Ein paar Klicks, und zehn Millionen Robux sollen gratis auf dem Spielkonto landen. So lautete das Versprechen einer Website, die die österreichische Watchlist Internet im August 2025 untersuchte. Robux sind die virtuelle Währung des Onlinespiels Roblox, mit der sich unter anderem zusätzliche Spielinhalte kaufen lassen. Wer die angebliche Belohnung haben wollte, musste zunächst Angaben zum Spielkonto machen und sich durch mehrere Schritte einer vermeintlichen Überprüfung klicken. Am Ende warteten kostenpflichtige SMS-Angebote, dubiose Gewinnspiele und Abfragen persönlicher Daten. Mit einem Geschenk hatte das wenig zu tun.
Solche Angebote wirken auf Kinder besonders verlockend, weil der versprochene Gegenstand für sie einen echten Wert im Spiel besitzt. Für die Betrüger kann schon die Eingabe persönlicher Daten ein Erfolg sein. Eine neue Untersuchung aus den Philippinen zeigt nun, dass Betrug an Kindern keineswegs nur eine theoretische Gefahr ist. Wie groß das Problem hierzulande ist, lässt sich daraus allerdings nicht ablesen.
Was die neue Studie über betroffene Kinder aussagt
Die Global Anti-Scam Alliance (GASA) hat gemeinsam mit Mastercard und Gogolook einen Bericht über Internetbetrug auf den Philippinen veröffentlicht. Dafür wurden zwischen dem 16. März und dem 13. April 2026 insgesamt 1.160 Erwachsene ab 18 Jahren online befragt. Die Ergebnisse wurden nach Alter, Geschlecht und Region gewichtet. 84 Prozent der Befragten berichteten, in den zurückliegenden zwölf Monaten mit mindestens einem Betrugsversuch konfrontiert gewesen zu sein. Zum Vergleich: In der Erhebung des Vorjahres waren es 77 Prozent. Ein Betrugsversuch ist dabei noch kein erfolgreicher Betrug.
Für den Befund zu Kindern ist eine kleinere Gruppe ausschlaggebend. 384 Befragte hatten Kinder im Alter von 7 bis 17 Jahren. Von diesen Eltern gaben 20 Prozent an, mindestens eines ihrer Kinder sei bereits Opfer eines Betrugs geworden. Das steht ausdrücklich auf Seite 36 des vollständigen Berichts. Die Eltern beantworteten die Frage stellvertretend für ihre Kinder; die Kinder wurden dafür nicht selbst befragt. Als Betrug definierte der Fragebogen täuschende Handlungen, mit denen Geld oder persönliche Informationen erlangt werden sollen.
Die Zahl darf daher nicht als „jedes fünfte Kind wurde betrogen“ dargestellt werden. Sie beschreibt den Anteil der befragten Eltern, die einen solchen Fall bei mindestens einem Kind angaben. Anders als die Frage zu den Betrugsversuchen bei Erwachsenen enthält die Kinderfrage keine ausdrückliche Beschränkung auf die vergangenen zwölf Monate. Außerdem sagt diese Auswertung nicht, welche konkreten Betrugsmaschen die Kinder erlebt haben. Für Österreich oder Deutschland liefert die philippinische Befragung keine entsprechende Quote.
Warum ausgerechnet Spielwährung ein guter Köder ist
Die philippinische Redaktion VERA Files berichtete über die Studie und zitierte GASA-Vertreter Brian Hanley, der auf betrügerische Angebote beim Kauf von Gegenständen in Onlinespielen verwies. Das ist ein anschauliches Beispiel, aber keine gesonderte Statistik aus der Kinderbefragung. Wie solche Fallen praktisch aussehen können, zeigt der von der Watchlist Internet dokumentierte Roblox-Fall: Ein Angebot versprach zehn oder sogar fünfzehn Millionen Robux und führte die Spielenden nach einer angeblichen Verifizierung zu weiteren Websites, auf denen sie kostenpflichtige Angebote abschließen oder Daten hinterlassen sollten.
Bei dieser Masche nutzen Kriminelle aus, dass eine digitale Belohnung für Kinder unmittelbar verständlich ist, während die Folgen einer Datenweitergabe oder eines kostenpflichtigen Dienstes schwerer einzuschätzen sind. Die Betrugsseite muss dazu nicht einmal wie ein klassischer Onlineshop aussehen. Ein auffälliges Versprechen, ein paar Abfragen und die Behauptung, die Belohnung müsse erst freigeschaltet werden, können genügen, um die Nutzerinnen und Nutzer immer weiterzuführen.
Wenn eine vermeintliche Spielseite Passwörter verlangt
Eine zweite Variante zielt direkt auf das Spielkonto. Der österreichische Mobilfunkanbieter Drei berichtete am 8. Oktober 2026, sein Internetschutz habe bereits im ersten Quartal 2025 eine gefälschte Roblox-Anmeldeseite blockiert. Nach Angaben des Unternehmens war sie der echten Website täuschend ähnlich und lockte mit kostenlosen Robux. Wer dort seine Zugangsdaten eingab, hätte sie den Betreibern der Fälschung übermittelt. Wie viele Menschen auf diese konkrete Seite hereinfielen, ist damit nicht belegt.
Auch Roblox selbst warnt ausdrücklich vor vermeintlich kostenlosen Robux, vor fremden Links aus Unterhaltungen im Spiel und vor Aufforderungen, das Passwort auf anderen Websites einzugeben. Ein weiterer Warnhinweis ist, wenn eine unbekannte Person plötzlich auf einen anderen Messenger wechseln will oder Bestätigungscodes verlangt. Solche Kontakte müssen nicht automatisch betrügerisch sein. Für Kinder sollte aber klar sein, dass sie in solchen Situationen nachfragen dürfen, bevor sie etwas anklicken oder weitergeben.
Nicht jeder teure Kauf ist gleich Internetbetrug
Eine wichtige Unterscheidung geht in der Debatte leicht verloren. Wenn ein Kind im offiziellen Spiel einen Gegenstand mit regulär gekaufter Spielwährung erwirbt, kann das sehr teuer oder unerwünscht sein. Es ist deswegen nicht automatisch eine Betrugsstraftat. Saferinternet.at weist darauf hin, dass virtuelle Währungen den Bezug zu echtem Geld erschweren können. Wer zuerst Münzen oder Robux kauft und diese später im Spiel ausgibt, verliert den tatsächlichen Preis eines Gegenstands möglicherweise aus dem Blick.
Bei betrügerischen Gratis-Angeboten kommt ein anderer Mechanismus dazu: Hinter dem versprochenen Spielvorteil stehen fremde Anbieter, die Geld, Zugangsdaten oder persönliche Informationen erschleichen wollen. Für Eltern sind deshalb zwei Fragen sinnvoll: Welche Käufe sind im Spiel überhaupt erlaubt, und woran erkennt das Kind eine verdächtige Nachricht oder einen fremden Link?
Welche Gespräche Kindern wirklich helfen
Wer sein Kind schützen möchte, muss nicht jedes Spiel beherrschen. Hilfreicher ist oft, sich erklären zu lassen, wofür die Spielwährung gebraucht wird und welche Angebote gerade im Umlauf sind. Eine konkrete Frage wie „Zeig mir bitte, woher du diese Gratis-Robux bekommen sollst“ öffnet eher ein Gespräch als ein pauschales Verbot. Kinder sollten wissen, dass Passwörter und Anmeldecodes geheim bleiben und dass kostenlose Spielwährung auf fremden Websites ein Warnsignal ist. Einkäufe lassen sich zusätzlich über die Einstellungen des Geräts begrenzen oder an eine Bestätigung durch Erwachsene knüpfen.
Falls bereits Daten eingegeben wurden, zählt rasches Handeln: Das Passwort sollte über die echte Website oder App geändert und, wenn möglich, eine zusätzliche Anmeldesicherung aktiviert werden. Bei Abbuchungen empfiehlt es sich, den Zahlungsanbieter zu kontaktieren, Belege zu sichern und den Vorfall zu melden. Besonders wichtig ist, dass ein Kind einen Fehler ohne Angst vor Beschämung erzählen kann. Sonst erfahren Erwachsene womöglich erst davon, wenn ein Konto nicht mehr zugänglich ist oder bereits Geld fehlt.
Die neue Studie liefert einen Anlass, Kinder bei der Betrugsaufklärung stärker mitzudenken. Die konkreten Warnsignale müssen dafür nicht aus den Philippinen übernommen werden: Die österreichischen Recherchen zu falschen Robux-Angeboten zeigen bereits, wie Betrüger an das anknüpfen, was Kinder beim Spielen erreichen möchten.
VERA Files
9. Oktober 2026
Global Anti-Scam Alliance (GASA), Mastercard und Gogolook
8. Oktober 2026
Watchlist Internet
19. August 2025
Saferinternet.at
25. April 2024
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