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Startseite»Politik»Umzug des Bundespräsidenten: Vom Schloss in den Modulbau
Politik

Umzug des Bundespräsidenten: Vom Schloss in den Modulbau

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 10, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 10.07.2026 • 13:05 Uhr

Amtsgeschäfte im Ausweichquartier: Bundespräsident Steinmeier hat seinen neuen Amtssitz bezogen – ein Gebäude ohne Stuck, Gold, und Prunk. Nötig macht das die Sanierung von Schloss Bellevue.

Tina Handel

Der Bundespräsident, so viel scheint klar, wird künftig deutlich häufiger Fahrstuhl fahren: Büroturm statt Bellevue, enge Straßenkreuzung in Berlin-Moabit, statt Ehrenhof und Schlosspark. Es sind ganz andere Nachrichtenbilder, die bald aus dem neuen Amtssitz kommen, wenn Präsidenten oder Königinnen das deutsche Staatsoberhaupt besuchen.

Im Haus sehen sie dann: viel Farbe und viel Sichtbeton. Die repräsentativen Räume liegen im sechsten Obergeschoss, mit Blick auf Kanzleramt, Reichstag oder andere Bürobauten. Kräftig dunkelgrün ist die Wandelhalle für Empfänge. Der große Saal, in dem künftig Kanzler ernannt oder Minister entlassen werden, ist fast schon royalblau. Hier sollen auch die Staatsbankette stattfinden.

Berlin

Neuer Amtssitz des Bundespräsidenten

„Kein Stuck, kein Gold, kein Prunk“

„Kein Stuck, kein Gold, kein Prunk – das passt hier nicht rein“, sagt Maike Liebschner, Protokollchefin des Bundespräsidialamtes. Ganz leer bleiben die Räume aber nicht: Moderne Kunst werde noch einziehen. „Außerdem gestalten wir viel mit Blumen und Pflanzen“, erklärt Liebschner. Und für ausländische Delegationen gehörten natürlich die passenden Flaggen dazu.

Von außen machte bislang nur der kleine Schriftzug „Bundespräsidialamt“ unten am Eingang klar, wer hier arbeitet. Ab diesem Freitag weht zusätzlich die Standarte mit Bundesadler auf dem Dach. Viele Passanten, die in den vergangenen Sommerwochen am neuen Amtssitz vorbeikamen, vermuteten schlicht Bankbüros oder eine Krankenkasse hinter der bunten Fassade.

Neu gehisst: Die Standarte des Bundespräsidenten weht jetzt über dem Amtssitz in Berlin-Moabit.

Bundespräsidialamt verteidigt kostspieligen Umzug

205 Millionen Euro hat dieser Modulbau gekostet, der für acht Jahre übergangsweise Amtssitz sein soll. Hinzu kommen jährlich 16 Millionen Euro für die Miete. Immerhin: Das Haus wurde nicht nur für das Staatsoberhaupt gebaut. Wenn das Amt zurück nach Bellevue zieht, soll eine Bundesbehörde das Bürohaus nutzen.

Dass diese Kosten in Zeiten klammer Haushalte nicht gut ankommen, weiß man auch im Bundespräsidialamt – und versichert: Der Umzug ist unumgänglich. Schloss Bellevue sei so marode, dass eine Sanierung nicht im laufenden Betrieb funktioniert hätte. Auch ein neues Wachgebäude entsteht und etliche unterirdische Anlagen, unter anderem für erhöhte Sicherheitsanforderungen, die das Bundeskriminalamt dringend empfehle. Diese Sanierungsarbeiten sollen mindestens 600 Millionen Euro kosten.

Jahrelang, von 2018 bis 2020, habe man geprüft, ob nicht einfach eine bestehende Hauptstadt-Immobilie als Amtssitz in Frage komme. Doch kein Gebäude habe „den sicherheitsbedingten Notwendigkeiten sowie den verfassungsrechtlich gebotenen Repräsentationsanforderungen entsprochen“, teilt das Bundespräsidialamt mit. Das heißt: Schick, weitläufig und zugleich bombenfest – das habe man auf dem Berliner Immobilienmarkt nicht gefunden.

Das Essen kommt mit dem Fahrstuhl

Maike Liebschner und ihr Protokollteam müssen in den kommenden Wochen alle Abläufe üben: Wo werden Orden überreicht? Wo stehen die Gäste? Wo die Journalisten? Eine Herausforderung im neuen Haus sind die drei Fahrstühle, die möglichst störungsfrei funktionieren müssen, damit alle pünktlich oben in den Veranstaltungsräumen ankommen.

Auch Küchenchef Jan-Göran Barth muss sich umstellen: Bislang war seine Schlossküche direkt neben dem Großen Saal in Bellevue. Nun stehen Schockfroster, Herd und Dampfgarer im Erdgeschoss, aber die Gäste warten im sechsten Stock.

„Unten produzieren wir alle Speisen“, sagt Barth. „Dann fährt ein Fahrstuhl sie direkt in die große Anrichte nach oben.“ In diesem Raum bereitet sein Küchenteam die Teller vor. Barth hat schon viele Menüideen: „Das Pastinakenpüree wird angerichtet an der Kalbsbacke. Dazu kommt Deko: Soße, Schaum, Öl.“

Angekommen im neuen Büro: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird seine Amtszeit hier beenden.

Nun ist es der „Amtssitz am Spreebogen“

Welche Staatsgäste als erste den frisch bezogenen Neubau besuchen, ist noch unklar.

Wie genau dieser neue Ort im politischen Berlin heißen soll, hat das Bundespräsidialamt dagegen schon entschieden: „Amtssitz am Spreebogen“ ist der offizielle, vielleicht etwas längliche Titel. Nicht unwahrscheinlich, dass der Volksmund bald einen anderen Spitznamen findet.

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