Die Autobahn-Brücke Bonn-Nord ist seit Mittwoch gesperrt – wegen Schäden am Tragwerk. Verkehrsminister Schnieder verspricht bei einem Vor-Ort-Termin schnelle Hilfe – doch das Bauwerk ist vermutlich schon zu marode.
Die vielbefahrene Bonner Nordbrücke ist dicht – für den regionalen Autoverkehr ist das eine erhebliche Belastung. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte nun bei einem Besuch vor Ort, die Verbesserung der Verkehrslage habe „absolute Priorität“.
Schnieder versicherte, der Bund werde „mit aller Kraft dafür eintreten, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten und so schnell wie möglich Abhilfe zu schaffen“. Genutzt würden „alle Beschleunigungsmaßnahmen, die wir nutzen können“. Über die Finanzierung müsse sich niemand Sorgen machen. Einen konkreten Zeitpunkt nannte Schnieder nicht.
Der Chef der Autobahn GmbH des Bundes, Michael Güntner, erklärte, derzeit sei unklar, ob die Brücke überhaupt noch einmal geöffnet werden könne oder dauerhaft geschlossen werden müsse. Es brauche nun mindestens zwei Wochen, um mehr dazu sagen zu können.
Risse im Beton
Die vielbefahrene Brücke über den Rhein ist Teil der Autobahn 565 und die wichtigste Ost-West-Verbindung für die Region. Sie war am Mittwoch wegen neu entdeckter Schäden bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt worden. Unter anderem waren Risse im Beton und Korrosionsschäden im Betonstahl festgestellt worden.
Der Technische Geschäftsführer der Autobahn GmbH, Dirk Brandenburger sagte, es sei schon längere Zeit bekannt, dass die Brücke „statische Defizite“ aufweise. Im Februar sei sie bereits für Lkw über 7,5 Tonnen gesperrt worden – dennoch hätten die Schäden an der Brücke zugenommen.
„Schneller planen und bauen“
Die regionale Wirtschaft drängt nun zur Eile. Es sei „vollkommen unakzeptabel, wenn so eine wichtige Schlagader erst nach zwölf bis 15 Jahren wieder neu gebaut wird“, betonte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg, Hubertus Hille, im Morgenecho von WDR 5.
Solche Zeiträume seien bisher Standard gewesen für Brückenneubauten, so Hille. Das Bundesverkehrsministerium und die Autobahn GmbH müssten dafür sorgen, dass die wichtigste Ost-West-Verbindung für diesen Raum in vier bis fünf Jahren wieder vollständig stehe.
Auch der Präsident der Handwerkskammer zu Köln, Thomas Radermacher, mahnte bei ntv, so lange könne man die Region „nicht ins Verkehrschaos stellen“. Es müsse viel schneller geplant und gebaut werden. Das das möglich sei, hätten andere Brücken-Neubauten gezeigt.
Homeoffice und Park and Ride
Der Bonner Oberbürgermeister Guido Deús (CDU) erklärte, derzeit würden Maßnahmen geprüft, um Bürger und Wirtschaft kurzfristig zu entlasten. Dazu gehörten möglichst großzügige Homeoffice-Regelungen in Stadtverwaltung und regionaler Wirtschaft, kurzfristig einzurichtende Park-and-Ride-Flächen und die Verstärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs.
Das große Thema, so Schnieders Parteikollege, sei aber ein zügiger Neubau: „Wir wissen, in Deutschland sieht es wie folgt aus: Wir haben über Jahrzehnte – egal, wer Verantwortung getragen hat – Sanierungsstau entstehen lassen. Egal wo: auf den Straßen, bei der Deutschen Bahn, in unseren Schulen, in unseren Kitas, auf unseren Sportplätzen.“
