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Früher war es auch heiß

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 24, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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→Welche Falschinformationen gibt es zum Klimawandel? Antworten finden Sie im Leitfaden Klima-Desinformation.

Aktuell wird in Kommentaren, Sharepics und Diskussionen über neue Temperaturrekorde wieder häufig behauptet: „Früher war es auch heiß.“ Das stimmt als Erinnerung an einzelne Sommer, führt aber am eigentlichen Klimasignal vorbei. Die Daten zeigen nicht, dass es früher keine heißen Tage gab. Sie zeigen, dass Hitzetage heute deutlich häufiger auftreten. Genau dieser Unterschied macht den Satz als Gegenargument irreführend.

Einzelne heiße Tage sind Wetter

Ein heißer Tag ist in der Klimatologie ein Tag, an dem die Tageshöchsttemperatur mindestens 30 Grad Celsius erreicht. Solche Tage gab es auch früher. Niemand Seriöses behauptet, frühere Sommer seien kühl oder frei von Hitze gewesen.

Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Wetter beschreibt einzelne Tage, Wochen oder Ereignisse. Klima beschreibt Muster über längere Zeiträume. Wenn sich Hitzetage über Jahrzehnte häufen, ist das kein bloßes Sommererlebnis mehr, sondern ein messbares Klimasignal.

Genau daran scheitert der Satz „Früher war es auch heiß“. Er nimmt eine wahre Beobachtung und zieht daraus eine falsche Schlussfolgerung. Aus „Hitze gab es früher auch“ folgt nicht: „Heute ist nichts Besonderes.“

Deutschland: Die heißen Tage werden deutlich mehr

Für Deutschland wurde der jährliche Gebietsmittelwert des Deutschen Wetterdienstes ausgewertet. Das bedeutet: Es geht nicht um eine einzelne Stadt und nicht um eine einzelne Wetterstation, sondern um einen Wert für Deutschland insgesamt. Die Jahreswerte wurden zu 10-Jahres-Summen zusammengefasst.

Balkengrafik zu Hitzetagen in Deutschland. Die Zahl heißer Tage stieg im 10-Jahres-Vergleich von 31 Tagen im Zeitraum 1953 bis 1962 auf 122 Tage im Zeitraum 2016 bis 2025. Hinweis: Die Werte zeigen den Durchschnitt für ganz Deutschland, nicht einzelne Städte.
Hinweis: Die Grafik zeigt den Durchschnitt für ganz Deutschland, nicht einzelne Städte. Auch kühlere Regionen werden mitgerechnet. Vor Ort können es deutlich mehr Hitzetage sein.
Zeitraum Summe heißer Tage, Deutschland-Gebietsmittel
1953 bis 1962 31
1963 bis 1972 45
1973 bis 1982 41
1983 bis 1992 48
1993 bis 2002 68
2003 bis 2012 85
2013 bis 2022 121
2016 bis 2025 122

Diese Zahlen zeigen nicht, dass es früher keine heißen Tage gab. Sie zeigen etwas anderes: Die Häufigkeit hat sich stark verändert.

Zwischen 1953 und 1962 kamen im Deutschland-Gebietsmittel rund 31 heiße Tage zusammen. Im Zeitraum 2016 bis 2025 waren es rund 122. Das ist fast das Vierfache.

Der Satz „Früher war es auch heiß“ lässt diesen Unterschied verschwinden. Genau deshalb ist er als Einwand so irreführend. Er verwechselt das Vorkommen einzelner heißer Tage mit der Häufung solcher Tage über viele Jahre.

Österreich als Fläche: Warum der Vergleich schwieriger ist

Für Österreich wurde zusätzlich ein flächenhaftes Gebietsmittel berechnet. Grundlage dafür waren Daten von GeoSphere Austria aus dem SPARTACUS-Datensatz. Für 1961 bis 2022 wurde der fertige Klimaindex „HD“, also Hitzetage, verwendet. Für 2023 bis 2025 wurden tägliche TX-Daten ausgewertet. TX steht für Tagesmaximumtemperatur.

Auch hier gilt: Ein Hitzetag ist ein Tag mit mindestens 30 Grad Celsius Tagesmaximum.

Balkengrafik zu Hitzetagen in Österreich. Die Zahl der Hitzetage stieg im 10-Jahres-Vergleich von 25 Tagen im Zeitraum 1963 bis 1972 auf 95 Tage im Zeitraum 2016 bis 2025. Hinweis: Die Werte zeigen den Durchschnitt für ganz Österreich, auch kühlere Alpenregionen werden mitgerechnet.
Hinweis: Die Grafik zeigt den Durchschnitt für ganz Österreich, nicht einzelne Städte. Auch kühlere Berg- und Alpenregionen werden mitgerechnet. In Städten und Tieflagen können es deutlich mehr Hitzetage sein.
Zeitraum Summe Hitzetage, Österreich-Flächenmittel
1963 bis 1972 25
1973 bis 1982 16
1983 bis 1992 36
1993 bis 2002 49
2003 bis 2012 69
2013 bis 2022 93
2016 bis 2025 95

Auf den ersten Blick überrascht das: Österreich liegt im Flächenmittel niedriger als Deutschland. Das heißt aber nicht, dass Wien, Graz, Eisenstadt oder andere Tieflagen weniger stark von Hitze betroffen wären.

Der Grund liegt in der Methode. Österreich besteht zu einem großen Teil aus Alpenraum. Wenn ganz Österreich als Fläche gerechnet wird, zählen auch viele höher gelegene Rasterzellen mit, in denen 30 Grad selten oder gar nicht erreicht werden. Diese Flächen drücken den landesweiten Mittelwert.

Das zeigt, wie wichtig saubere Vergleiche sind. Deutschland als Gesamtfläche darf man nicht einfach mit Wien, Graz oder warmen österreichischen Tieflagen vergleichen. Das wäre methodisch schief.

Berlin und Wien: Der verständlichere Hauptstadtvergleich

Wenn es darum geht, wie Menschen Hitze in Städten erleben, ist ein Hauptstadtvergleich greifbarer. Dafür wurden zwei langjährige Wetterstationen verglichen:

Berlin-Tempelhof, Deutscher Wetterdienst
Wien Hohe Warte, Stadt Wien / GeoSphere Austria

Balkengrafik zu Hitzetagen an der Wetterstation Berlin-Tempelhof. Die Zahl heißer Tage stieg im 10-Jahres-Vergleich von 74 Tagen im Zeitraum 1963 bis 1972 auf 175 Tage im Zeitraum 2016 bis 2025. Die Werte zeigen eine einzelne Wetterstation, nicht jeden Stadtteil.
Hinweis: Die Grafik zeigt Werte einer Wetterstation in Berlin. Andere Stadtteile können abweichen, der langfristige Trend ist aber klar.
Balkengrafik zu Hitzetagen an der Wetterstation Wien Hohe Warte. Die Zahl heißer Tage stieg im 10-Jahres-Vergleich von 106 Tagen im Zeitraum 1963 bis 1972 auf 313 Tage im Zeitraum 2016 bis 2025. Die Werte zeigen eine einzelne Wetterstation, nicht jeden Stadtteil.
Hinweis: Die Grafik zeigt Werte einer Wetterstation in Wien. Andere Stadtteile können abweichen, der langfristige Trend ist aber klar.

Auch hier wurden Hitzetage gezählt, also Tage mit einem Tagesmaximum von mindestens 30 Grad Celsius. Die Werte wurden wieder zu 10-Jahres-Summen zusammengefasst.

Zeitraum Berlin-Tempelhof Wien Hohe Warte
1963 bis 1972 74 106
1973 bis 1982 70 59
1983 bis 1992 72 137
1993 bis 2002 100 161
2003 bis 2012 116 191
2013 bis 2022 180 290
2016 bis 2025 175 313

Dieser Vergleich zeigt klar: In beiden Städten haben sich Hitzetage über die Jahrzehnte stark gehäuft. Wien Hohe Warte liegt im aktuellen 10-Jahres-Zeitraum deutlich über Berlin-Tempelhof.

Aber auch hier ist Genauigkeit wichtig. Das ist ein Stationsvergleich, kein vollständiger Vergleich aller Stadtteile. Städtebau, Versiegelung, Grünflächen, Höhenlage, Luftzirkulation und die Lage der Messstation beeinflussen die Werte.

Trotzdem ist der Vergleich aussagekräftig, wenn er korrekt benannt wird: Es geht um Hitzetage an zwei langjährigen Hauptstadt-Wetterstationen.

Warum einzelne Jahrzehnte schwanken

Die Daten steigen nicht in jedem Jahrzehnt brav wie eine Treppe nach oben. Das sieht man besonders gut bei Wien.

Zwischen 1963 und 1972 kamen an der Hohen Warte 106 Hitzetage zusammen. Im folgenden Zeitraum 1973 bis 1982 waren es nur 59. Danach stieg die Summe von 1983 bis 1992 wieder auf 137.

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Das ist kein Widerspruch zum Klimatrend. Es zeigt nur, dass Klima nicht bedeutet, dass jedes einzelne Jahrzehnt automatisch heißer sein muss als das vorherige. Einzelne Jahre und Jahrzehnte können schwanken. Es gibt kühlere Phasen, besonders heiße Einzeljahre und regionale Besonderheiten.

Entscheidend ist die Entwicklung über längere Zeiträume. Und die ist deutlich: Seit den 1990er-Jahren steigen die Summen der Hitzetage stark an. In Berlin, in Wien und auch im Deutschland-Gebietsmittel.

Was die Daten wirklich widerlegen

Die Daten widerlegen nicht den Satz: „Früher gab es auch heiße Tage.“ Natürlich gab es sie. Die Daten widerlegen die Schlussfolgerung, die oft daraus gemacht wird: „Also ist heute nichts Besonderes.“ Das stimmt nicht.

Der Unterschied liegt in der Häufigkeit. Was früher einzelne Sommer prägte, tritt heute deutlich öfter auf. Was früher Ausnahme war, rückt näher an die Normalität. Genau das ist der Kern der Klimaveränderung bei Hitzetagen.

Der bessere Satz lautet deshalb: Früher war es auch heiß. Aber heute ist es viel öfter heiß.

FAQ zum Thema Hitzetage und Klimawandel

Was ist ein Hitzetag?

Ein Hitzetag ist ein Tag, an dem die Tageshöchsttemperatur mindestens 30 Grad Celsius erreicht. Einzelne Hitzetage sind Wetterereignisse. Häufen sie sich über Jahrzehnte, wird daraus ein Klimasignal.

Beweist ein heißer Sommer den Klimawandel?

Ein einzelner heißer Sommer beweist für sich allein keinen Klimawandel. Entscheidend sind langfristige Messreihen. Wenn Hitzetage über Jahrzehnte deutlich zunehmen, zeigt das eine klimatische Veränderung.

Warum ist „früher war es auch heiß“ irreführend?

Weil der Satz eine echte Erinnerung mit einer falschen Schlussfolgerung verbindet. Ja, es gab früher Hitze. Aber die Daten zeigen, dass Hitzetage heute deutlich häufiger auftreten.

Warum liegt Österreich im Flächenmittel niedriger als Wien?

Weil das österreichische Flächenmittel auch viele Alpenregionen umfasst. Dort werden 30 Grad seltener erreicht. Stadtstationen wie Wien Hohe Warte zeigen deshalb andere Werte als ein landesweites Flächenmittel.

Sind Berlin und Wien direkt vergleichbar?

Nur eingeschränkt. Berlin-Tempelhof und Wien Hohe Warte sind einzelne Wetterstationen. Der Vergleich zeigt eine Entwicklung an diesen Stationen, ersetzt aber keinen vollständigen Stadtvergleich aller Stadtteile.

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Berlin: tageswerte_KL_00433_19480101_20251231_hist.zip

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Verwendete Dateien

Deutschland, ursprüngliche Excel-Datei: de-en_indikator_klim-03_heisse-tage_2025-11-24_1.xlsx

24. November 2025

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Verwendete Dateien

Österreich-Flächenmittel: HD_1961-2022.nc; SPARTACUS2-DAILY_TX_2023.nc; SPARTACUS2-DAILY_TX_2024.nc; SPARTACUS2-DAILY_TX_2025.nc

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Verwendete Dateien

Wien: Jährliche_Hitzetage_in_Wien.csv

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Tom Wannenmacher bei Mimikama, engagiert in der Aufklärung.

Tom Wannenmacher

Tom Wannenmacher ist Gründer und Chefredakteur von Mimikama, Österreichs führender Faktencheck-Organisation. Seit 2011 kämpft er gegen Desinformation und Internetbetrug.

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
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