent, auf andere Parteien entfielen 79,2 Prozent. Selbst bei einer Rechnung mit der Gesamtbevölkerung käme man bundesweit auf etwa 87,6 Prozent, nicht auf 90,3 Prozent.
Warum ist die 90,3-Prozent-Grafik irreführend?
Sie nutzt offenbar nicht die übliche Grundlage der gültigen Zweitstimmen, sondern eine größere, nicht transparent erklärte Bezugsgröße. Selbst wenn man die Gesamtbevölkerung zugrunde legt, lassen sich mehrere Werte der Grafik nicht nachvollziehen.
Ist es falsch zu sagen, viele Menschen hätten keine AfD gewählt?
Nicht grundsätzlich. Entscheidend ist aber, welche Bezugsgröße gemeint ist. Wer von „Menschen“ spricht, muss klar erklären, ob damit gültige Stimmen, Wahlberechtigte oder die gesamte Bevölkerung gemeint sind.
Was bedeutet die Zahl 79,2 Prozent in der anderen Grafik?
Die 79,2 Prozent beziehen sich auf die gültigen Zweitstimmen. Da die AfD bundesweit 20,8 Prozent der gültigen Zweitstimmen erhielt, entfielen 79,2 Prozent auf andere Parteien. Diese Rechnung entspricht der üblichen Wahlstatistik. Die Überschrift „So viele Menschen wählen nicht AfD“ ist allerdings verkürzt formuliert, weil damit nicht alle Menschen in Deutschland gemeint sind.
Welche Zahl ist für Wahlergebnisse aussagekräftiger?
Für Wahlergebnisse ist der Anteil an den gültigen Stimmen maßgeblich. Die Gesamtbevölkerung kann für politische Einordnungen interessant sein, ersetzt aber nicht das amtliche Wahlergebnis. Wichtig ist, dass die Bezugsgröße offen genannt und korrekt berechnet wird.
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31. August 2026
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1. September 2026
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4. September 2026
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