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Startseite»Nachrichten»„WM mit Freunden“: Ohne diese Tugend wird die DFB-Elf krachend scheitern
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„WM mit Freunden“: Ohne diese Tugend wird die DFB-Elf krachend scheitern

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 8, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Die deutsche Nationalmannschaft hat in den kommenden Wochen nur eine einzige Chance, um erfolgreich zu sein. Will sie den WM-Titel holen, dann muss sie eine Grundtugend verinnerlichen. Lothar Matthäus und die Weltmeister vergangener Zeiten wissen, dass es ohne sie nicht geht.

Als Mario Basler neulich in einer Doku über die deutsche Nationalmannschaft der WM 1994 in den USA sprach, schüttelte er nur mit dem Kopf und sagte dann unmissverständlich: „Elf Freunde, das ist doch der größte Lug und Trug. Das gibt es heute nicht, das gab es damals nicht.“ Basler hatte mit seiner kritischen Anmerkung auf eine Aussage reagiert, die der damalige Bundestrainer Berti Vogts gemacht hatte: „Zu einem Fußballspiel bei mir gehören elf Freunde. Und so will ich die elf Freunde auch sehen.“

Dass das mit den elf Freunden abseits des Platzes natürlich in der Regel Quatsch ist, wusste schon Weltmeistercoach Sepp Herberger, aber sein legendärer Satz – „Elf Freunde müsst ihr sein“ – meinte auch damals schon keine innige Freundschaft fürs Leben, sondern etwas anderes. Für Herberger sollte gelten: Auf dem Platz müsst ihr wie elf Freunde agieren. Einer muss für den anderen da sein.

Und genau das fehlte der deutschen Nationalmannschaft 1994 und der aktuellen DFB-Elf bei den letzten Turnieren. Thomas Helmer sagte deshalb über das Team der WM 1994 etwas Entscheidendes: „Da war das Gefühl, dass wir die besten Einzelspieler haben. Wir sind aber keine Mannschaft geworden.“ Und genau das unterscheidet bei jedem Turnier und jedem Team-Wettkampf die Gewinner von den Verlierern. Die Tugend zu einer Mannschaft zusammenzuwachsen.

Der dreifache Meisterspieler des BVB, Helmut Bracht, hat genau diese (Erfolgs-)Formel einmal unvergleichlich in Worte verpackt: „Der Fußball hat uns geformt. Uns Disziplin beigebracht, Teamgeist. Vor allem aber die Erkenntnis: Allein bist du eine Pflaume.“ Frankreichs früherer Starspieler und Trainer Michel Platini hat einmal über uns gesagt: „Deutsche Teams sind immer deutsche Teams.“ Was er im Kern damit meinte: Deutsche Mannschaften standen – egal wie die Qualität ihrer Einzelspieler auch war – sehr häufig als eine Einheit kompakt auf dem Platz und kompensierten so auch Schwächen des Einzelnen.

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Bestes Beispiel ist in Frankreich zu sehen

Wie wichtig diese Grundtugend für den Erfolg ist, kann Platini aktuell an seinem eigenen Land am besten sehen. Während Trainer Luis Enrique bei Paris Saint-Germain in den letzten Jahren eine zuvor seelenlose Ansammlung von Stars zu einem echten Team zusammengeschweißt hat, das zuletzt zweimal die Champions League gewann, muss Didier Deschamps erst noch beweisen, dass er diese unglaubliche Mannschaft voller Hochkaräter zu einer kompakten Einheit vereinen kann. Die verlorene Partie gegen die Elfenbeinküste hat in Frankreich in jedem Fall erste und ernste Zweifel gesät, dass dieses Unterfangen gelingen wird.

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„Bisher war noch jede Mannschaft, die ich habe spielen sehen, das Spiegelbild der Persönlichkeit ihres Trainers“, hat die Legende Arsène Wenger einmal gesagt. Und tatsächlich ist an dieser Aussage etwas dran. Doch am Ende entscheiden auch wesentlich die Spieler mit, ob sie die Ideen und den Charakter des Trainers annehmen. Erstaunlicherweise haben eigentlich alle Bundestrainer mehrere Anläufe benötigt, ehe auf dem Platz die Einheit stand, die schlussendlich einen Titel holte.

Lothar Matthäus kennt die Unterschiede, die zum Erfolg oder ins Verderben führen, genau. Über die WM-Elf 1990 sagte er einmal: „In Italien waren wir eine echte Gruppe“. Und warum das so war, weiß er noch heute: „Es war ein großer Zusammenhalt, keiner hat sich selbst in den Vordergrund gestellt. Wir waren alle in einem Boot und alle sind in die gleiche Richtung. Bei vorherigen Turnieren, da hat jeder mehr an sich gedacht. Und Franz Beckenbauer hat das Team richtig zusammengestellt. Vielleicht waren gar nicht die 22 besten Spieler dabei, aber wir haben einfach vom Charakter so gut zusammengepasst.“

Im Moment kann man noch nicht wirklich beurteilen, ob die deutsche Nationalmannschaft bei der WM die Chance hat, zu einer echten Einheit zu verschmelzen. Elf (+ 15) Freunde werden sie vermutlich nur dann werden, wenn sie tatsächlich den Titel am 19. Juli im Metlife-Stadium in East Rutherford holen. Lothar Matthäus spricht in der Erinnerung über das Team und die Zeit in Italien von 1990 andächtig über eine „Weltmeisterschaft mit Freunden“. Wer heute die wunderbaren Bilder der Nachtreffen dieser Nationalspieler sieht, der versteht, was der Ehrenspielführer damit meint. Denn manchmal geht die Freundschaft im Nachgang auch gefühlt ein wenig über den Platz hinaus.

Verwendete Quelle: ntv.de

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