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Startseite»Politik»Albanien: Proteste gegen Luxus-Resort am Naturschutzgebiet
Politik

Albanien: Proteste gegen Luxus-Resort am Naturschutzgebiet

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 5, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 05.06.2026 • 16:31 Uhr

Albanien präsentiert sich heute beim Westbalkangipfel als EU-Kandidat. Im Land selbst gibt es aktuell massive Proteste. Ein Mega-Bauprojekt mit Trumps Schwiegersohn macht Ärger – ist aber nur die Spitze der Empörung.

Oliver Soos

Seit Anfang Juni gibt es fast jeden Tag Demonstrationen in der albanischen Hauptstadt Tirana – mit teils gewaltsamen Ausschreitungen. Es geht um das geplante milliardenschwere Luxus-Tourismus-Resort, an dem der US-Investor Jared Kushner beteiligt ist, der Ehemann von Donald Trumps ältester Tochter Ivanka Trump.

Einer der Demonstranten, Joni Vorpsi, ein in Albanien bekannter Umweltaktivist spricht von einer massiven Umweltzerstörung die im Gange sei: „Wir protestieren gegen diesen Eingriff in die Natur. Die Maschinerie muss gestoppt werden. Sie sollen die Natur in Ruhe lassen“, sagt er. Das Projekt, das man jetzt der Öffentlichkeit präsentiert habe, sei hochgradig destruktiv, sagt er: „Sie wollen 10.000 Zimmer bauen innerhalb von zehn bis 15 Jahren. Sie wollen in der Natur eine komplett neue Stadt erschaffen.“

Bilder erinnern an die Malediven

Schon länger war bekannt, dass Jared Kushner am geplanten Ausbau der Insel Sazan beteiligt ist. Die kleine ehemalige Militärinsel liegt vor der albanischen Küste bei Vlora. Sie ist unbewohnt und verlassen. Hier sollen Hotels und Villen entstehen und eine Marina für Jachten.

Die Bilder des Plans erinnern ein bisschen an eine voll luxuriös ausgebaute Malediven-Insel. Kushner will allerdings auch ein Stück Festland gegenüber mit ausbauen, den Strand bei Zvernec ganz in der Nähe der Narta-Lagune. Kushners Ehefrau, Trumps Tochter Ivanka Trump schwärmt von dem Projekt:

Es ist eine unglaublich schöne 1.400 Hektar große, private Insel in der Mitte des Mittelmeers. Wir waren auf dem Boot eines Freundes und haben dort einen Stopp gemacht, um zu schwimmen, und so haben wir die Insel entdeckt. Wir sind da hingeschwommen und bis zum Gipfel der Insel gewandert und wir waren einfach fasziniert. Es gibt fünf Meilen Strand dort, schönen weißen Sand. Es gibt die Lagune auf der einen Seite und den Ozean auf der anderen Seite.

Lagune ist ein Naturschutzgebiet

Die Narta Lagune ist allerdings ein Naturschutzgebiet. Sie ist eines der wichtigsten und artenreichsten Küsten-Ökosystemen des gesamten Mittelmeerraums. Hier rasten und ernähren sich über 200 Vogelarten – darunter bis zu 3.000 Flamingos und bedrohte Arten, wie der Krauskopf-Pelikan und der Eisvogel.

Am vergangenen Wochenende kochte die Wut viele Bürgerinenn und Bürger hoch. Tausende Protestierende versammelten sich am neu aufgestellten Stacheldrahtzaun am Strand von Zvernec. Steine flogen, Polizisten sprühten mit Tränengas. Private Sicherheitsleute gingen auf Demonstranten los, ein Mann wurde weggezerrt und verletzt.

Polizeidirektor muss zurücktreten

Die Empörung ist so groß, so dass der Polizeidirektor von Vlora zurücktreten muss. Der bekannte deutsche Naturschützer und Filmemacher Ulrich Eichelmann ist regelmäßig in Albanien und setzte sich für den Schutz der Narta Lagune ein. Er spricht von einer beeindruckenden neuen Protestwelle in Albanien.

„Jetzt scheint es so zu sein, dass die Leute sagen: es reicht“, sagt er. „In Albanien explodiert gerade etwas, was schon lange unter Druck war. Ich hätte nie gedacht, dass sich so viele Leute in Albanien trauen, gegen Edi Rama aufzustehen.“

Korruptionsvorwürfe gegen Premier

Die Opposition wirft dem albanischen Premierminister Rama immer wieder Korruption und einen autoritären Regierungsstil vor und hat in letzter Zeit regelmäßig dagegen protestiert. Rama behauptet selbstbewusst, die Tourismusprojekte verstießen in keinster Weise gegen den Naturschutz. Der Premier steht zum Kushner-Projekt.

„Warum sollte ich gegen den Bau eines Luxus-Resorts sein? Ein Luxusresort schafft Einkommen für alle“, sagte er. Ein Euro, der in ein Luxus-Resort fließe, hole bis zu zwei Euro wieder heraus für die lokale Wirtschaft des Landes. „Denn die Menschen kommen dahin, sie konsumieren die lokalen Produkte, sie nutzen die lokalen Dienstleistungen und sorgen für Wirtschaftswachstum.“ Das sorge für höhere Staatseinnahmen, von denen der Staat Gehälter und Renten bezahle.

Edi Rama präsentiert sich und sein Albanien beim EU-Westbalkangipfel in Tivat in Montenegro als den zweitweitesten Staat in den Beitrittsverhandlungen, nach Montenegro. Da dürften die Unruhen in Albanien äußerst unangenehm sein.

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