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Pilotprojekt in der Eifel: Selbstfahrende Teslas chauffieren Schüler und Senioren

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 17, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Pilotprojekt in der EifelSelbstfahrende Teslas chauffieren Schüler und Senioren

Ländlicher Raum als Innovationstreiber. Bundesweit ist Teslas „Full Self Driving“ noch nicht zugelassen. (Foto: picture alliance/dpa)

Ohne Auto geht es kaum auf dem Land. Autonome Fahrzeuge, die auch Menschen ohne Führerschein transportieren könnten, wären hier ein besonders großer Fortschritt. In der Eifel läuft ein Test, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung.

Wer auf dem Land wohnt und kein Auto hat, hat es oft schwer. Wenn dann auch keine Busse fahren, ist man aufgeschmissen: Das ist gerade für Schüler und ältere Menschen ein Problem. Genau diese Personen nimmt ein Pilotprojekt in der Eifel in den Blick: Sie können sich jetzt mit einem selbstfahrenden Tesla – allerdings noch mit einem Sicherheitsfahrer – an, kostenlos zur Schule oder zum Arzt bringen lassen.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Verbandsgemeinde Arzfeld, dem Eifelkreis Bitburg-Prüm und dem Maschinenbauer Tesla Automation in der Eifelstadt Prüm. Es ist auch deshalb bundesweit einmalig, weil die Teslas hier als Shuttle bereits zu Testzwecken mit dem Software-Update „Full Self-Driving“ (Überwacht) fahren, das bundesweit noch nicht zugelassen ist.

Die Auszubildenden Emilia Fuchs und Lukas Müller steigen an der Berufsbildenden Schule in Gerolstein in den Tesla ein. Im Auto immer mit dabei ist ein Fahrer, der im Notfall eingreifen kann. Er gibt das Ziel Bitburg ein: Das Lenkrad dreht sich von allein, der Fahrer legt seine Hände auf die Knie.

Die rund 40 Kilometer lange Strecke geht über kurvige Landstraßen, durch Kreisverkehre, an Baustellen vorbei. Das Auto fährt selbstständig: Es setzt den Blinker, biegt ab, erkennt kreuzende Fußgänger, fährt links an einem parkenden Auto vorbei. Der Fahrer greift nur einmal ein, um das Tempo nach oben zu regulieren.

„Ich finde die Fahrt super. Es ist so entspannt“, sagt der 20-jährige Müller, der Elektroniker für Betriebstechnik lernt. „Ich fühle mich sicherer, als wenn ich selbst fahren würde.“ Die angehende Industriekauffrau Fuchs meint: „Ich fand es anfangs ein bisschen befremdlich, aber nach ein paar Minuten, als ich gesehen habe, es funktioniert, bin ich schon beruhigter gewesen.“

Innovation kann auch auf dem Land starten

Das Projekt läuft seit Dezember. Und zwar so gut, dass es nun auf weitere Landkreise ausgeweitet wird, wie der Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Andreas Kruppert, sagt. „Wir testen das jetzt in einer relativ großen Region, die eine gute halbe Million Menschen abdeckt.“ Statt an zwei Tagen sollen die Shuttles künftig nach Bedarf an fünf Tagen eingesetzt werden.

„Wir sehen beim autonomen Fahren gerade für den ländlichen Raum eine riesige Chance.“ Es gebe in der Eifel viele kleine und kleinste Gemeinden. „Und wir haben immer weite Wege.“ Schon jetzt gebe es viele Rufbus-Systeme, um den öffentlichen Personennahverkehr flächendeckend hinzubekommen. Eine attraktive zeitliche Taktung bleibe aber schwierig.

Das Tesla-Angebot in der Verbandsgemeinde ist an das ehrenamtliche Bürgerbus-Projekt Arzfeld angedockt. „Wir haben von Anfang an ein positives Feedback gehabt“, sagt Bürgermeister Johannes Kuhl. Senioren nutzen die Teslas von den kleinsten Gehöften zur Fahrt zur Apotheke, zum Arzt oder zum Einkaufen. „Und wir zeigen: Innovationsprojekte müssen nicht immer im urbanen Raum starten. Das funktioniert auch im Ländlichen.“

Zwischenfälle bei den Tesla-Fahrten in der Eifel habe es bisher keine gegeben. In wenigen Fällen griff der Fahrer ein: Einmal zum Beispiel, als das Auto in eine Sackgasse fuhr und auf einem engen Parkplatz wenden wollte. Es ist das erste Shuttle-Projekt in Europa, bei dem die Teslas mit FSD (Überwacht) fahren.

Dieses fortgeschrittene Assistenzsystem können Tesla-Fahrer in den USA schon seit Jahren nutzen. Für die europäischen Länder hat das Unternehmen die Zulassung beantragt. Als erstes Land haben die Niederlande im April grünes Licht gegeben. Wann das Go für Deutschland kommt, ist noch offen.

Der Landrat fühlt sich an „Knight Rider“ erinnert

Das Eifeler Projekt sieht Tesla auch als weiteren internen Test an. Hier sind zwei Tesla Model Y im Einsatz, die in Grünheide bei Berlin gebaut wurden. Das Unternehmen Tesla Automation, das hochautomatisierte Produktionslinien für die Fabriken des Elektroautobauers Tesla weltweit herstellt, zählt rund 1.900 Mitarbeiter an vier Standorten: Prüm und Neuwied in Rheinland-Pfalz sowie Neutraubling in Bayern und das baden-württembergische Reutlingen.

Dass die jungen Leute die Fahrten in dem Hightech-Shuttle cool finden – das habe man erwartet, sagt der Landrat. Bei älteren Menschen sei er aber anfangs von Vorbehalten ausgegangen. War aber nicht so: „Viele sind begeistert und nutzen das Angebot regelmäßig“, sagt Kuhl. Bei Anfragen werde heute explizit gefragt, ob der Tesla kommen könne.

Wenn das System eines Tages voll autonom unterwegs sein könnte, wäre es natürlich noch breiter einsetzbar, sagt Kuhl. Er selbst würde es dann auch gerne nutzen. Gerade bei Terminen am Wochenende: „Da würde ich mich dann ins Auto setzen und wie früher in der Fernsehserie „Knight Rider“ zum Auto sagen: „K.I.T.T., fahr mich!““

Quelle: ntv.de, Birgit Reichert und Harald Tittel, dpa

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