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Startseite»Nachrichten»Früher billiges Schweinefutter: Abnehmspritze löst einen Run auf Proteinprodukte aus
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Früher billiges Schweinefutter: Abnehmspritze löst einen Run auf Proteinprodukte aus

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 9, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Früher billiges SchweinefutterAbnehmspritze löst einen Run auf Proteinprodukte aus

Die veränderte Nachfrage schlägt sich massiv in den Preisen nieder. (Foto: picture alliance/dpa)

Abnehmspritzen verändern den Lebensmittelmarkt: Weil Nutzer von GLP-1-Medikamenten verstärkt zu Proteinprodukten greifen, explodiert die Nachfrage nach Whey. Die Preise steigen rasant – und die Industrie kämpft mit Engpässen.

Einst als billiges Schweinefutter abgetan, hat sich Molke – heute vor allem unter dem englischen Begriff Whey bekannt – zu einem der begehrtesten Rohstoffe der Lebensmittelindustrie entwickelt. Treiber des Wandels ist der Boom von GLP-1-Abnehmmedikamenten. Die Nutzer dieser Präparate greifen verstärkt zu proteinreichen Lebensmitteln, um einem Muskelabbau während der Gewichtsabnahme entgegenzuwirken. Das zwingt Molkereien und Lebensmittelhersteller zu Investitionen, führt zu Kapazitätsengpässen und treibt die Preise nach oben.

Auch ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein sowie der Fitness- und Social-Media-getriebene Proteintrend heizen die Nachfrage zusätzlich an, doch im Zentrum der Entwicklung steht klar GLP-1, wie Gespräche mit rund einem Dutzend Branchenvertretern zeigen. „Die Kunden suchen zunehmend nach Wegen, um die Nachteile oder Nebenwirkungen von GLP-1 zu bekämpfen“, sagt Hyeyoung Moon, Managerin beim Gesundheits- und Wellness-Händler iHerb. Dabei verschiebt sich die Zielgruppe: Statt klassischer Bodybuilder greifen zunehmend auch Frauen zu Proteinprodukten, die ihre Muskelmasse beim Abnehmen erhalten wollen. „Wir erleben derzeit geradezu einen Ansturm auf Milchproteine“, sagt Kristen Coady, Innovationschefin beim US-Molkereiverband Dairy Farmers of America (DFA).

Diese veränderte Nachfrage schlägt sich massiv in den Preisen nieder. Der Preis für Whey-Proteinkonzentrat mit einem Eiweißgehalt von 80 Prozent ist Daten des Beratungsunternehmens StoneX zufolge im vergangenen Jahr um fast 90 Prozent auf 20.000 Euro pro Tonne gestiegen – deutlich stärker als in anderen Milchsegmenten wie Milchpulver oder Käse. „Es mangelt an Kapazitäten, um Molke in die vom Markt geforderten Produkte umzuwandeln“, sagt John Lancaster, Berater bei StoneX. Die Branche sucht daher nach Lösungen. „Die anhaltend starke Nachfrage nach Molkenproteinen, die in den vergangenen Jahren durch GLP-1 noch weiter angeheizt wurde, ist eine Herausforderung, auf die die Industrie Antworten finden muss“, erklärt Luis Cubel von Arla Foods Ingredients.

Die Unternehmen reagieren mit massiven Investitionen. Der niederländische Konzern FrieslandCampina will mehr als 90 Millionen Euro in den Ausbau des Geschäfts mit hochwertigen Molkenproteinen stecken. Das Unternehmen hatte bereits den US-Hersteller Wisconsin Whey Protein übernommen. Der Engpass bei Molke ruft zudem alternative Anbieter auf den Plan. „Milchproteine sind nach wie vor die hochwertigsten Proteine auf dem Markt, aber es braucht Alternativen, um die Nachfrage zu decken“, konstatiert Marion Bucas, Marketingdirektorin bei Lactalis Ingredients. Neben pflanzlichen Proteinen aus Erbsen und Linsen rückt die sogenannte Präzisionsfermentation in den Fokus, bei der Biotechfirmen Proteine mithilfe von Pilzen oder Bakterien herstellen.

„Durch GLP-1 boomt heute die Entwicklung von proteinreichem Joghurt, Käse oder Getränken“, sagt Romain Chayot, Mitgründer des französischen Startups Standing Ovation, das auf fermentierte Kaseinproteine setzt. Auch das Startup Verley sieht einen massiven Effekt der Abnehmspritzen auf die Branche. „In den USA hat sich in nur zwei bis drei Jahren alles verändert“, urteilt Verley-Chef Stephane Mac Millan. „Das setzt die gesamte Lebensmittelindustrie unter Druck, ihre Rezepturen anzupassen.“

Analysten warnen jedoch, dass Präzisionsfermentation derzeit noch zu teuer für den Massenmarkt ist. Zudem bleibt bei diesen neuartigen Alternativen der Geschmack für skeptische Verbraucher eine Hürde. „Milchprotein ist köstlich“, urteilt Peter McGuinness, Nordamerika-Chef des Lebensmittelkonzerns Bel Group. Mit Blick auf die vielen neuen, nicht aus Molke hergestellten Produkte auf dem Markt fügte er hinzu: „In diesem Proteinrennen haben wir den Geschmack aus den Augen verloren.“

Quelle: ntv.de, jki/rts

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