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EZB stemmt sich gegen Inflation: Was die Zinserhöhung für Sie bedeutet

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 11, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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EZB stemmt sich gegen InflationWas die Zinserhöhung für Sie bedeutet

11.06.2026, 14:21 Uhr

Von Axel Witte
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Geld wird teurer. (Foto: imago images/Kirchner-Media)

Die Europäische Zentralbank hat an der Zinsschraube gedreht. Was erst einmal nach einer guten Nachricht für Sparer klingt. Für Kreditnehmer dürfte sich die Lage verschlechtern. Bei der Immobilienfinanzierung dürften andere Gründe für eine Verteuerung sorgen. Alles Wissenswerte lesen Sie hier.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Einlagensatz erneut gesenkt. Parken Banken Geld bei der EZB, erhalten sie dafür künftig einen viertel Prozentpunkt weniger – nämlich 2,25 Prozent Zinsen.

Darauf, was die Zinserhöhung für Verbraucher bedeutet, haben Vergleichsportale einen kritischen Blick geworfen. Betrachtet wurden die Bereiche Baufinanzierung, Geldanlage, Girokonto und Ratenkredite.

Festgeldkonten

Schon vor einer möglichen Leitzinserhöhung der EZB haben viele Banken ihre Festgeldzinsen angehoben. Die Durchschnittszinsen bundesweit verfügbarer Angebote mit zwei Jahren Laufzeit sind seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs um mehr als ein Viertelprozent von 2,07 auf aktuell 2,34 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr standen die Zinsen im Schnitt bei glatt 2 Prozent.

Bei den Festgeldern mit fünf Jahren Laufzeit ging es ebenfalls nach oben. Hier stiegen die Durchschnittszinsen seit Kriegsbeginn von 2,39 auf aktuell 2,48 Prozent. Festgelder mit sehr langen Laufzeiten von zehn Jahren kletterten von 2,72 auf 2,80 Prozent, was dem höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren entspricht. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox.

Für ein einjähriges Festgeld mit deutscher Einlagensicherung sind laut FMH-Finanzberatung bei der Akbank derzeit 3,01 Zinsen zu holen. Die Haitong Bank bietet via Weltsparen 3,05 Prozent mit einer gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro durch den portugiesischen Einlagensicherungsfonds. Bei der estländischen Bigbank sind direkt 3,05 Zinsen zu ergattern (gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro).

Bei Laufzeiten von drei Jahren bietet die deutsche PBB 3,25 Prozent derzeit die höchsten Zinsen. Bei der J&T Direktbank sind es 3,20 Prozent (Einlagensicherung bis 100.000 Euro in Tschechien). Und wer sein Geld aktuell für 10 Jahre entbehren kann, bekommt in Deutschland bei der IKB 3,0 Prozent Zinsen. Bei der schwedischen Myntro Bank sind es via Raisin 3,35 Prozent (gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro).

Festgeldkonten im Vergleich

Tagesgeld

Beim Tagesgeld ging es bei den regulären Bestandskundenzinsen nur geringfügig nach oben. Im Schnitt liegen die Zinsen bundesweit verfügbarer Angebote derzeit bei 1,34 Prozent. Sie sind seit Ausbruch des Iran-Kriegs um 0,04 Prozentpunkte gestiegen. Vor einem Jahr standen sie bei 1,27 Prozent. Ebenfalls nahezu unverändert, aber auf einem deutlich niedrigeren Niveau verharren die Tagesgeldzinsen bei den örtlichen Sparkassen im Schnitt bei 0,38 Prozent und bei den regionalen Genossenschaftsbanken bei 0,44 Prozent.

Dafür nimmt die Zins-Rally bei den Aktionsangeboten mit befristeten Neukundenkonditionen immer mehr Fahrt auf: Am 20. Mai ist Chase, die Digitalbank der amerikanischen Großbank J.P. Morgan, mit einem Tagesgeldzins von temporär 4 Prozent in Deutschland gestartet. Das war zu diesem Zeitpunkt mit Abstand der höchste Zins im Markt. Aber schon einen Tag später zog die Norisbank nach. Die Direktbank im Deutsche-Bank-Konzern bietet Neukunden unter bestimmten Bedingungen seitdem ebenfalls 4 Prozent.

Tagesgeldkonten im Vergleich

Ratenkredite

Mit den noch immer einigermaßen hohen Zinsen für Sparer bleiben auch Verbraucherkredite nicht günstig. Denn wenn die Festgeldzinsen auf relativ hohem Niveau verbleiben, werden von jeher auch die Ratenkredite nicht wesentlich günstiger. Unerfreulich aus Sicht der Verbraucher, denn die Banken nutzen die Festgeld- und Tagesgeldanlagen zur Refinanzierung von Konsumentenkrediten. Derzeit liegen die Zinsen für ein solches Darlehen mit 60 Monaten Laufzeit laut FMH im Schnitt bei 7,09 Prozent.

Ein Vergleich der Konditionen lohnt sich aber. Denn die Spanne der Angebote liegt aktuell zwischen 5,10 und 9,39 Prozent.

Ratenkredite im Vergleich

Bauzinsen

Laut FMH liegt der Durchschnittszinssatz für ein Zehn-Jahres-Darlehen bei derzeit 4,01 Prozent. Je nach Anbieter schwanken diese zwischen 3,61 und 5,35 Prozent pro Jahr.

Dabei beeinflusst die EZB-Entscheidung die Bauzinsen nur indirekt. Wichtigster Indikator sind die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen. Denn sie bestimmen maßgeblich die Renditen für Pfandbriefe, die wiederum von Banken für die Refinanzierung von Immobilienkrediten genutzt werden.

Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung sieht bei Immobilienkrediten einen weiteren Anstieg der Zinsen, nicht wegen der EZB, sondern weil die politische Darstellung der Bundesregierung kein Vertrauen beim Anleger schafft. Demnach benötigt die Bundesrepublik immer mehr Anlegergeld für die Staatsfinanzierung, das Vertrauen der Anleger nimmt aber stetig ab, dass der deutsche Staat seine Darlehen wie in der Vergangenheit garantiert bedienen kann. Dies führt zu steigenden Renditen der Bundesanleihe und am Ende auch zu steigenden Bauzinsen. Herbst geht davon aus, dass wir dieses Jahr noch die 4,5 Prozent sehen werden. 

Wer vor der Entscheidung für eine längere oder kürzere Zinsbindung steht, sollte sich überlegen, welche Zinsentwicklung er erwartet. Geht man davon aus, dass die Zinsen in fünf Jahren deutlich niedriger sein werden als heute, empfiehlt sich eine kurze Laufzeit. Geht man hingegen davon aus, dass sich die Zinsen eher nach oben bewegen, wäre eine langfristige Absicherung von 20 Jahren sinnvoll. Sicherheit kostet Geld, schafft aber langfristige Gewissheit über die eigene Belastung.

Baugeldzinsen im Vergleich

Dispozinsen beim Girokonto

Wer gerade etwas klamm ist, überzieht nicht selten sein Konto und nutzt den Dispokredit, um den Engpass zu überwinden. Was meist keine gute Idee ist, vor allem aber in Zeiten hoher Zinsen nicht. Abgesehen davon bleiben auch die Dispozinsen trotz der langen Zinspause hoch, da sich die Geldinstitute am EZB-Leitzins orientieren. So liegt der Durchschnittszins eines Dispokredits derzeit laut FMH bei 10,79 Prozent. Der Zins für die Überziehung des Disporahmens beträgt demnach 12,03 Prozent.

Girokonto-Vergleich

Abgesehen davon sollte Schuldnern klar sein, dass der Dispokredit zum Girokonto meist der teuerste Kredit der Bank ist. Sie sollten ihn nur ausnahmsweise und für kurze Zeit in Anspruch nehmen.

Quelle: ntv.de

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