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Startseite»Nachrichten»Unbemerkt Topfavorit: Diese spanischen Beton-Monster machen alles platt
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Unbemerkt Topfavorit: Diese spanischen Beton-Monster machen alles platt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 7, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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07.07.2026 | 08:57 Uhr

Kompakte Defensive, dominantes Mittelfeld, vorne ein Tor: Die spanischen Super-Minimalisten betonieren alles platt und lassen Portugal nicht den Hauch einer Chance. Selbst an einem schlechten Tag senden Yamal und Co. eine bedrohliche Botschaft.

In der 91. Minute weiß jeder, was in dieser umkämpften WM-Partie zwischen Spanien und Portugal kommt. 30 Minuten Verlängerung, höchstwahrscheinlich chancenarm, und dann ein packendes Elfmeterschießen zwischen den zwei großen europäischen Rivalen. Aber nicht mit Spanien. Ein kleines Foul im Mittelfeld nutzen die Iberer blitzschnell aus, der eingewechselte Ferran Torres steckt mit einem kleinen Geniestreich den Ball perfekt zwischen den Verteidigern durch auf den ebenfalls frisch hereingebrachten Mikel Merino – und es gibt tatsächlich den späten Schock.

Spanien schickt Portugal und Cristiano Ronaldo mit 1:0 (0:0) nach Hause, weil die Mannschaft von Luis de la Fuente auch in der fünften WM-Partie kein Gegentor kassiert. Der iberische Beton ist dank eines dominanten Mittelfelds und einer kompakten Abwehr sogar so hart, dass die Portugiesen, wie schon alle Gegner zuvor, kaum einen gefährlichen Torschuss verzeichnen können. Und vorne reicht der goldene Treffer kurz vor dem Abpfiff. So gewinnt man Titel.

Die schlechte Nachricht für alle Gegner: Spanien spielt gegen Portugal nicht mal wirklich gut und hat trotzdem kaum Probleme. Das Team hatte die Topform erst einmal in diesem Turnier, in der Anfangsphase gegen Saudi-Arabien erreicht. Dennoch reicht es wieder für einen Sieg. Die Europameister sind nun die erste Mannschaft in der Geschichte der Weltmeisterschaft, die in sechs aufeinanderfolgenden Spielen ohne Gegentor geblieben ist (bei der WM in Katar schieden sie nach einem 0:0 über 120 Minuten im Elfmeterschießen gegen Marokko aus), und haben damit seit 10 Stunden und neun Minuten kein Gegentor mehr kassiert.

Auch vor Frankreich keine Angst

Trainer Luis de la Fuente sagt später bei TV Espana: „Es war ein großartiges Spiel, zwei Spitzenmannschaften – wie wir schon vorher gesagt haben, hätte es ein Finale sein können. Da ist es ganz normal, dass man bis zum Schluss zittern muss.“

Der letzte Satz ist allerdings komplett gelogen. Wirklich zittern muss ein eher mittelmäßiges Spanien gegen Portugal nicht. Defensiv lässt es in dieser Partie zwar etwas mehr zu als zuvor, aber so richtig gefährlich wird es kein einziges Mal. Ein improvisierter Versuch von Ronaldo, ein abgefälschter Schuss von Nuno Mendes an die Latte und ein ganz später Kopfball von Bernado Silva. Das war es dann schon auf portugiesischer Seite.

De la Fuentes Männer haben dagegen die Passmonster Rodri und Pedri, die im Mittelfeld die Fäden ziehen und sich schlichtweg keine Fehler leisten. Mit ihrer Kontrolle erobern die Spanier die Bälle stets schnell zurück und agieren auch gegen den Ball als perfekte, kompakte Einheit. Klar, im Halbfinale kommt es möglicherweise zum großen Clash mit Frankreich, aber auch sowohl vor ihnen als auch vor Belgien im Viertelfinale müssen die Iberer keine Angst haben. Gut möglich, dass sich die Superstürmer um Kylian Mbappé an ihnen genauso die Zähne ausbeißen wie an den ruppigen Paraguayern, die sie knapp mit 1:0 besiegten.

„26 Spieler auf wirklich hohem Niveau“

Und wenn vorne einmal Lamine Yamal nicht zur Entfaltung kommt – in Mendes findet der Superteenie seinen härtesten Gegenspieler bisher und oftmals seinen Meister – und Mikel Oyarzabal mal nicht trifft, dann übernimmt eben die Bank diese Aufgaben. „Die Spieler, die in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurden, haben uns die Energie gegeben, das Spiel auf diese Weise zu Ende zu bringen“, lobt de la Fuente. „Was diese Spieler geleistet haben, war meisterhaft. Das ist unser großes Glück: Wir haben 26 Spieler auf wirklich hohem Niveau.“

Das mit dem Niveau ist diesmal auch bei weitem nicht gelogen. Gleich in der achten Minute muss Spanien eigentlich führen. Oyarzabal spielt einen feinen Doppelpass mit Dani Olmo, aber der Stürmer, der schon vier Tore bei der WM erzielt hat, knallt die Kugel rechts neben das Tor.

Beide Mannschaften spielen ziemlich offen und aggressiv, sobald sich Räume auftun. In einer munteren ersten Hälfte ist Spanien das bessere Team. Nur wenig später muss Portugals Torwart Diogo Costa, neben Mendes der einzige in Topform, mit einer Doppelparade glänzen: Yamal bricht durch, trickst noch einen Gegenspieler aus und zirkelt mit dem linken Zauberfuß einen gefährlichen Schuss aufs Tor, den Costa zur Seite lenkt. Dadurch erhält jedoch Alex Baena die Möglichkeit zum Nachschuss und Costa kratzt diesen gerade noch so aus dem Winkel (18.).

Yamal rauft sich die Haare

Gute zehn Minuten später täuscht Mittelfeldgenie Pedri einen Schuss an, flankt stattdessen an den zweiten Pfosten, wo Costa etwas überrascht abwehrt. Olmo muss eigentlich nur noch auf das Tor köpfen, aber sein Flugkopfball geht neben den Kasten. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte sticht Yamal wieder durch, nimmt den Ball traumhaft an und schließt knapp über das Tor ab – ein Treffer hätte aber wegen Abseits nicht gezählt.

In der zweiten Hälfte baut die Partie ab, aber Spanien hat weiterhin alles unter Kontrolle. Sie legen sich die Portugiesen zurecht, sezieren sie. Dabei hilft auch, dass in der 56. Minute Nuno Mendes, der bis dato Portugals wichtigster Mann war und gerade wieder eine Yamal-Aktion entschärft hatte, verletzt vom Platz muss. Der Youngster erkennt die starke Leistung seines Gegenspielers an und gibt ihm ein paar warme Worte mit.

Nelson Semedo kommt, kann Yamal aber nicht ähnlich stoppen. Nur kurz nach seiner Einwechslung foult er den 18-Jährigen am Strafraum (72.). Der Teenager versucht es direkt, aber Costa wischt den Freistoß locker über die Latte. Drei Minuten später entwischt Yamal Semedo erneut, fährt einen gefährlichen Gegenstoß, aber sein Pass in die Mitte ist zu schlampig. Der Youngster rauft sich die Haare. Portugal bringt in all diesem Minuten überhaupt keine Gefahr zustande, weil der spanische Beton sie beinhart plättet.

Minimalisten sind zurück

2010 gewannen die Iberer als Minimalisten den Titel. Die diesjährigen Beton-Monster haben dazu in Yamal den wohl talentiertesten Offensivkünstler in der spanischen Historie in den Reihen, der das Turnier unbedingt noch zu seinem machen möchte. Gut möglich, dass nach der EM vor zwei Jahren, als die Spanier eigentlich als noch zu jung eingeschätzt wurden, nun der WM-Triumph folgt.

Die Art und Weise wie die spanische Nationalmannschaft effizient und fast unbemerkt ihre Arbeit verrichtet, ist nicht immer schön mitanzusehen. Vor allem, wenn Yamal nicht seinen besten Tag erwischt. Aber sie zeugt von genau der Abgeklärtheit und Professionalität, mit der man die die großen Gegner plattmacht. Und die großen Spiele bei einer WM gewinnt.

Verwendete Quelle: ntv.de

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