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Startseite»Politik»Marktbericht: OECD rechnet mit weniger Weltwirtschaftswachstum
Politik

Marktbericht: OECD rechnet mit weniger Weltwirtschaftswachstum

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 3, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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marktbericht

Stand: 03.06.2026 • 13:28 Uhr

Angesichts der Auswirkungen des Iran-Kriegs hat die OECD ihren Wirtschaftsausblick für die globale Konjunktur gesenkt. Wie gravierend die Folgen seien, hänge von der Dauer des Krieges ab.

Die Weltwirtschaft steht unter Druck: Aufgrund der Folgen des Iran-Kriegs hat die Industriestaatenorganisation OECD ihren Wirtschaftsausblick für die globale Konjunktur gesenkt. Im Fall einer zeitlich begrenzten Störung durch den Konflikt in der Golfregion rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit einer Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums von 3,4 Prozent im vergangenen Jahr auf 2,8 Prozent im Jahr 2026.

Im Jahr 2027 sei dann mit einem weltweiten Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent zu rechnen. Die Inflation dürfte im Falle einer zeitnahen Einigung in den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (G20) zunächst auf 4,0 Prozent steigen, bevor sie 2027 auf 3,1 Prozent zurückgeht.

Inflation bereits gestiegen

Sollten die Störungen durch den Krieg jedoch länger andauern, wird sich das globale Wachstum nach Einschätzung der OECD erheblich verlangsamen: auf 2,1 Prozent im Jahr 2026 und 1,8 Prozent 2027. Dies könnte einige Volkswirtschaften „an den Rand einer Rezession treiben“, heißt es in dem Bericht. Zudem würde die Arbeitslosigkeit steigen und die Inflation weiter anziehen.

Schon jetzt sind die Kriegsfolgen deutlich spürbar: Der Ölpreisschub hat die Inflation in der Eurozone im Mai befeuert. Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise um 3,2 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat gestern nach einer ersten Schätzung mitteilte. Im April hatte die Inflationsrate bei 3,0 Prozent gelegen.

Abhängigkeit von fossiler Energie begrenzen

Insbesondere für Entwicklungsländer mit begrenzten Energiereserven können die Folgen der gestiegenen Ölpreise gravierend sein. Die Abhängigkeit von Volkswirtschaften von einem einzigen Nadelöhr mache deutlich, dass die Resilienz der Lieferketten weiter gestärkt werden müsse, betonte die OECD. Dabei bezieht sie sich auf die faktische Sperrung der Straße von Hormus. „Wir müssen dringender denn je mehr investieren, um uns aus der Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu befreien“, heißt es in dem Bericht.

Gleichzeitig dürfe die Konsequenz nicht sein, Haushalte und Unternehmen mit Pauschalmaßnahmen zu entlasten. Solche Entlastungen prangert die Organisation an und betont: „Maßnahmen wie Steuersenkungen und Preisdeckel schwächen in der Regel die Anreize zum Energiesparen.“ Dies sei in einer Energieversorgungskrise „besonders unwillkommen“ und könne sich zudem als kostspielig erweisen.

Weniger Wachstum auch in Deutschland

Auch in Deutschland sind die Auswirkungen des Iran-Krieges spürbar und schlagen sich auf das Wirtschaftswachstum nieder. Wie zuvor bereits andere Institutionen, senkt auch die OECD ihre Wachstumsprognose für Deutschland und rechnet nur noch mit einem Plus von 0,7 Prozent, wie aus dem heute veröffentlichten Wirtschaftsausblick hervorgeht. Bereits im März wurde die aus dem Dezember stammende Prognose von 1,0 auf 0,8 Prozent gestutzt. Für das kommende Jahr wurde die Vorhersage nun von 1,5 Prozent auf 1,1 Prozent gekappt.

Anders als in den Vorjahren findet sich Europas größte Volkswirtschaft allerdings nicht mehr am unteren Tabellenende wieder. „Deutschland liegt im Durchschnitt der EU-Länder“, sagte OECD-Expertin Isabell Koske. Für die Euro-Zone wird im laufenden Jahr ein Plus von 0,8 Prozent erwartet, für 2027 von 1,2 Prozent – für Frankreich von 0,7 und 0,8 Prozent, für Italien von 0,5 und 0,6 Prozent. In den USA soll sich das Wachstum auf 2,0 und 1,8 Prozent abschwächen, in China auf 4,5 und 4,3 Prozent.

Chancen für Deutschland

Auch hierzulande sind es die gestiegenen Energiepreise, die sich auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken und den privaten Konsum und die Investitionen dämpfen. Koske nannte noch einen weiteren Grund für den Gegenwind: „China macht den deutschen Güter-Exporten auf den Weltmärkten immer stärkere Konkurrenz.“

In den vergangenen beiden Jahren hätten der Handelsprotektionismus und die steigende Konkurrenz aus China auf wichtigen Märkten die Exporte belastet. Im März 2026 sei der Wert der Warenexporte jedoch zwei Prozent höher gewesen als im Vorjahreszeitraum. Die OECD erklärte dies durch wachsende Exporte in andere EU-Länder, die schrumpfende Exporte in die USA oder nach China ausgeglichen.

Reformen als Wachstumstreiber

Dagegen stimulierten die stark steigenden öffentlichen Investitionen und Verteidigungsausgaben die deutsche Wirtschaft. Das habe auch positive Effekte auf private Investitionen. Und noch an anderer Stelle sieht die OECD Chancen für Deutschland: Die Bundesregierung habe wichtige Reformen im Bereich der öffentlichen Vergabe und der Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren auf den Weg gebracht.

„Wenn das so beschlossen und umgesetzt wird, stehen die Chancen für einen schnellen Ausbau der öffentlichen Infrastruktur und eine stärkere Unterstützung der Konjunktur nicht schlecht“, sagte OECD-Expertin Koske. Die OECD rät deshalb, den Abbau von Bürokratie und die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung voranzutreiben.

DAX fällt unter 25.000 Punkte

Der größte Belastungsfaktor bleibt der Krieg in Iran – und dort ist die Lage weiter unübersichtlich. US-Präsident Donald Trump bekräftigte am Vorabend ungeachtet gegenteiliger Aussagen aus Iran, dass die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über einen Rahmenvertrag andauern. Aus Iran verlautete, dass seit Tagen keine Gespräche mehr stattfinden würden.

In der Folge legen die Ölpreise auch heute wieder zu und lassen gleichzeitig den deutschen Aktienmarkt fallen. Der DAX steht zur Mittagszeit unter der viel beachtete Marke von 25.000 Punkten, mit Minus 1,1 Prozent bei 24.860 Zählern.

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