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Startseite»Politik»Fußball-WM in Kanada: Der Traum von einer Revanche gegen Trump
Politik

Fußball-WM in Kanada: Der Traum von einer Revanche gegen Trump

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 12, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 12.06.2026 • 13:39 Uhr

Kanadas Fans können es kaum erwarten: die erste Fußball-WM der Männer auf kanadischem Boden. Egal, wie ihr Team abschneidet, das Turnier dürfte die Kanadier noch weiter zusammenschweißen – nicht nur sportlich.

Marion Schmickler

Die Nachwuchsspielerinnen der Vancouver Whitecaps geben alles in ihrem Spiel – und müssen sich doch mit 0:2 geschlagen geben. Die jungen Frauen hoffen, dass Team Kanada besser abschneidet und zumindest einen Sieg holen kann.

„Ich bin damit aufgewachsen, die WM im Fernsehen zu gucken, das war immer ein großes Ding“, sagt die Spielerin Racquel Partovi und schwärmt: „Dass wir jetzt die Chance haben, die Spiele live zu erleben, ist Wahnsinn.“ Heute findet in Toronto das erste WM-Spiel des kanadischen Teams gegen Bosnien und Herzegowina statt.

Racquel Partovi, rechts im Bild, freut sich über die Chance, ein WM-Spiel live sehen zu können.

Tickets für viele unbezahlbar

Doch in Vancouver werden die meisten die Spiele wohl nicht im Stadion sehen – in der ohnehin teuren Stadt können sich viele die Preise nicht leisten. Dabei ist auf den letzten Metern nochmal Bewegung in den Ticketmarkt gekommen. Wohl auch, weil keines der 13 Spiele, die in Toronto und Vancouver stattfinden, bisher ausverkauft ist.

Stadionsprecher Wayne Ziants ärgert sich über die Politik der FIFA. Die hohen Preise, die strengen Regeln hätten ihm die Lust darauf, ins Stadion zu gehen, vermiest. „Die Tickets sind so teuer, dass viele schlicht ausgeschlossen werden“, sagt der sonst so begeisterte Fußballfan. „Es kommt einem fast so vor, als wollte die FIFA die Leute ärgern. Sie hatten die große Chance, Fußball zu einem Freudenfest zu machen, und nutzen jede Gelegenheit, sich zum Feind zu machen.“

Blick ins Stadion in Vancouver. Bislang ist keines der Spiele ausverkauft.

In Kanada zu Fuß ins Stadion – in New York unmöglich

Im BC Place genannten Stadion in der Innenstadt laufen derweil die letzten Vorbereitungen für das erste Spiel am Samstag, Ortszeit. Dann tritt hier Australien gegen die Türkei an. In den Umkleidekabinen mit den knallroten Schließfächern sind die Trikots schon drapiert. In der Lounge stapeln sich goldene Champagner-Kühler. Auf dem Spielfeld wird der eigens ausgelegte Rasen akkurat zuerst gemäht und dann gewässert, alles nach den strengen Regeln der FIFA.

Anders als in New York etwa liegt das Stadion mitten in der Stadt. „Das hat riesige Vorteile für die Fans“, erklärt Don Hardman, FIFA-Manager für die kanadischen Stadien. „Hier kommen die Fans mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, alles ist sehr fußgängerfreundlich.“ Auch die meisten Hotels liegen ganz in der Nähe.

Spannungen mit den USA

Hoch oben auf dem Grouse Mountain, dem Hausberg von Vancouver, glänzt eine riesige Kanada-Flagge mit dem roten Ahornblatt in der Sonne. Sie ist so groß wie zwei Fußballfelder: Sogar von der anderen Seite der Grenze, in den nahegelegenen USA, haben sich schon Leute gemeldet, die sie aus der Ferne sehen konnten. Ein Zeichen von Nationalstolz – und vielleicht auch etwas Provokation gegenüber dem Nachbarn im Süden.

Die FIFA wirbt gerne damit, dass Fußball die Welt vereint. Doch für viele Kanadier klingt das wie ein Hohn, seitdem US-Präsident Donald Trump regelmäßig damit droht, das zweitgrößte Land der Erde zum 51. US-Bundesstaat zu machen.

Sofia Devora mit ihrer Familie am Strand: Auch wenn die Grenze zu den USA nicht weit entfernt ist, würde sie sich dort kein Spiel anschauen.

„Würde nie zu einem Spiel in die USA fahren“

„Ich würde nie zu einem Spiel rüber in die USA fahren“, sagt Aranza Lopez, obwohl die Kanadierin mit mexikanischen Wurzeln überaus fußballbegeistert ist. Mit anderen Fußballfans hat sie sich am Strand getroffen.“Ich bin lieber da, wo ich mich willkommen fühle.“ In Kanada und in Mexiko fühle sie sich willkommen. „All die Sachen, die Trump sagt – ganz ehrlich, da ist es besser, hier zu bleiben“, meint auch die junge Sofia Devora.

Und so dürften die großen Hoffnungen, die viele auf ein grenzübergreifendes Fanfest gesetzt haben, wohl kaum in Erfüllung gehen. Der nordwestlichste US-amerikanische Austragungsort, Seattle, ist zwar nur drei Autostunden von Vancouver entfernt, doch die meisten würden die USA wohl meiden, sagt auch Jarrett Vaughan voraus.

Auch Wirtschaftsexperte Vaughan sagt, nur noch wenige Kanadier hätten Interesse daran, die USA zu besuchen.

„Die Zahl von kanadischen Touristen, die in den US-Bundesstaat Washington fahren, ist dramatisch gesunken“, erklärt der Wirtschaftsexperte von der British-Columbia-Universität. „Früher hat es oft Stunden gedauert, bis man über die Grenze war, jetzt nur noch ein paar Minuten. Es gibt einfach kein Interesse der Kanadier mehr, in die USA zu fahren.“

In Kanada schwankt die Stimmung auf den letzten Metern vor der WM zwischen Euphorie, Ernüchterung und Ärger. Und so träumen manche von einer sportlichen Revanche gegen Trump.

„Ideal wäre, wenn wir gegen die USA in der K.o.-Phase spielen könnten, und sie dann rauswerfen“, sagt Bob Lenarduzzi, ehemaliger Nationalspieler und Trainer von den Vancouver Whitecaps: „‚Da habt Ihr’s‘, könnten wir dann sagen.“ Aber unabhängig davon, wie das kanadische Team abschneidet, die WM dürfte das Land noch weiter zusammenschweißen.

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