Am frühen Sonntag wird die „Hondius“ auf Teneriffa erwartet. Nach Gesundheitschecks an Bord sollen die Menschen mit Evakuierungsflügen in ihre Heimatländer gebracht werden. Die WHO hält das Ansteckungsrisiko weltweit weiter für gering.
Auf der spanischen Atlantikinsel Teneriffa laufen die Vorbereitungen für die Ankunft des Kreuzfahrtschiffs „MV Hondius“, auf dem das Hantavirus ausgebrochen ist. Nach Angaben des spanischen Innenministers Fernando Grande-Marlaska schicken Deutschland, Frankreich, Belgien, Irland und die Niederlande Flugzeuge, um ihre Staatsangehörigen zu evakuieren.
Die Europäische Union entsende zudem zwei weitere Maschinen für die übrigen EU-Bürger. Für Passagiere aus Nicht-EU-Staaten, deren Heimatländer keine eigenen Flüge organisieren könnten, bereiteten die USA und Großbritannien Notfallpläne und Transportmöglichkeiten vor. An Bord des Kreuzfahrtschiffs sind Passagiere und Besatzungsmitglieder aus 23 Ländern.
Die „Hondius“ ist derzeit auf dem Weg von den Kapverden nach Teneriffa und soll dort in der Nacht zu Sonntag zwischen 04:00 und 06:00 Uhr Ortszeit (05:00 und 07:00 Uhr MESZ) ankommen.
Spanier sollen als Erstes von Bord gehen
An Bord sollen alle Passagiere auf Krankheitssymptome geprüft werden. Als erste würden voraussichtlich die 14 Spanier zum nahegelegenen Flughafen Teneriffa Süd gebracht, von wo sie mit einer Militärmaschine nach Madrid geflogen werden sollen, um dort in einem Krankenhaus in Quarantäne zu gehen.
Die Reihenfolge für die übrigen Nationalitäten werde von den Gesundheitsbehörden festgelegt, sagte Grande-Marlaska weiter. Die Reisenden dürften erst von Bord gehen, wenn ihr jeweiliges Evakuierungsflugzeug abflugbereit sei.
Sie dürften zudem nur die wichtigsten persönlichen Gegenstände mitnehmen. Das restliche Gepäck verbleibe auf dem Schiff, wie Gesundheitsministerin Monica Garcia sagte. Das Schiff soll anschließend in die Niederlande gebracht und dort desinfiziert werden. Auch die Leiche eines an Bord verstorbenen Passagiers bleibe an Bord.
Im Hafen von Granadilla auf Teneriffa bereiten die Behörden die Ankunft der „Hondius“ vor.
WHO: Geringes Ansteckungsrisiko
Der Leiter der Weltgesundheitsorganisation will auf der Kanareninsel die Evakuierung überwachen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus kündigte an, er werde gemeinsam mit Vertretern der spanischen Regierung nach Teneriffa vor der westafrikanischen Küste reisen.
Die WHO beobachte die Situation weiterhin, koordiniere die Unterstützung sowie die nächsten Schritte und werde die Mitgliedstaaten und die Öffentlichkeit auf dem Laufenden halten, schrieb Tedros auf der Plattform X. „Bislang bleibt das Risiko für die Bevölkerung der Kanarischen Inseln sowie weltweit gering.“ Zum gegenwärtigen Zeitpunkt zeige niemand an Bord der „Hondius“ Symptome einer Hantavirusinfektion.
Zweite Kontaktperson ermittelt
Unterdessen ist in Spanien eine zweite Frau wegen des Verdachts einer Infektion mit dem Hantavirus identifiziert worden. Sie habe in der KLM-Maschine gesessen, mit der die später gestorbene Niederländerin nach dem Verlassen des Kreuzfahrtschiffs Ende April von Johannesburg nach Amsterdam fliegen wollte.
Die betroffene Frau lebe in Katalonien und sei vorsorglich zur Quarantäne in ein Krankenhaus eingewiesen worden, teilte das spanische Gesundheitsministerium auf der Plattform X weiter mit. Sie weise jedoch keine Krankheitssymptome auf.
Zuvor war am Freitag bereits eine Frau in Alicante mit leichten Krankheitssymptomen zur Isolation in ein Krankenhaus gebracht worden, die in demselben KLM-Flugzeug gewesen sei. Sie habe leichten Husten und weise damit mögliche Krankheitssymptome auf. Das Ergebnis möglicher PCR-Tests bei beiden Frauen ist nicht bekannt.
