Die deutschen Passagiere haben das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ verlassen und sind nun an Bord eines Flugzeugs mit Kurs auf die Niederlande. Auf dem Schiff war das Hantavirus ausgebrochen, drei Menschen starben infolge der Infektion.
Im Zuge der Evakuierung des vom Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ sind die vier deutschen Touristen nun auf dem Weg zurück nach Deutschland. Am Nachmittag hat das Flugzeug, das sie mit Passagieren aus Belgien, Griechenland, Guatemala und Argentinien ausfliegt, die Insel Teneriffa verlassen.
Die Passagiere werden zunächst nach Eindhoven in den Niederlanden gebracht. Nach ihrer Ankunft sollen die vier Deutschen laut der Nachrichtenagentur dpa in einem sogenannten Sonderisoliertransport nach Frankfurt gebracht werden. Für den Transport wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt angefordert.
Eine Person soll später in die Berliner Charité gebracht werden. Derzeit werde die Ausgestaltung des Transports beraten, teilte ein Sprecher der zuständigen Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit auf Anfrage der dpa mit. „Für diesen Fall ist die Aufnahme auf die Infektiologie der Charité sowie die Anordnung einer Quarantäne durch das zuständige Gesundheitsamt vorgesehen.“
Alle vier Personen hätten im Moment keine Symptome, hieß es. Sollte sich daran während des Flugs etwas ändern, würde der betroffene Patient zur Uniklinik Düsseldorf gebracht werden. Dort befindet sich auf der Infektionsstation bereits eine 65-Jährige, die ebenfalls auf der „Hondius“ war. Sie hatte dort nach Angaben der Behörden engen Kontakt mit einer Patientin, die an Bord mit einer Hantavirus-Infektion starb. Insgesamt waren also ursprünglich sechs Deutsche an Bord. Der Leichnam der Verstorbenen ist noch auf der „Hondius“.
Am Morgen auf Teneriffa angekommen
Auf dem Kreuzfahrtschiff waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern. Die „Hondius“ war am Morgen auf Teneriffa vor Anker gegangen. Vor Beginn der Ausschiffung waren Ärzte an Bord gekommen, um eine epidemiologische Untersuchung durchzuführen. Wie die spanische Gesundheitsministerin Mónica García anschließend mitteilte, hatte keiner der Passagiere oder Besatzungsmitglieder Krankheitssymptome.
Zunächst wurden dann die 14 spanischen Staatsbürger an Bord ausgeschifft, darunter 13 Passagiere und ein Crewmitglied. Sie trugen Schutzkleidung und Masken und wurden mit zwei Bussen der Militärischen Nothilfeeinheit UME zum Flughafen gebracht. Von dort startete ihre Maschine nach Madrid. In der spanischen Hauptstadt sollten sie in einem Militärkrankenhaus gemeinsam mit einem Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter Quarantäne gestellt werden.
Die meisten Passagiere und Crewmitglieder sollten noch vor Einbruch der Dunkelheit in ihre Heimatländer gebracht werden. Dabei seien unter anderem Flugzeuge aus Spanien, den Niederlanden, den USA, Großbritannien, Frankreich, der Türkei, Irlands und im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus auch eine Maschine aus Norwegen im Einsatz. Der letzte Flug mit sechs Personen sei für Montag nach Australien geplant, erklärte Ministerin García: „Wie alle sehen können, funktionieren die Maßnahmen zur Evakuierung reibungslos.“
Wohl mehrwöchige Quarantäne für alle
Laut WHO und anderen Behörden dürften alle Ausgeflogenen nach ihrer Ankunft in den jeweiligen Heimatländern in Quarantäne müssen. Denn eine Entwarnung ist wegen der langen Inkubationszeit des Hantavirus erst nach Wochen möglich. Sobald die Menschen von Bord sind, soll die „Hondius“ ihre Fahrt mit einem Teil der Crew sofort fortsetzen und Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst dort soll der Leichnam einer an Bord gestorbenen Deutschen vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffes wird in den Niederlanden vorgenommen.
Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren übertragen, kann bei engem Kontakt aber auch von Mensch zu Mensch überspringen. Der Ausbruch der südamerikanischen Andes-Variante des Virus auf dem kleinen Kreuzfahrtschiff löste weltweit Besorgnis aus – auch und gerade wegen der Erinnerung an die Corona-Pandemie. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte jedoch, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer Botschaft betonte er: „Das ist nicht ein neues Covid.“
Laut jüngsten WHO-Angaben gibt es sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen sind gestorben. Bei ihnen handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und die Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte.
