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Hass, Hetze, Anfeindungen: Bärbel Bas: „Ich bin ein personifiziertes Feindbild geworden“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 2, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Hass, Hetze, AnfeindungenBärbel Bas: „Ich bin ein personifiziertes Feindbild geworden“

Wenn es ihr weniger gut gehe, denke sie schon: „Warum tue ich mir das eigentlich an?“, sagt Arbeitsministerin Bärbel Bas. (Foto: picture alliance / Chris Emil Janßen)

Bärbel Bas eckt an. Zuletzt löst die Arbeitsministerin mit einer Aussage zur Einwanderung in deutsche Sozialsysteme Verärgerung aus. Heftigen Gegenwind bekommt sie nicht nur von ihren Kollegen aus der Politik. „Es geht darum, die Person fertigzumachen“, sagt sie.

Politikerinnen sind nach den Worten von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas zunehmend Hass, Hetze und Anfeindungen von rechten politischen Kräften ausgesetzt. Auch der resoluten SPD-Chefin fällt es nicht immer leicht, Hasstiraden und Beleidigungen auszuhalten. „Das ist schon sehr persönlich, ja“, sagte sie beim „Ständehaus-Treff“ der „Rheinischen Post“. „Ich bin so ein personifiziertes Feindbild geworden.“ Es bleibe „nicht so einfach in den Klamotten hängen, was man so lesen muss“.

Gerade rechte Netzwerke versuchten, starke, selbstbewusste Frauen mit Hass und persönlichen Angriffen kleinzukriegen, kritisierte die die Bundessozialministerin. Besonders schlimm sei, wenn das bei Kindern ankomme, deren Eltern sich politisch engagierten. „Und jetzt bin ich schon fast froh, keine eigenen Kinder zu haben.“

Viele Anzeigen stelle sie nicht, erzählte Bas. „Aber es ist nicht einfach, das auszuhalten.“ Es gehe dabei nicht um sachliche Kritik, sondern um puren Hass, „auch um Vergewaltigungsfantasien – was man sich nicht alles anhören muss“, schilderte die 58-jährige Politikerin. „Also um die Sache immer gerne Streit, Auseinandersetzung, aber da geht es darum, die Person kleinzumachen, die Person fertigzumachen, dass sie irgendwann aufgibt.“

Dazu habe sie allerdings keine Veranlagung, sagte die Duisburgerin. Wenn sie sehr gestresst sei und viel um die Ohren habe, käme ihr aber auch schon mal der Gedanke: „Ich könnte es mir mal irgendwie einfacher machen“, räumte Bas ein. Dann denke sie aber letztlich immer wieder: „Nein, den Gefallen tue ich denen nicht.“ Sie gebe aber zu: „Je härter und stärker das wird, umso mehr denkt man darüber nach, wie lange hält man das aus?“

„Auch ich polarisiere“

Bas übt sich auch in Selbstkritik. Wenn die Wähler den Eindruck hätten, die Bundesregierung streite nur noch, „dann machen wir was falsch“, sagte sie. Das bekomme sie auch in ihrem Duisburger Wahlkreis gespiegelt: „Die Menschen sind wütend auf die Regierung und auf meine Partei.“

Auf die Frage, ob auch sie selbst etwas falsch mache, räumte die 58-Jährige ein: „Auch ich polarisiere“. Nach etlichen Reibereien in der schwarz-roten Koalition gelobte sie aber Besserung: „Ich habe mir fest vorgenommen, nur noch Zuversicht auszustrahlen.“

Die Koalition könne nur gemeinsam gewinnen oder gemeinsam verlieren, sagte Bas angesichts sinkender Umfragewerte für die SPD, aber auch für die Union. „Wir haben nicht mehr viel zuzusetzen“, sagte Bas angesichts von Umfragewerten um die 12 Prozent für die SPD. Die Nervosität in ihrer Partei sei entsprechend groß.

Politiker sind keine Superhelden

Natürlich machten Politiker nicht immer alles richtig. „Gar keine Frage, wir sind auch keine Superhelden“, sagte Bas. Es sei aber wichtig, Verantwortung zu übernehmen und aufzupassen, dass das Gemeinwesen nicht durch Hass und Anfeindungen kaputtgehe. „Demokratinnen und Demokraten, wir dürfen uns nicht zurückziehen und den Populisten das Feld überlassen“, sagte Bas unter dem Applaus ihrer Zuhörer.

Auf den Vorhalt, sie würde aber auch – ähnlich wie Bundeskanzler Friedrich Merz – „regelmäßig missverständliche Sätze raushauen“, räumte Bas ein: „Ja, wir telefonieren darüber auch sehr oft. Und deswegen arbeiten wir wahrscheinlich ja auch ganz gut zusammen.“ Das sei wirklich so. „Wir reden viel auch über das, wer was so über wen gesagt hat.“

Er habe ihr auch nach einer gemeinsamen Dienstreise im Regierungsflieger „das Du“ angeboten, erzählte Bas. Und eine Woche darauf habe sie sich dann im vergangenen Sommer auf eine Äußerung des Kanzlers zum Sozialstaat mit dem Wort „Bullshit“ bezogen. Als Merz sich daraufhin bei ihr gemeldet habe, habe sie gleich gefragt, ob er das „Du“ jetzt wieder zurückziehen wolle. „Nein, nein, aber wir sollten mal drüber reden“, habe der Kanzler geantwortet. „Das kann ja so nicht weitergehen.“ Stattdessen habe es dann „einen Versöhnungssalat mit zwei Bier“ gegeben.

Quelle: ntv.de, gut/dpa

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