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Begehrte Daten im Juni: An Schnapszahl-Terminen wird im Minutentakt geheiratet

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 1, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Begehrte Daten im JuniAn Schnapszahl-Terminen wird im Minutentakt geheiratet

Trotz hoher Nachfrage im Juni: Die Zahl der Menschen, die Ja sagen, sinkt seit Jahren. (Foto: Silas Stein/dpa)

Ob der 6.6.2026 oder der 26.6.2026: Heiraten an Schnapszahl-Daten ist sehr beliebt. Das liegt nicht nur daran, dass sie einprägsam sind.

Gleich mehrere Schnapszahlen in einem Monat: Wer an einem einprägsamen Datum heiraten will, kann dies im Juni beispielsweise am 6.6.2026 oder am 26.6.2026 tun. Viele Standesämter verzeichnen einen regelrechten Run auf die Termine, wie eine stichprobenartige Umfrage der dpa zeigt.

Aus Berlin meldet etwa das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf zum Freitag, den 26.6.2026: „Für diesen Tag waren bereits frühzeitig zahlreiche Anfragen Ende letzten Jahres eingegangen.“ Die Nachfrage übersteige das Angebot.

In Neukölln wurden die Slots auf eine halbe Stunde verkürzt und ein zusätzlicher Raum hinzugenommen. „Die Nachfrage war von Anfang an extrem“, heißt es vom Bezirksamt. Innerhalb einer Stunde seien die Termine weg gewesen. In zwei weiteren Bezirken der Bundeshauptstadt ist eine „lange Nacht der Eheschließungen“ geplant, damit zusätzliche Paare heiraten können.

Begehrte Termine frühzeitig ausgebucht

Überdurchschnittliches Interesse auch für Samstag, den 6.6.2026, registriert unter anderem das Bezirksamt Treptow-Köpenick. Erste Anfragen habe es bereits Ende des Sommers 2025 gegeben.

In Frankfurt sind am 26.6. alle Termine vergeben, wie die Stadt erklärt. „Ausgebucht“ heißt es auch aus München. Man biete zu solchen Daten die maximale Anzahl an Slots an – allein an dem Tag stehen beim Standesamt München 39 Trauungen an.

Markantes Datum als Glücksbringer

Warum sind solche Daten so beliebt, wenn es ums Heiraten geht? „Viele Paare verbinden mit der Schnapszahl den Wunsch, dass das markante Datum ihnen Glück bringt“, sagt Beate Tripp vom Bundesverband der Deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten. Der häufigste Grund sei aber, dass man sich den Termin leicht merken könne und die Gefahr geringer sei, den Hochzeitstag zu vergessen. Außerdem mache sich eine Schnapszahl gut auf der Einladung.

Schon am 26.2.2026 habe es viel Nachfrage gegeben, obwohl der Februar kein klassischer Heiratsmonat ist – viel beliebter sind Mai bis September. „Im Dezember gibt es dann noch einmal ein Nachfragehoch, wenn Paare aus steuerlichen Gründen noch im alten Jahr heiraten“, sagt Tripp.

Heiraten im Stadion oder im Feuerwehrhaus

Mehr und mehr nachgefragt werde ein besonderer Rahmen für den Termin im Standesamt – so werde inzwischen in Schlössern, auf Burgen oder in Museen geheiratet. „Dies hat auch damit zu tun, dass viele Paare nicht mehr kirchlich heiraten.“ Auch im Feuerwehrhaus oder im Stadion seien schon Ringe getauscht worden.

Trotz hoher Nachfrage im Juni – langfristig sinkt die Zahl der Menschen, die heiraten: Die neuesten Zahlen stammen von 2024, in dem Jahr wurden in Deutschland 349.200 Ehen geschlossen. Das war der niedrigste Stand seit Beginn der Statistik im Jahr 1950.

Gut 97 Prozent der Ehen schlossen Paare unterschiedlichen und knapp 3 Prozent Paare gleichen Geschlechts. Mehr als drei Viertel (79 Prozent) der Eheschließenden heirateten zum ersten Mal.

Nur noch jeder Zweite ist verheiratet

Zahl und Anteil der Verheirateten sinken laut Statistischem Bundesamt seit Jahren nahezu kontinuierlich: Ende 2024 war knapp jede zweite erwachsene Person in Deutschland verheiratet, 30 Jahre zuvor waren es noch rund 60 Prozent der Erwachsenen.

Bis zum ersten Ja-Wort dauert es immer länger, das Durchschnittsalter stieg innerhalb von 30 Jahren um rund sechs Jahre. 2024 waren Frauen bei ihrer ersten Heirat im Schnitt 32,9 Jahre alt, Männer 35,3 Jahre. 1994 hatte das Durchschnittsalter der Frauen noch bei 27,1 Jahren und der Männer bei 29,4 Jahren gelegen.

Aber auch bis zur Scheidung dauert es inzwischen länger: Die Durchschnittsdauer einer Ehe bis zur Scheidung betrug 2024 14,7 Jahre und 1994 12,0 Jahre.

Kriege und Konjunkturflaute senken Bindungsbereitschaft

Wie erklärt sich die Entwicklung? Der Berliner Psychotherapeut und Buchautor Wolfgang Krüger führt beim Blick auf die sinkende Zahl von Hochzeiten eine generell herrschende Unsicherheit an, verursacht durch Kriege und schwache Wirtschaftszahlen: „In solchen Zeiten sinkt die Bindungsbereitschaft.“ Menschen würden in unsicheren Zeiten vorsichtiger und zurückhaltender. „Die gesellschaftliche Atmosphäre schlägt immer auf das individuelle Leben durch“, sagt Krüger.

Gleichzeitig seien die Ehen in den vergangenen Jahren besser geworden, da immer später geheiratet werde: „Man ist erwachsen, hat bereits Berufserfahrungen gemacht, man kennt sich eine Weile, man lebt zusammen. Das heißt, wir haben sogenannte geprüfte Beziehungen.“

Diese unterschieden sich erheblich von den Ehen, die früher geschlossen wurden. Denn heute falle die Entscheidung zur Ehe aus freien Stücken. „Man kann sagen, heute heiratet man aus Liebe“, sagt Krüger.

Quelle: ntv.de, Isabell Scheuplein, dpa

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