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Startseite»Nachrichten»„So gekämpft für mich“: Plastiniertes Herz erinnert an Transplantation
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„So gekämpft für mich“: Plastiniertes Herz erinnert an Transplantation

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 25, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„So gekämpft für mich“Plastiniertes Herz erinnert an Transplantation

Martina Grabsch erhielt vor einem Jahr ein Spenderherz. Ihr altes Herz wurde plastiniert. (Foto: picture alliance/dpa)

Martina Grabschs Herz hat einen Ehrenplatz in ihrem Regal. Dort steht das Organ – plastiniert, wie in den „Körperwelten“. Es erinnert sie immer daran, „wie stark ich sein kann“.

Martina Grabschs Herz war seit ihrer Geburt nicht gesund. Trotzdem sagt die 32-Jährige: „Mein Herz und ich waren ein Team.“ Schließlich brauchte sie ein Spenderherz. Das Herz, dass zuvor 30 Jahre in ihrem Körper schlug, bekommt sie nun wieder – präpariert für die Ewigkeit vom Plastinarium im brandenburgischen Guben.

Es erinnert sie an ihren Kampf ums Überleben, an ihre vielen Elektroschocks und Operationen. „Ich wollte einfach nicht, dass mein Herz zerschnitten und weggeworfen wird“, erinnert sich Grabsch, die im niedersächsischen Wunstorf lebt. Es angucken und anfassen zu können, sei eine viel schönere Vorstellung gewesen. Als sie im Januar 2025 auf dem OP-Tisch liegt, schmieden ihre Eltern einen Plan: Sie fragen im Plastinarium – bekannt durch den Mediziner Gunther von Hagens und die deutschlandweiten „Körperwelten“-Ausstellungen mit plastinierten Menschen – ob sie das entnommene Herz präparieren.

Das Unternehmen sagt zu. Das Plastinieren ist ein langer Prozess und funktioniert unter anderem, indem das Organ mit Silikonkautschuk durchtränkt wird. In den bekannten Ausstellungen sind Menschen unter anderem beim Schachspielen, Sport oder beim Sex zu sehen. Zudem stellt die Firma auch Lehrpräparate für Hochschulen und Kliniken her.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Gubener Plastinate GmbH machen sie Grabsch nun ein großes Geschenk: Sie übergeben ihr das Herz, das 30 Jahre lang in ihrer Brust schlug. „Mir war klar, ich will mein Herz behalten, weil es so stark gekämpft hat, dass ich überhaupt so alt geworden bin“, erklärt Grabsch. Schon im Alter von vier Jahren hatten Ärztinnen und Ärzte ihr keine hohe Überlebenschance ausgerechnet – unklar, ob sie es überhaupt bis ins Teenageralter schafft. „Aber es war uns egal: Mein Herz und ich haben gesagt, wir machen weiter.“

Ein Platz im Regal – umgeben von Schutzengeln

Für das plastinierte Herz will die 32-Jährige einen kleinen Schrein einrichten, wie sie es nennt: Sie hat einen Platz im Regal freigeräumt, dort soll neben Lichterketten, kleinen Schutzengeln und ihrem alten Defibrillator, auch das Herz stehen. „Immer, wenn ich mich dann schlecht fühle, kann ich da hingucken und mir sagen, das habe ich geschafft“, sagt Grabsch. „Das erinnert mich dann einfach daran, wie stark ich sein kann.“

Warum sich das Plastinarium für das Geschenk entschieden hat, erläutert Sprecherin Anne Bennewitz: „Normalerweise machen wir so eine Art Auftragsarbeit nicht, das ist ein einmaliges Projekt.“ Ein Großteil des Geschäfts richte sich an die medizinische Lehre, für die sowohl einzelne Organe als auch zusammenhängende Teile wie etwa den Verdauungstrakt bestellt werden können. Körperspender spendeten nicht für private Nutzung. „Aber in diesem Fall hätten wir es buchstäblich nicht übers Herz gebracht, wenn das Herz entsorgt worden wäre.“

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In den Körperwelten-Ausstellungen sind immer wieder Herzen zu sehen. (Foto: picture alliance / Caro)

Operationsnähte zu sehen

Bei der Familie von Grabsch komme hinzu, dass sie Notfallsanitäter ausbilden und Erste-Hilfe-Kurse geben. „Da wird das Herz direkt auch für die Lehre genutzt“, so Bennewitz. Das betont auch die Transplantierte: „Wir können zeigen, wie ein nicht gesundes Herz aussieht.“ Bei ihr sei das Herz nie richtig zusammengewachsen. „Man sieht halt auch die ganzen Operationsnähte und was alles so an meinem Herzen gemacht wurde, zum Beispiel auch die Kuhhaut, die über ein Loch rüber gemacht wurde.“

Kritik an der Plastination von Organen und Menschen kann die 32-Jährige weniger verstehen. „Ich finde das toll, weil man einfach so viel sehen kann und so viel mehr versteht, was in einem vorgeht.“ Mit einem Plastikmodell sei das nicht so einfach ersichtlich – auch Studentinnen und Studenten helfe die Plastination damit. Zudem hätten sich ja alle Menschen für eine Spende ihres Körpers entschieden. Auch ihre Mutter überlege das: entweder an eine Universitätsklinik oder an das Plastinarium.

Heute geht es Grabsch gut – sie ist weiter Rentnerin und gewöhnt sich immer mehr an ihr neues Herz. „Es hat sich am Anfang noch ein bisschen komisch angefühlt, aber langsam, langsam verstehen wir uns.“ Ihr Körper akzeptiere das Spenderherz. „Es fühlt sich manchmal ein bisschen anders an, weil mein altes Herz ja anders geschlagen hat.“ Jetzt habe sie zwei Herzen, sagt die 32-Jährige, und sie sei froh ihr erstes zurückzuhaben: „Es war komisch, davon getrennt zu sein. Das, was zu einem gehört hat, womit man geboren wurde, war einfach weg.“

Quelle: ntv.de, Anja Mia Neumann, dpa

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