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Politik

ARD-Dialogprojekt: Miteinander reden – statt übereinander

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 10, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 10.05.2026 • 18:42 Uhr

Was passiert, wenn Menschen aus ganz Deutschland, die sich vorher nicht kannten, ein Wochenende lang reden – nicht übereinander, sondern miteinander? Das will das ARD-Dialogprojekt „Was Deutschland verbindet“ herausfinden.

Michael Immel

„Was Deutschland verbindet“ – so lautet die ARD-Dialog-Aktion. 84 Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten und mit unterschiedlichen Perspektiven sprechen in Baden-Baden und Leipzig über Themen, die sie bewegen und beschäftigen. Sie teilen Gedanken und Gefühle. Sie sprechen über Dialog, Gleichberechtigung sowie Migration und über Demokratie, Meckerkultur und Wandel. Sie haben sich diese Themen selbst ausgesucht.

In den beiden Fernsehstudios von MDR und SWR kommen 84 Menschen zusammen. Diese stehen symbolisch für knapp 84 Millionen Menschen in Deutschland. Sie kannten sich vorher nicht. Sie treffen an diesem Wochenende das erste Mal aufeinander und tauschen sich aus. Dabei werden die Gesprächsrunden nicht journalistisch geführt.

Was verbindet, was trennt?

„Die Gespräche werden nicht von Journalistinnen oder Journalisten begleitet“, sagt Florian Hager, ARD-Vorsitzender und Intendant des Hessischen Rundfunks. „Sie sind offen, ohne Skript.“ Bei der Aktion „Was Deutschland verbindet“ gehe es darum, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen miteinander reden – und dabei auch festzustellen, dass die eine oder der andere bei manchen Themen eine komplett andere Meinung habe als man selbst.

„Es ist aber trotzdem wichtig, Themen, die uns alle betreffen, zu verhandeln. Und dann – bei allen Unterschieden – vielleicht doch zu sehen, dass uns viele Dinge verbinden; vielleicht ja sogar mehr als uns trennen“, so Hager.

Viele unterschiedliche Ansichten

„Doch es gibt auch Ausschlusskriterien“, sagt Julia Krittian, Programmdirektorin beim Hessischen Rundfunk, der das ARD-Dialogformat koordiniert – unterstützt von MDR, NDR, SWR und WDR. „Wer nicht in Deutschland wohnt, ein politisches Amt bekleidet, verfassungsfeindliche Ansichten vertritt, überdurchschnittlich bekannt, also ein Promi ist oder engen persönlichen Kontakte zu Mitarbeitenden der ARD hat, kann nicht teilnehmen.“

Ziel sei es, dass so viele unterschiedliche Ansichten wie möglich zusammenkommen. Mit allen Teilnehmenden wurde daher ein Vorgespräch geführt. „Wir fragen dabei, wie die Menschen zu verschiedenen Themen stehen – nicht welche Partei sie wählen“, so Krittian.

Wissenschaftliche Begleitung

Das ARD-Dialogprojekt „Was Deutschland verbindet“ wird wissenschaftlich vom Leibniz-Institut für Medienforschung (Hans-Bredow-Institut) begleitet. Das Thema beschäftigt Medienforscher und Soziologe Jan-Hinrik Schmidt schon länger. Seiner Ansicht nach fehlen vielerorts die Eckkneipen, weniger Menschen engagieren sich in Vereinen oder anderswo. Es fehlten Gelegenheiten, „einfach zufällig Leute zu treffen im öffentlichen Raum“, sich auszutauschen und zu verständigen.

„Es ist tatsächlich so, dass mehr und mehr Menschen in Blasen leben, dass sie also eher in homogenen Freundeskreisen, vielleicht auch in homogeneren Nachbarschaften unterwegs sind und dadurch gar nicht mehr so mitbekommen, dass es in unserer Gesellschaft auch noch ganz andere Ansichten, Lebensweisen und Meinungen gibt“, sagt Schmidt. Digitale Medien hätten das in gewisser Weise verstärkt.

Mit Blick auf das ARD-Dialogformat stellt Schmidt fest: „An sich ist es eine künstliche Situation, dass dort Menschen, die sich vorher nicht kennen, zusammengebracht werden.“ Aber er vermutet stark, dass diese künstliche Situation relativ schnell vergessen werde und „die Leute dann in der Situation sind und einfach im Laufe der zwei Tage tatsächlich durch die Vertrautheit, durch das ständige Miteinander-Reden auch soziale Beziehungen entstehen.“

Es müssten nicht Freundschaften sein, aber: „Ich glaube, dass die Menschen hinterher sagen werden: ‚Oh, guck mal, jetzt habe ich anhand dieser Person etwas verstanden‘. Dabei habe ich immer gedacht: ‚Wie kann man nur so denken – egal, ob ich die Meinung nun teile oder nicht“, sagt Schmidt.

ARD-Dialogprojekt „Was Deutschland verbindet“

Vom 10. Mai bis 5. Juni steht der gesellschaftliche Dialog im Mittelpunkt der ARD-Dialog-Aktion. Die Dokumentation „Was Deutschland verbindet“ gibt es ab 30. Mai in der ARD-Mediathek und am 1. Juni, um 23:35 Uhr im Ersten. Sie fängt die spannendsten Momente aus den Gesprächsrunden ein. Alle sechs Diskussionsrunden werden ab der kommenden Woche in voller Länge in der ARD-Mediathek veröffentlicht. Es wird auch ein „Hart aber fair extra – Der Dialog“, am 1. Juni, um 21:15 Uhr im Ersten geben und eine Vorabendreihe „Dialog vor acht“ während des Aktionszeitraums um 19:45 Uhr im Ersten. Zudem beteiligen sich Funk, KiKA, Online und Social Media sowie die Radiowellen und Fernsehprogramme der ARD an der Dialog-Aktion.

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