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Startseite»Nachrichten»Menschenkette für Reformen: Katholikentag wartet auf Votum von Papst Leo
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Menschenkette für Reformen: Katholikentag wartet auf Votum von Papst Leo

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 17, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Menschenkette für ReformenKatholikentag wartet auf Votum von Papst Leo

Männliche Schokonikoläuse auf dem Katholikentag: Die Reformer verlangen Zugang von Frauen zu den Weiheämtern. (Foto: picture alliance/dpa)

Papst Leo streitet mit Trump und pocht aufs Evangelium, doch die deutschen Katholiken können nicht sicher sein, ob der Vatikan ihre grundlegenden Reformideen mitträgt. Ein Stoppschild aus Rom wäre katastrophal, meint die ZdK-Chefin.

Die Lieder verhallen, der Weihrauch verfliegt, die Gesprächspodien werden abgebaut, prominente Gäste wie Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sind längst wieder abgereist. Was bleibt vom 104. Katholikentag in Würzburg? Wenn der Papst in Rom seine Stimme erhebt und die US-Kriegspolitik verurteilt, wird das weltweit wahrgenommen. Aber wie sieht es aus, wenn hiesige Kirchenvertreter Sozialabbau brandmarken und den Umgang mit Geflüchteten kritisieren? Bundestagspräsidentin Julia Klöckner von der CDU und auch andere Unionspolitiker haben ihren Standpunkt rund um den Katholikentag deutlich gemacht: weniger Tagespolitik, mehr Spirituelles.

Womöglich ist aber gerade der aktuelle Konflikt zwischen Papst Leo XIV. und US-Präsident Donald Trump ein Beispiel dafür, wie Kirche ihre Stimme erheben kann, ohne ins Kleinklein der Tagespolitik zu verfallen. Der Papst gehe immer wieder auf die Grundposition, also aufs Evangelium, zurück, sagte die Theologin Marianne Heimbach-Steins. Und für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Heiner Wilmer, ist das Evangelium sowieso „Politik pur“.

Zugleich stellt sich die Frage: Wie will die Kirche bei hohen Austrittszahlen relevant bleiben? Vielerorts sind katholische und evangelische Christen inzwischen in der Minderheit. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte dazu: „Die Leute möchten eine klare Position hören. Es spielt keine Rolle, wie viele wir sind.“

Die Reformer brauchen Geduld

Mit einer Menschenkette haben Reformkräfte Veränderungen in der katholischen Kirche angemahnt – vor allem forderten sie den Zugang von Frauen zu Weiheämtern. Die Vorstellung einer katholischen Bischöfin ist für reformorientierte Gläubige das Ziel der Träume – für konservative Kräfte dagegen vermutlich ein echter Albtraum.

Fakt ist: Geduld ist schon jetzt gefragt, wenn es „nur“ um die deutsche Synodalkonferenz geht, in der Bischöfe und Laien künftig gemeinsam beraten und entscheiden wollen. Nicht alle Bischöfe finden diese Idee gut – und noch ist überhaupt nicht klar, wie sich Rom positioniert. Die Satzung wird derzeit im Vatikan geprüft. Bischof Wilmer zeigte sich in Würzburg zuversichtlich, bittet aber um Geduld. Und Irme Stetter-Karp, Chefin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), warnte schon mal: Ein Stoppschild aus dem Vatikan wäre katastrophal.

Wer gehofft hatte, auf dem Katholikentag würde sich Kardinal Mario Grech, Generalsekretär der Bischofssynode, etwas Konkretes entlocken lassen zu den deutschen Plänen, wurde enttäuscht. Seine Worte blieben allgemein.

Die große Wunde – der Missbrauchsskandal

Kurz vor dem Treffen hatte Stetter-Karp wachrütteln wollen: „Ich habe den Eindruck, dass wir nicht nur in der Kirche in eine Phase zunehmender Teilnahmslosigkeit eintreten“, kritisierte sie. „In Gesellschaft, Medien und unseren Reihen breitet sich Ungeduld, ja sogar eine Art Müdigkeit aus. Immer öfter höre ich die Frage, wann denn dieses Thema endlich erledigt sei.“

Auf dem Katholikentag war das Thema präsent – sei es in einer Kunstinstallation, sei es in Diskussionsveranstaltungen. Kritische Worte kamen von Bayerns Ministerpräsidenten und CSU-Chef Markus Söder, der erklärte, die Kirche sei nach Aufdeckung des Missbrauchsskandals nur schwer in die Gänge gekommen.

Umgekehrt hatte der Würzburger Bischof Franz Jung auf einer Podiumsdiskussion betont, er wünsche sich mehr Engagement des Staates bei der Aufklärung. Das hätte auch die Kirche entlastet.

Klimaschutz – war da was?

Klimaschutz war vor Jahren ein Trendthema, ein großes Ding. In den öffentlichen Debatten ist Klimaschutz inzwischen in den Hintergrund gerückt, wird von bestimmten Kräften sogar abgelehnt. Auf dem Katholikentag ging es aber sehr wohl um Klimapolitik. Kanzler Merz sei hier endlich einmal nach diesem Thema befragt worden, lobte Klimaaktivistin Luisa Neubauer: „Das war überfällig.“

ZdK-Chefin Stetter-Karp findet, Themen wie Nachhaltigkeit hätten in der aktuellen Regierung zu wenig Raum. Doch es sei wichtig, darüber zu sprechen. In einem TV-Interview versicherte Wilmer: Die Kirche müsse Anwältin der Erde sein. „Kirche muss den Schrei der Schöpfung hören, muss achtsam sein, wenn schäbig mit der Umwelt umgegangen wird.“

Extreme Kräfte – nicht eingeladen, aber doch präsent

Repräsentanten und Mandatsträger der AfD waren nicht zum offiziellen Teil des Katholikentags geladen. Präsent war das Thema dann trotzdem. Angesichts nationalistischer Aussagen der AfD, die an die dunkelsten Zeiten der Geschichte erinnerten, könne die Kirche nicht schweigen, sagte Wilmer.

Der Linken-Politiker Bodo Ramelow bezeichnete die AfD aufgrund ihres Programms für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als sehr kirchenfeindlich.

Die Sorge vor Spaltungen in der Gesellschaft, vor dem weiteren Erstarken extremistischer Kräfte war allgegenwärtig. CSU-Chef Söder sagte, die AfD sei erfolgreich, weil viele Menschen sich vor Veränderung sorgten und Angst vor Abstieg hätten. „Und aus Angst erwächst häufig auch Radikalität.“ Aufgabe aller sei es, die Demokratie zu erhalten. „Und da müssen wir alle noch viel mehr über unseren Schatten springen, als wir glauben“, sagte Söder. „Ich behaupte, dass die AfD die schlimmste rechte Organisation in ganz Europa ist.“

Quelle: ntv.de, Kathrin Zeilmann und Angelika Resenhoeft, dpa

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