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Verbraucherrat
Startseite»Betrugsmaschen»328 Pestfälle in Tatarstan? Faktencheck
Betrugsmaschen

328 Pestfälle in Tatarstan? Faktencheck

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 9, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Die Grafik nennt sehr konkrete Zahlen: 328 Erkrankte, davon 241 laborbestätigte Fälle und zwölf Todesfälle in der Republik Tatarstan. Als Stand wird der 7. Oktober 2026 angegeben. Genau für diese Zahlen lässt sich jedoch keine entsprechende Veröffentlichung der zuständigen Gesundheitsbehörden finden.

Verbreitete russischsprachige Grafik mit angeblichen Pestfallzahlen für Tatarstan
Die verbreitete Grafik stellt 328 Pestfälle und zwölf Todesfälle als offizielle Behördenzahlen dar. Für diese Zahlen findet sich keine bestätigende Originalveröffentlichung.

Keine bestätigte Quelle für 328 Pestfälle

Auch gezielte Recherchen nach den konkreten Zahlen 328 und 241 in Verbindung mit Tatarstan und Pest führen zu keiner amtlichen Fallmeldung. Die Grafik selbst nennt zwar das russische Gesundheitsministerium und Rospotrebnadzor, liefert aber keinen überprüfbaren Link zu einer Originalveröffentlichung.

Zur selben Zeit berichteten regionale Medien unter Berufung auf Rospotrebnadzor über die aktuelle Infektionslage in Tatarstan. Am 5. Oktober 2026 wurden für die laufende Saison 15 Grippefälle und für die Vorwoche 11.923 Fälle von Grippe und akuten Atemwegsinfektionen genannt. Am 7. Oktober wurden dieselben 11.923 Fälle erneut als aktuelle Wochenzahl veröffentlicht. Diese Meldungen sind keine vollständige Liste aller Infektionskrankheiten, sie enthalten aber keinerlei Hinweis auf einen Ausbruch mit hunderten Pestfällen.

Der tatsächlich untersuchte Pestverdacht lag in Irkutsk

Die Weltgesundheitsorganisation berichtete am 7. Oktober über einen möglichen Fall von Lungenpest bei einer Mitarbeiterin eines Anti-Pest-Instituts in der Region Irkutsk. Russland teilte der WHO mit, dass dort zuletzt kein Pestfall gemeldet worden sei und rund 200 Kontaktpersonen unter Quarantäne standen. Die WHO verlangte weitere Informationen und erklärte, dass sie die Lage zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig bewerten könne.

Dieser Vorgang betraf Irkutsk, nicht Tatarstan. Er zeigt zugleich, wie intensiv bereits ein einzelner Pestverdacht öffentlich und international begleitet wurde. Eine bestätigte Meldung über 241 laborbestätigte Pestfälle in Tatarstan findet sich dagegen nicht.

Warum wir die Behauptung als falsch bewerten

Die zentrale Behauptung lautet nicht nur, dass irgendwo unbestätigte Krankheitsfälle vermutet würden. Die Grafik präsentiert 328 Fälle, 241 Laborbestätigungen und zwölf Todesfälle ausdrücklich als offizielle Behördenzahlen. Für genau diese Darstellung fehlt die angegebene amtliche Quelle. Die öffentlich überprüfbare Berichterstattung und Behördenkommunikation bestätigen diese Zahlen nicht.

BEHÖRDE

Weltgesundheitsorganisation (WHO)

7. Oktober 2026

MEDIUM

Respublika Tatarstan

7. Oktober 2026

MEDIUM

Tatar-inform

5. Oktober 2026

BEHÖRDE

FBUZ Zentrum für Hygiene und Epidemiologie Tatarstan

Ohne Datumsangabe

MEDIUM

Tatar-inform

7. April 2023

Tom Wannenmacher bei Mimikama, engagiert in der Aufklärung.

Tom Wannenmacher

Tom Wannenmacher ist Gründer und Chefredakteur von Mimikama, Österreichs führender Faktencheck-Organisation. Seit 2011 kämpft er gegen Desinformation und Internetbetrug.

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.

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Dr. Heinrich Krämer
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