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Startseite»Nachrichten»Solaranlagen nachts betreiben: Startup will mit 50.000 Spiegeln Sonnenlicht zur Erde lenken
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Solaranlagen nachts betreiben: Startup will mit 50.000 Spiegeln Sonnenlicht zur Erde lenken

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 3, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Solaranlagen nachts betreibenStartup will mit 50.000 Spiegeln Sonnenlicht zur Erde lenken

03.07.2026, 19:47 Uhr Von Kai Stoppel
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Das größte Manko von Solaranlagen: Nachts liefern sie keine Energie. Das Unternehmen Reflect Orbital will das ändern. (Foto: IMAGO/Pond5 Images)

Ein amerikanisches Startup will mit einer Flotte von Satelliten nachts Sonnenlicht auf die Erde lenken. Das soll die Effizienz von Photovoltaik-Anlagen steigern. Doch Kritiker warnen vor drastischen Folgen für den Nachthimmel.

Die Idee von Spiegeln im Weltraum, die die Erde beleuchten, kursiert schon seit rund 100 Jahren: Erstmals bekannt machte sie in den 1920er Jahren Hermann Oberth, der als Vordenker der modernen Raumfahrt gilt. Das US-Startup Reflect Orbital will Weltraumspiegel nun Realität werden lassen: In den kommenden Jahren will es zigtausend Spiegel ins All bringen, die Sonnenlicht nachts auf ausgewählte Gebiete der Erde lenken sollen.

Der Grund dafür ist Energie. Um genauer zu sein, Solarenergie. Deren größtes Manko: nachts scheint die Sonne nicht, und die teuren Anlagen stehen nutzlos herum. Reflect Orbital will das ändern. Mit einer gigantischen Flotte von um die Erde schwirrenden Spiegeln will es auch bei Nacht Solarparks mit Sonnenlicht bescheinen, um deren Ausbeute deutlich zu erhöhen.

Bis zu 50.000 dieser Spiegel mit einem Durchmesser von jeweils 54 Metern sollen nach den Plänen bereits in zehn Jahren um die Erde kreisen. Die Helligkeit soll in der Endausbaustufe wie bei einem bedeckten Tag sein. Bestehende Solaranlagen weltweit sollen dadurch bis zu 20 Prozent mehr Strom liefern können.

Bis zu 20 Prozent mehr Energie

Laut dem Unternehmen soll das System in der Lage sein, tatsächlich nur ganz bestimmte Gebiete zu beleuchten, auf denen große Solarparks stehen. Ein Spiegel leuchtet ein Gebiet mit einem Radius von mindestens fünf Kilometern aus. Auf Wunsch soll das Licht an- und ausgeschaltet werden können, indem die Satelliten rotieren.

Bereits bestehende Solaranlagen weltweit sollen durch die zusätzliche Beleuchtung bis zu 20 Prozent mehr Strom liefern können, so das Unternehmen. Und neben dem nächtlichen Betrieb von Solarparks soll das Sonnenlicht auch für andere Zwecke genutzt werden können: in der Landwirtschaft, im Tagebau, für Rettungseinsätze in Katastrophengebieten oder als Ersatz für die nächtliche Straßenbeleuchtung in Städten.

Noch in diesem Jahr sollen die ersten Test-Spiegel mit einer Größe von 18 mal 18 Meter starten. In mehreren Schritten will das Unternehmen seine Satelliten-Flotte ausbauen: Im Jahr 2030 sollen es 5000 sein, für das Jahr 2035 werden sogar 50.000 angepeilt.

Doch wie realistisch ist das Vorhaben? Unabhängige Experten haben nachgerechnet: Laut einer Analyse der Astronomen Michael Brown und Matthew Kenworthy würden sogar die ambitioniertesten Ausbauziele – der Gründer von Reflect Orbital sprach in einem Interview von bis zu 250.000 Spiegel-Satelliten im Orbit – lediglich eine Beleuchtungsstärke von 20 Prozent der Mittagssonne an 80 verschiedenen Orten der Welt ermöglichen. Aufgrund von Bewölkung dürfte die Ausbeute noch niedriger ausfallen. „Sind Spiegel-Satelliten also ein praktikables Mittel, um nachts erschwinglichen Solarstrom zu erzeugen? Wahrscheinlich nicht“, so das Urteil der Autoren.

Astronomen warnen vor Lichtverschmutzung

Kritiker warnen zudem vor enormer Lichtverschmutzung durch die geplante Spiegel-Flotte. Laut einer aktuellen Studie der Europäischen Südsternwarte (ESO) wären diese Objekte die hellsten, die sich je in einer Erdumlaufbahn befunden haben – mit gravierenden Folgen für den Schutz des dunklen Nachthimmels. Die vollständige Konstellation würde demnach den Nachthimmel mit Hunderten extrem hellen, sichtbaren Satelliten füllen.

„Direkt aus dem Inneren eines solchen Lichtkegels betrachtet, würde der Sonnenlicht reflektierende Satellit viermal heller erscheinen als der Vollmond“, heißt es in einer Mitteilung der ESO. Jeder einzelne Satellit wäre so hell wie der Planet Venus. „Aus einer von Lichtverschmutzung betroffenen Stadt wie München wären diese Hunderte von Satelliten die einzigen ‚Sterne‘, die am Nachthimmel überhaupt noch zu sehen wären“, heißt es in der ESO-Mitteilung.

Aber Reflect Orbital will trotz aller Unkenrufe Ernst machen: Die Genehmigung für Satellitenstarts wurde bei der zuständigen US-Behörde FCC bereits beantragt. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen bereits fast 30 Millionen Dollar an Investorengeldern eingesammelt. Vielleicht könnte Oberths Vision von Weltraumspiegeln nach 100 Jahren doch noch Realität werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass er recht behält.

Quelle: ntv.de

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