Zustände „nicht hinnehmbar“Polizeigewerkschaft beklagt marode Wachen in ganz Deutschland
Tropfende Decken, völlig überalterte Gebäude: So beschreibt die Polizeigewerkschaft den Zustand deutscher Wachen. Demnach muss dringend Geld her für Sanierungen, Neubauten und bessere Unterkünfte.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) klagt über eine große Zahl maroder Dienststellen bei der Bundespolizei und fordert dringend eine bessere Infrastruktur. „Man kann klar sagen, dass so gut wie jede dritte Dienststelle erhebliche Mängel hat oder marode ist“, sagte der GdP-Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, der „Rheinischen Post“. Der Zustand vieler Gebäude und Wachen sei „nicht mehr hinnehmbar“.
Es fehlten Büros, Unterkünfte oder Parkflächen für die Beschäftigten, monierte Roßkopf. „Es kann nicht sein, dass in Deutschland über moderne Sicherheitsarchitektur gesprochen wird, während Polizeibeschäftigte gleichzeitig mit Eimern unter tropfenden Decken stehen oder in völlig überalterten Gebäuden Dienst verrichten müssen.“ Sanierungen würden immer wieder verschoben, dies sorge für Frust bei den Beschäftigten.
Die GdP fordere daher Geld für Sanierungen, Neubauten und bessere Unterkünfte. „Eine moderne Bundespolizei braucht moderne Infrastruktur.“ Das sei „keine Luxusforderung, sondern eine Frage von Respekt, Motivation und letztlich auch öffentlicher Sicherheit“, sagte Roßkopf.
Platznot, Ramsch-Möbel, Stromkabel mit Paketband
Ein Negativbeispiel ist die Berliner Wache des Regionalabschnitts Friedrichstraße – zuständig unter anderem für weithin bekannte Kriminalitäts-Hotspots wie Görlitzer Park und Kottbusser Tor. Dort herrschen laut der Berliner Gewerkschaft der Polizei unerträgliche Arbeitsbedingungen. „Neben bröckelnder Bausubstanz und eklatantem Platzmangel für die Beschäftigten flattern Motten durch die Schränke, tote Ratten wurden bereits entdeckt“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Der Personalrat beklage auch das Ignorieren arbeitsrechtlicher Vorschriften und eklatante Gesundheitsgefahren, erklärte Vizechef Thorsten Schleheider. „Monitore müssten aufgrund des Platzmangels der alten Wachräume auf Fensterbänken abgestellt werden, im sogenannten Pausenraum sollen teilweise kaputte Ramsch-Möbel zusammengeschoben worden sein“, berichtet er.
Bei den schon lange laufenden Umbauarbeiten habe man einen behindertengerechten Zugang „vergessen“, heraushängende Stromkabel würden mit Paketklebeband provisorisch fixiert. Auf eine sicherheitsrelevante Scheibe wartet man nach seinen Worten seit neun Monaten, so dass Wachräume nicht nutzbar sind – was den Platzmangel in der kürzlich personell aufgestockten Wache verstärkt.
