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Politik

Nach dem Erdbeben: Die unermüdlichen Helfer von Venezuela

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 28, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Reportage

Stand: 28.06.2026 • 12:35 Uhr

Nach dem schweren Erdbeben wächst eine Welle der Hilfsbereitschaft, während viele die Abwesenheit der Regierung beklagen. Freiwillige verteilen Lebensmittel, versorgen Verletzte und suchen nach Überlebenden.

Von Anne Demmer, zzt. in Caracas

Freiwillige Helfer wie Eyker und Carlos Quintero kämpfen unermüdlich in den Trümmern eines eingestürzten, elfstöckigen Wohnhauses um Menschenleben. „Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Gerade gab es ein weiteres Nachbeben der Stärke 5,4“, erzählt Carlos erschöpft.

Seit Mittwoch hat er kaum geschlafen. „Aber wir machen weiter. Hier warten Eltern, die ihre Kinder vermissen. Eine Mutter kam zu mir, als sie erfahren hat, dass ihr Kind es nicht überlebt hat. Ein unfassbarer Verlust.“

Eyker stammt aus Maracay, eineinhalb Autostunden von der Hauptstadt Caracas entfernt. Er hat sich wie der 25-jährige Carlos sofort freiwillig gemeldet. Beide tragen Arbeiterhosen und Helme. Ein kleiner Hoffnungsschimmer treibt sie an: Gemeinsam konnten sie bereits ein Mädchen lebend retten.

Mindestens 15 weitere Menschen werden unter dem riesigen Trümmerhaufen noch vermisst. Während ein Schaufelbagger tonnenweise Geröll beiseiteschafft, warten Dutzende Rettungskräfte auf ihren Einsatz.

So wie in der Hauptstadt Caracas sind in Venezuela gerade viele freiwillige Helfer im Einsatz.

Angst vor einer „viel schlimmeren Tragödie“

Nur einige wenige der Helfer tasten sich auf dem Trümmerberg selbst voran. Dann wird es plötzlich ganz still – es gebe die Hoffnung auf ein Lebenszeichen, gibt der Einsatzleiter zu verstehen. Niemand spricht mehr, der Bagger und der Presslufthammer verstummen, damit mögliche Hilferufe nicht überhört werden.

Wilfredo Aguirre wartet hinter dem Absperrband. Er wohnt in der Nachbarschaft. „Es sind schon mehr als 72 Stunden vergangen. Sie haben hier fünf Leichen herausgeholt“, sagt er. Sein Haus habe auch Risse. „Wenn es jetzt nochmal ein starkes Beben geben würde, dann könnte es noch eine weitere, viel schlimmere Tragödie geben.“ Er sieht besorgt aus.

50.000 werden vermisst

Die vorläufige Zahl der Todesopfer ist bereits auf mehr als 1.400 gestiegen. Mehr als 3.200 Menschen seien verletzt worden, teilte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mit. Noch immer werden Tausende Menschen unter den Trümmern vermutet. Die UN schätzen die Zahl der Vermissten auf rund 50.000.

Auch in dem kleinen Ort Morón, 60 Kilometer weiter, ist die Verzweiflung groß. Seit Tagen gibt es keinen Strom, kein Netz, kein sauberes Trinkwasser. Mirely Mora lebt mit ihren drei Kindern in einem einfachen Haus aus Lehmziegeln. Auch ihr Haus wurde beschädigt. Die Mauer wackelt. Sie drückt demonstrativ dagegen.

Im kleinen Nachbarhaus sind zwei Mädchen aus ihrer Verwandtschaft gestorben. Sie kann es immer noch nicht fassen.

Um einen weißen Transporter vor ihrem Haus hat sich eine Menschenmenge gebildet. Zwei Männer reichen Kartons mit Lebensmitteln, dem venezolanischen Brot Arepas, Wasser und Windeln heraus.

Die Bewohner des Ortes reden aufgeregt durcheinander. Einige sind wütend, weil die Regierung sich nicht blicken lasse.

Private Spenden werden verteilt

Die Krankenschwester Judecy Gil hat sich mit Kollegen zusammengetan und engagiert sich freiwillig: „Wir sind Krankenschwestern, Ärzte und Lastwagenfahrer. Alle sind aus der Gemeinde und wir versuchen hier neben Hilfsgütern, die wir gesammelt haben, auch medizinische Versorgung für die Betroffenen zu leisten.“

Einen Block weiter steht Robaldo Riber mit seinem Pickup. Er leitet einen lokalen Sportklub. Auch sein Wagen ist voll mit privaten Spenden. Die Solidarität sei groß, sagt er. Es gebe viele internationale Kräfte und vor allem viele Leute aus den Nachbarstädten.

Die Regierung hingegen sei nicht präsent. Aber die Leute glaubten ohnehin an nichts mehr, sagt Riber.

Währenddessen suchen die Rettungskräfte in Maracay in den Trümmern weiter. Auch nach mehr als 72 Stunden geben die Angehörigen die Hoffnung nicht auf, ihre Liebsten lebend zu finden.

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Dr. Heinrich Krämer
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