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Startseite»Nachrichten»Sicherere Präparation für Museen: Superwürmer fressen ganze Skelette blank
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Sicherere Präparation für Museen: Superwürmer fressen ganze Skelette blank

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 5, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Sicherere Präparation für MuseenSuperwürmer fressen ganze Skelette blank

Die Larven des Großen Schwarzkäfers sind bis zu sechs Zentimeter lang. Da sie besonders proteinreich sind, werden sie häufig als Speiseinsekten genutzt. (Foto: picture alliance / Visually)

Für Wissenschaftler ist die Gewinnung makelloser Tierknochen eine heikle Aufgabe. Ein Forschungsteam setzt nun auf gefräßige Larven, die das Gewebe von Kadavern abnagen. Diese neue Methode ist nicht nur schneller, sondern birgt auch weniger Risiken als etablierte Verfahren.

Für die Forschung und Ausstellungen in Museen sind Tierskelette von herausragender Bedeutung. Die Knochen müssen sauber – also von allen organischen Weichteilen wie Knorpel, Fleisch oder Sehnen befreit – und unbeschädigt sein. Herkömmliche Methoden zur Reinigung bergen jedoch Tücken. Ein Team der Universität im iranischen Mesched und des Naturkundemuseums Stuttgart hat nun „Superwürmer“ als schnellere, umweltfreundlichere, risikoärmere und günstige Alternative erprobt.

Dabei handelt es sich um Mehlwurm-artige Larven des Großen Schwarzkäfers (Zophobas morio), wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „PLOS One“ erläutern. Die bis zu sechs Zentimeter langen Tiere fressen den Angaben nach innerhalb weniger Stunden oder Tage Skelette blitzeblank – je nachdem, ob man ihnen eine kleine Hausmaus oder einen großen Wolf zum Fraß vorwirft. Um den Larven die Arbeit zu erleichtern, wurden die zu skelettierenden Tiere zuvor enthäutet, von inneren Organen befreit und 20 bis 45 Minuten lang in 80 Grad heißem Wasser aufgeweicht.

Nachteile von Chemikalien und Speckkäfern

Der konventionelle Einsatz von Enzymen oder Chemikalien dauert den Angaben nach oft lange und ist mit Gefahren etwa durch Giftstoffe verbunden. Zudem könnten besonders fragile Knochen wie Schädel kleiner Vögel beschädigt werden. Eine schonendere und beliebte Methode zur Reinigung der Skelette seien Speckkäfer. Doch hier bestehe eine andere Gefahr: Selbst wenige entflohene Tiere könnten wissenschaftliche Sammlungen und Ausstellungen gefährden, unbemerkt Eier ablegen und die dort aufbewahrten Präparate zerstören.

Verglichen damit sehen die Forschenden bei den Schwarzkäfer-Larven deutliche Vorteile: Stärkere Mundwerkzeuge und ein längeres Larvenstadium machten sie schneller und effizienter beim Entfleischen von Knochen. Würden die Tiere in großen Gruppen gehalten, werde ferner deren Verpuppung gehemmt, so dass kaum erwachsene Käfer entstehen. Und selbst wenn: Adulte Schwarzkäfer sind weniger mobil als Speckkäfer – und fressen außerdem nur selten Haut, Fell oder Federn.

Vegetarische Kost nach jeder Skelett-Reinigung

Die Larven verringerten das Risiko, dass wertvolle Museumsexemplare beschädigt werden, erheblich und machten den Präparationsprozess effizienter, erklärte Biologin Niloofar Alaei Kakhki vom Naturkundemuseum Stuttgart. „Diese Kombination aus Schnelligkeit, Nachhaltigkeit und Sicherheit macht die „Superwürmer“ zu einem vielversprechenden Hilfsmittel für die Erhaltung naturhistorischer Sammlungen.“

Der Große Schwarzkäfer kommt in Mittel- und Südamerika vor. Seine Larven seien aufgrund ihres hohen Proteingehalts auch hierzulande beliebte Futtertiere etwa für Reptilien, also gut im Handel verfügbar. Sie ließen sich zudem leicht halten.

Mit Blick auf die Gesundheit der Larven empfiehlt das Autoren-Team übrigens, den Tieren nach jeder Skelett-Reinigung pflanzliche Nahrung wie Obst- oder Gemüseschalen zu kredenzen. In erster Linie seien die Larven Pflanzenfresser, könnten aber auch tierisches Gewebe verdauen. „Unsere Beobachtungen deuten jedoch darauf hin, dass eine längere Fütterung mit Fleisch ihren Häutungsprozess stören oder die Sterblichkeitsrate erhöhen könnte.“

Quelle: ntv.de, hny/dpa

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