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Startseite»Betrugsmaschen»Kiew: Video zeigt keine Zwangsrekrutierung von Frauen
Betrugsmaschen

Kiew: Video zeigt keine Zwangsrekrutierung von Frauen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 9, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Die Männer in den braunen Uniformen gehören zum kommunalen Sicherheitsdienst der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Ihre Ärmelabzeichen stimmen mit jenen dieser Organisation überein, wie ein Abgleich der Nachrichtenagentur AFP zeigt. Besonders auffällig ist das schildförmige Emblem mit der Aufschrift „Муніципальна Охорона“ – auf Deutsch „Städtischer Sicherheitsdienst“. Die gefilmten Männer sind keine Mitarbeiter der militärischen Rekrutierungszentren (TCC).

Was geschah tatsächlich in Kiew?

Die Aufnahmen entstanden am 21. September 2026 im Kiewer Stadtteil Teremki. Dort protestierten Anrainerinnen und Anrainer gegen den Bau einer Reserve-Wärmeleitung durch eine Grünfläche. Sie befürchteten, dass für die Bauarbeiten zahlreiche Bäume gefällt werden könnten. Die Stadtverwaltung wollte mit der Leitung eine zusätzliche Wärmeversorgung schaffen, falls ein Kraftwerk ausfällt.

Als die Bauarbeiten fortgesetzt wurden, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und kommunalen Sicherheitskräften. Bereits am selben Tag berichtete das ukrainische Medium Ukrainska Pravda über die Proteste und darüber, dass Sicherheitskräfte Menschen gewaltsam von der Baustelle entfernten. Auch Videos des Einsatzes wurden veröffentlicht.

AFP verglich die viral verbreiteten Aufnahmen mit weiteren Videos und Fotos ukrainischer Medien. Mehrere Frauen sind anhand ihrer Kleidung wiederzuerkennen. Auch die Baustelle, die Umgebung und charakteristische Gebäude stimmen überein. Die Videos lassen sich damit eindeutig den Protesten im Stadtteil Teremki zuordnen.

Die Gewalt ist echt – der behauptete Anlass falsch

Dass Frauen in den Aufnahmen mit Gewalt weggezerrt werden, ist unübersehbar. Zwei beteiligte Aktivistinnen berichteten der ukrainischen Menschenrechtsorganisation ZMINA, Mitarbeiter des kommunalen Sicherheitsdienstes hätten sie gegen ihren Willen vom Gelände entfernt. Beide Frauen wurden nach eigenen Angaben anschliessend ins Krankenhaus gebracht. Eine der Betroffenen schilderte Verletzungen an ihren Fingern und gab an, Anzeige bei der Polizei erstattet zu haben.

Auch der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko reagierte. Wie Ukrainska Pravda am 24. September berichtete, ersuchte er die Polizei, das Verhalten der kommunalen Sicherheitskräfte rechtlich zu überprüfen. Zusätzlich sollte eine interne Untersuchung stattfinden. Ob der Gewalteinsatz rechtswidrig war, lässt sich aus diesen Angaben allein nicht abschliessend beurteilen.

Müssen ukrainische Frauen zum Militär?

Nach der ukrainischen Rechtslage können Frauen während des Krieges auf freiwilliger Basis Militärdienst leisten. Eine allgemeine verpflichtende Einberufung von Frauen besteht nicht. Das ukrainische Verteidigungsministerium bestätigt diese Regelung ausdrücklich.

Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen der militärischen Registrierung und der tatsächlichen Einberufung. Frauen mit medizinischer oder pharmazeutischer Ausbildung müssen unter den gesetzlichen Voraussetzungen im Militärregister erfasst werden. Für Frauen mit medizinischer Ausbildung wurde 2025 ausserdem eine automatische Registrierung geregelt. Daraus entsteht jedoch keine automatische Verpflichtung, Militärdienst zu leisten.

Die online verbreiteten Videos liefern somit keinen Beleg für eine Zwangsmobilisierung von Frauen. Sie zeigen einen realen Konflikt zwischen Demonstrierenden und städtischen Sicherheitskräften, dessen tatsächlicher Hintergrund durch die falsche Zuschreibung als militärische Rekrutierung verschleiert wird.

FAKTENCHECK

AFP Faktencheck

7. Oktober 2026

MEDIUM

Ukrainska Pravda

24. September 2026

NGO

ZMINA – Menschenrechtsorganisation

22. September 2026

MEDIUM

Ukrainska Pravda – Life

21. September 2026

BEHÖRDE

Verteidigungsministerium der Ukraine

30. Juli 2025

BEHÖRDE

Verteidigungsministerium der Ukraine

22. März 2025

Tom Wannenmacher bei Mimikama, engagiert in der Aufklärung.

Tom Wannenmacher

Tom Wannenmacher ist Gründer und Chefredakteur von Mimikama, Österreichs führender Faktencheck-Organisation. Seit 2011 kämpft er gegen Desinformation und Internetbetrug.

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.

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