Nach fünfjährigem Umbau ist das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg wieder für Besucher geöffnet: Die Nazi-Geschichte der Stadt wird mit neuem Konzept präsentiert.
Die Nazis hielten mit ihrer Partei NSDAP von 1933 bis 1938 ihre Reichsparteitage in Nürnberg ab, Massenveranstaltungen, die der Propaganda dienten. Wehrmacht, SS, SA, Hitlerjugend und der Bund Deutscher Mädel marschierten in Reih und Glied auf. Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände beleuchtet in der neu konzipierten Dauerausstellung „Nürnberg und die Reichsparteitage“ Hintergründe – mit neuem Konzept, neuer Technik und neuen Ausstellungsstücken.
Multimedial und interaktiv Propaganda zerlegen
Videos, Filme und zahlreiche Projektionen: An vielen Stationen können sich die Besucher multimedial und interaktiv einem Thema nähern. In einem Raum können sie etwa Leni Riefenstahls Propagandafilm „Triumph des Willens“ in seine propagandistischen Einzelteile zerlegen. Hitlers Lieblingsregisseurin drehte den Film auf dem Reichsparteitag 1934 in Nürnberg. Mit einem Drehknopf und Tasten kann man sich Kameraführung, Schnitt und Musikverwendung genau anschauen, um das propagandistische Blendwerk kriminalistisch zu untersuchen und damit auch zu entlarven.
Schülerinnen und Schüler haben die Ausstellung schon getestet
Schülerinnen und Schüler des Paul-Pfinzing-Gymnasiums Hersbruck durften interaktive Abschnitte und multimediale Techniken wie die Analyse von Riefenstahls Film schon vor zwei Wochen testen.
Sie habe dabei viel über Details gelernt, sagt die 14-jährige Julia. Der 18-jährigen Emma gefällt, dass sie viel interaktiv machen kann, sich mit Hilfe von Technik in manches vertiefen kann. Ein gerade für die junge Generation interessanter Zugang zum Thema, meint die Schülerin, „wo man auch ein bisschen spielerisch die Vergangenheit aufarbeiten kann“. Das sei eben spannender, als nur Informationstexte zu lesen.
Testlauf für die Medienstationen im Museum
Erstmal geht die Dauerausstellung in den Probebetrieb. Im Museumsalltag wird getestet, ob die Medienstationen angenommen werden und wie verständlich die interaktiven Abschnitte sind. Gruppen und Einzelbesucher sollen während des laufenden Betriebs Rückmeldungen geben. „Wir müssen das gemeinsam mit den Menschen zu Ende entwickeln und testen und optimieren und verändern. Sonst vermittelt man über die Köpfe hinweg“, sagt der Leiter des Dokuzentrums, Imanuel Baumann. In den kommenden Wochen und Monaten kann sich also die eine oder andere Station wieder verändern.
Bogen zur Gegenwart ziehen
Neu sind Stationen, an denen Besucherinnen und Besucher sich selbst beispielsweise fragen können, wie wichtig ihnen die Demokratie ist? Sie sollen sich Gedanken über Mut, Gemeinschaftsgefühl und Zivilcourage machen. Man werde nicht jeden damit erreichen können, sagt Imanuel Baumann, aber verunsicherte Menschen vielleicht zum Nachdenken bringen, etwa Jüngere, die durch die Social-Media-Welt nicht mehr wüssten, welcher Information sie glauben sollten und welcher nicht. Auch demokratieverdrossene Ältere könne man so erreichen, meint Baumann.
Damit soll der Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart geschlagen werden: „Wo sind Punkte in der Geschichte, wo man falsch abgebogen ist? Wo ich auch mit meiner Wahlstimme etwas unterstützt habe, was fürchterliche Folgen gehabt hat“, zieht Baumann mögliche Parallelen zur Gegenwart.
Erweiterte Ausstellungsfläche
Ursprünglich war die Dauerausstellung des Dokuzentrums für 100.000 Besucher pro Jahr ausgelegt. Doch nun benötigt das Haus Räume und Lernorte für etwa 300.000 Besucher im Jahr. Deshalb wurde die Ausstellungsfläche um 350 Quadratmeter auf nun 1.600 Quadratmeter erweitert. Allein die Baumaßnahmen im Nordflügel der nie fertig gestellten Kongresshalle kosteten 28,7 Millionen Euro, die Neugestaltung der Ausstellung 7,4 Millionen.
Der Probetrieb des Museums soll bis November laufen. Dann soll die offizielle Eröffnung der Dauerausstellung und das 25-jährige Bestehen des Dokuzentrums mit einem Festakt gefeiert werden.
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Quelle: Frankenschau aktuell 21.05.2026 – 15:30 Uhr
